80 Jahre Leo-Borchard-Musikschule
Es begann mit der „Volksmusikschule Steglitz“

Erschienen in Gazette Steglitz Februar 2026
Die Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf blickt in diesem Jahr auf eine acht Jahrzehnte währende Geschichte zurück. Was heute als eine der größten Musikschulen Deutschlands gilt und ein breites Spektrum von Klassik bis Jazz abdeckt, hat seine Wurzeln in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Gründung in schwerer Zeit
Im Jahr 1946, nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, herrschte in Berlin große materielle Not. In dieser Zeit der Ungewissheit, aber auch des Aufbruchs, gründete der Musikpädagoge und Komponist Thilo Cornelissen (1904 – 1965) die „Volksmusikschule Steglitz“. Cornelissen, der Musiklehrer am heutigen Hermann-Ehlers-Gymnasium war, wollte neue Möglichkeiten schaffen, Musik zu erfahren. Gemeinsam mit engagierten Lehrkräften schuf er die Voraussetzungen für den ersten Instrumental- und Gesangsunterricht und rief Ensembles wie den Kammerchor ins Leben. Auch das damals übliche Weihnachtssingen der Steglitzer Schulen ging auf seine Initiative zurück. Sein pädagogischer Ansatz, die Freude am Musizieren in der Gemeinschaft zu wecken, spiegelte sich auch in seinem 1951 veröffentlichten Liederbuch „Der Kreis“ wider.

Wachstum und Fusion
Die Schule entwickelte sich stetig weiter. Unter dem Dirigenten Rüdiger Trantow, der die Leitung 1958 übernahm, wuchs die Einrichtung weiter und erzielte bald Erfolge im Wettbewerb „Jugend musiziert“. Eine inhaltliche Erweiterung erfolgte ab 1991 unter Joachim Gleich. Er etablierte neue Schwerpunkte in den Bereichen Jazz und Percussion und öffnete das Programm für Folklore. In seine Amtszeit fiel auch die Fusion der Musikschule Steglitz und der 1979 gegründeten Musikschule in Zehlendorf zur heutigen bezirklichen Großinstitution. Seit 2020 wird die Schule von Christian Schommartz geleitet. Ein wichtiger Standort in der Geschichte der Schule ist die Villa in der Grabertstraße in Steglitz, die bereits 1966 bezogen wurde. Im Jahr 2004 musste sie dort ausziehen. Da das vorgesehene Nutzungskonzept als privates Bildungszentrum scheiterte, kehrte die Musikschule 2007 an diesen traditionsreichen Ort in der Grabertstraße 4 zurück. In Zehlendorf ist die Musikschule in der Martin-Buber-Straße 21 ansässig.

Widerstandskämpfer Leo Borchard
Seit 1990 trägt die Musikschule den Namen von Leo Borchard (1899–1945). Der Dirigent, der in Moskau als Lew Borchard geboren wurde, war eine bedeutende Persönlichkeit des Berliner Kulturlebens und des Widerstands. Während der NS-Zeit erhielt er wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ Auftrittsverbot. Borchard schloss sich der Widerstandsgruppe „Onkel Emil“ um Ruth Andreas-Friedrich an, die verfolgten Mitbürgern – insbesondere Juden – durch gefälschte Ausweise und Unterschlupf das Leben rettete. Unmittelbar nach Kriegsende organisierte Borchard den Wiederaufbau der Berliner Philharmoniker. Bereits drei Wochen nach der Kapitulation dirigierte er im Steglitzer Titania-Palast das erste Konzert, bei dem Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ erklang – Musik, die zuvor verboten war. Leo Borchard starb tragisch am 23. August 1945 durch den Schuss eines US-Soldaten.














