175 Jahre Berliner Feuerwehr
Die älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands feiert Geburtstag

Erschienen in Gazette Steglitz Februar 2026
Berlin im Jahr 1850: Enge Straßen, Gestank und noch viele Gebäude aus Holz, geheizt wurde mit Feuer im Kamin. Wenn es brannte – was oft vorkam – halfen Feuerwachen aus den Spritzenhäusern mit Handdruckspritzen sowie Freiwillige mit Feuerhaken und Eimerketten. Am 1. Februar 1851 änderte sich das Vorgehen. König Friedrich Wilhelm IV. hatte genug von unzureichender Brandbekämpfung und gründete die Berliner Feuerwehr als älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands.
Aufbau der ersten Berufsfeuerwehr
Der erste Chef war Ludwig Scabell (1811 – 1885). Ihn beauftragte der König mit dem Aufbau der Berufsfeuerwehr. Er sorgte nicht nur dafür, dass es innerhalb kurzer Zeit 18 rund um die Uhr besetzte Feuerwachen in der Stadt gab, sondern ließ auch ein flächendeckendes Telegrafennetz für die Feuerwehr schaffen. Er kümmerte sich darum, dass gusseiserne Feuermelder gebaut wurden, die anschließend auf öffentlichen Plätzen in Berlin standen. Ab 1856 gab es in der Stadt ein Wasserleitungsnetz mit 1520 Hydranten. An ihn erinnert die Scabellstraße in Wannsee.

Von der Feuerspritze zum Löschzug
Die Feuerspritzen wurden damals von Pferden gezogen. Sie hatten auch Auswirkungen auf den boomenden Wohnungsbau in der Stadt und dem Umfeld. Die damaligen Hinterhöfe mussten mindestens 5,34 x 5,34 Meter messen, damit die Feuerspritze wenden konnte. Dieses Mindestmaß wurde von den Bauherren der Gebäude nur selten überschritten, was zu den berühmt-berüchtigten dunklen Berliner Hinterhöfen führte. Ab 1906 gab es einen Probebetrieb mit elektrisch betriebenen Löschfahrzeugen, nach zweijähriger Probezeit wurde ein elektrisch betriebener Feuerlöschzug in den Dienst gestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte man die Fertigung der elektrischen Radnabenmotoren ein, daraufhin nutzte die Feuerwehr Fahrzeuge mit Benzinmotor. Im Nationalsozialismus bekam die Feuerwehr einen neuen Namen – sie hieß „Feuerlöschpolizei“ und unterstand dem Reichsministerium des Inneren. Feuerwehrfahrzeuge waren ab 1940 nicht mehr rot, sondern Tannengrün.
Eine Stadt, zwei Feuerwehren
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Berlin geteilt, was auch zu zwei unterschiedlichen Feuerwehren führte. Im Westteil waren die Fahrzeuge Rot und die Feuerwehrleute waren Beamte. Im Ostteil fuhr die Feuerwehr rot-weiße Autos und war in die Volkspolizei eingegliedert. Während des Mauerbaus sprangen viele verzweifelte Berlinerinnen und Berliner aus höher gelegenen Wohnungen entlang der Demarkationslinie in die rettenden Sprungtücher der Feuerwehr aus dem Westen der Stadt.
Rettungsdienst an erster Stelle
Heute, 175 Jahre nach der Gründung, ist die Berliner Feuerwehr eine der größten und modernsten der Welt. Aber der Job hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Schon 1969 wurde das Rettungsamt bei der Feuerwehr im Westen Berlins eingegliedert. Im Osten der Stadt blieb bis 1990 das Rettungsamt verantwortlich, das änderte sich erst mit der Wiedervereinigung. Seitdem gibt es mehr Einsätze im Rettungsdienst als im Brandfall. 2024 waren es 454.765 Rettungseinsätze, 25.385 Einsätze vom Rettungsdienst mit technischer Hilfeleistung und dagegen 20.545 Einsätze bei Bränden.
Die Berliner Feuerwehr feiert ihr Jubiläum mit einem bunten Jubiläumsprogramm, so werden unter anderem vom 9. bis 10. Mai die historischen Fahrzeuge im Rahmen der Classic Days auf dem Kurfürstendamm präsentiert und ein Bildband zum 175. Bestehen veröffentlicht.














