Gazette Verbrauchermagazin
☰
Garten

Igel gefunden - was tun?

BUND-Tipps zur Soforthilfe und zum langfristigen Schutz

15.10.2026: Es ist wieder Igel-Zeit. Im Herbst sind die nachtaktiven Insektenfresser häufiger zu sehen, weil sie dann auch tagsüber auf Nahrungssuche sind, um sich lebensnotwendige Überwinterungsreserven anzufressen.

Eine Zufütterung kann insbesondere untergewichtigen Igeln mit einem Spätherbstgewicht von weniger als 500 Gramm helfen, den Winter zu überstehen. Geeignetes Futter ist beispielsweise ungewürztes Rührei oder hochwertiges, insektenhaltiges Igelfertigfutter (also ohne Flocken, Rosinen oder Nüsse). Auf keinen Fall darf man Milch oder Milchbrei füttern, denn dies verursacht lebensgefährlichen Durchfall!

Außerdem muss der Futterplatz (besser: mehrere kleine Futterschalen) sauber gehalten werden, um die Übertragung von Parasiten von Igel zu Igel zu vermeiden. Generell kann man Kleintieren mit einer flachen Schale frischen Wassers durch trockene Wetterperioden helfen.

Auf dem natürlichen Speiseplan des Igels stehen Käfer, Engerlinge, Raupen, Spinnen und Regenwürmer, seltener Schnecken – die zudem Zwischenwirte für die für Igel lebensgefährlichen Lungenwürmer sind.

Dazu erklärt Dirk Schäuble, Naturschutzreferent des BUND Berlin:

„Durch Füttern oder Aufpäppeln kann man zwar einzelne Igel retten. Der dramatische Rückgang der Population lässt sich dadurch aber nicht stoppen. Denn die Hauptursachen dafür, dass der Igel mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, sind der Schwund an geeigneten, miteinander vernetzten Lebensräumen und der Mangel an natürlicher Nahrung.

Unser heimischer Igel fühlt sich in naturnahen, miteinander verbundenen Gärten, in Streuobstwiesen, in extensiv gepflegten Parks, Grünstreifen und Hecken mit einheimischen Sträuchern wohl. Insektenfeindliche, aufgeräumte Grünflächen mit unüberwindbaren Abgrenzungen – Igel sind schlechte Kletterer! – bieten dagegen kein Zuhause. Auch eine extreme Nachverdichtung in Wohn- und Gewerbegebieten, die zwischen Asphalt und Beton nur wenige, verinselte Grünflächen übriglässt, ist mitverantwortlich für den Rückgang der Stacheltiere.“

Wer im Garten oder auf Grünflächen eher faul agiert, handelt igelfreundlich. Grünflächen sollten nicht zu intensiv gepflegt, insektenfreundliche Stauden über den Winter stehen gelassen und beliebte Überwinterungsorte wie Totholz- oder Laubhaufen liegen gelassen werden.

Mähroboter sollten möglichst gar nicht und insbesondere in der Dunkelheit nicht eigesetzt werden. Igel sind Mährobotern hilflos ausgeliefert, denn Igel sind keine Fluchttiere. Bei Gefahr stellen sie zwar ihr Stachelkleid auf, doch das schützt sie nicht gegen die scharfen und schnell rotierenden Klingen der Mähroboter. Die häufig grauenhaften Verletzungen sind oft tödlich für Igel.

Auch das Wissen um „Igelfallen“ hilft: Vor der Verbrennung oder der Abfuhr von Schnittgut muss kontrolliert werden, ob sich darin nicht Igel oder andere Kleintiere aufhalten. Auch Swimmingpools oder Kellerschächte können nicht nur für Igel sondern auch für Amphibien tödliche Fallen darstellen. Deshalb sollten diese abgedeckt oder zumindest mit Ausstiegshilfen versehen werden.

Der BUND weist außerdem darauf hin, dass Bodenleuchten oder Strahler im eigenen Garten nicht nur die nachtaktiven Tiere sondern auch Mitmenschen irritieren.

Vor allem überwinternde Igel oder Jungigel im Nest fallen immer wieder Baufeldräumungen, maschinellem Heckenrückschnitt oder anderen Räum- und Pflegemaßnahmen zum Opfer. Insbesondere Laubbläser können die Tiere verletzen. Um dies zu vermeiden, fordert der BUND, dass potenzielle Igellebensräume wie zum Beispiel aufgelassene Gärten oder verwilderte Restgrünflächen in Gewerbegebieten vor Baumaßnahmen auf diese gesetzlich geschützte Tierart abgesucht werden.

Das gilt auch für die Hecken- und Grünflächenpflege, wenn sie mit Freischneidern oder Motorsensen erfolgt: Um “Massaker” zu vermeiden, müssen Igel zuvor umgesetzt oder fachgerecht in Obhut genommen werden. Im privaten Garten, wo im Gegensatz zum kommunalen Bereich kein Effizienzdruck herrscht, ist natürlich einer naturschonden Grünflächen-und Heckenpflege der Vorzug zu geben.

Weitere praktische Tipps zum Schutz von Igeln finde Sie hier: www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/igeln-helfen-praktische-igelschutz-tipps-fuer-den-garten/

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2026