Gazette Verbrauchermagazin

Wassermann auf dem Trockenen

Nickelmannbrunnen am Nollendorfplatz erinnert an frühere Zeiten

So schön wie auf dieser historischen Postkarte sah es einst am Nollendorfplatz aus.
So schön wie auf dieser historischen Postkarte sah es einst am Nollendorfplatz aus.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau September 2022
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Viel Beton, ein Verkehrsknotenpunkt mitten in der Innenstadt. Nichts erinnert mehr daran, dass hier einst ein Schmuckplatz war. Dabei war der Nollendorfplatz – benannt nach einem Ort in Böhmen, heute Naklérov in Tschechien – um 1880 als parkähnlicher Schmuckplatz angelegt worden. Rund um den Platz – der teils zu Schöneberg und zu einem größeren Teil zu Charlottenburg gehörte – wurden prächtige Häuser erbaut, darunter das Neue Schauspielhaus, später Metropol.

Eine große Veränderung gab es, als die Hochbahn über den Platz gebaut wurde. Ein Pfeiler der Bahn erhielt einen ungewöhnlichen Schmuck – den Nickelmannbrunnen. Eine historische Postkarte zeigt, wie es damals auf dem Nollendorfplatz aussah: Aus dem Mund des Nickelmanns – eine alte Bezeichnung für Wassermann – schoss das Wasser und fiel über die Brunnenumrandung in ein etwas tiefer gelegenes Bassin. Dieses wiederum war von Bäumen, Beeten und Rasen umgeben. Das ist lange vorbei, aber der Nickelmann – der mit seinem Brunnen und Delfinen unter Denkmalschutz steht - ist noch zu sehen. Allerdings sitzt er heute auf dem Trockenen, sowohl Wasser als auch Bassin sind für ihn Geschichte. Ob der Brunnen jemals wieder sprudeln wird, ist fraglich. Aber künftig könnte er wieder instandgesetzt werden und eine Infotafel erhalten, die an schönere Zeiten am Nollendorfplatz erinnert, das beantragten die Fraktionen der Grünen und der SPD in der BVV. Ob er allerdings jemals wieder fröhlich sprudelt, steht noch in den Sternen.

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