Charlottenburg
Vom Sandweg zur Hauptverkehrsstraße
Kaiserdamm feiert 120-jähriges Bestehen

17.08.2026: Eine vielbefahrene Verkehrsader im Westen Berlins: Der Kaiserdamm verbindet den Sophie-Charlotte-Platz mit dem Theodor-Heuss-Platz, tausende Fahrzeuge fahren täglich dort entlang. Doch hinter dem grauen Asphalt und den vielen Fassaden aus der Gründerzeit verbirgt sich eine lange Geschichte. 2026 blickt der Kaiserdamm auf sein 120-jähriges Bestehen zurück – ein Anlass, seine Entwicklung genauer zu betrachten.
Der Wille des Kaisers
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es an dieser Stelle lediglich einen unbefestigten Sandweg, der am idyllischen Lietzensee vorbeiführte. Das änderte sich auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. Er wünschte sich eine repräsentative Verbindung vom historischen Zentrum der Stadt über den „Neuen Westen“ hin zu den westlichen Vororten.
Nach mehrjährigen Bauarbeiten wurde die neue, stolze 50 Meter breite Prachtstraße am 1. November 1906 feierlich eröffnet. Sie bildete die direkte Verlängerung der Bismarckstraße und entwickelte sich rasch zu einer der nobelsten Adressen der damals noch eigenständigen Stadt Charlottenburg. Nur zwei Jahre später, im Jahr 1908, folgte der Anschluss an das Berliner U-Bahn-Netz mit den Bahnhöfen Sophie-Charlotte-Platz und Kaiserdamm.

Prominente Bewohner und dunkle Kapitel
Der großzügige Boulevard zog bald bekannte Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft an. Der Schriftsteller Alfred Döblin betrieb am Kaiserdamm 28 eine Arztpraxis. Auch der Maler Otto Dix, der Schauspieler Emil Jannings sowie der Schriftsteller Erich Maria Remarque wohnten zeitweise hier. An den Automobilpionier August Horch, der von 1934 bis 1943 am Kaiserdamm 97 lebte, erinnert heute eine Gedenktafel.
Die Geschichte des Kaiserdamms hat jedoch auch ihre Schattenseiten. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Straße in die Pläne für die geplante Welthauptstadt „Germania“ einbezogen und als Teil der Ost-West-Achse für Aufmärsche genutzt. Die markanten Doppelstraßenleuchter, die Albert Speer damals aufstellen ließ, prägen das Straßenbild noch heute.
Streit um den „Adenauerdamm“
Ein besonders kurioses Kapitel der Nachkriegsgeschichte trug sich Ende der 1960er-Jahre zu. Nach dem Tod des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Jahr 1967 beschloss der Berliner Senat, den Kaiserdamm ihm zu Ehren in „Adenauerdamm“ umzubenennen.
Diese Entscheidung stieß nicht nur bei den Anwohnern auf heftigen Widerstand. Adenauer war in der Berliner Bevölkerung zu dieser Zeit nicht sonderlich populär. Nach anhaltenden Protesten der Bürger musste die Umbenennung bereits Anfang 1968 wieder rückgängig gemacht werden – der Kaiserdamm erhielt seinen historischen Namen zurück.
Jubiläum im Kiez
Heute ist der Kaiserdamm eine Mischung aus Wohnort, Verkehrsachse und Standort für mittelständische Betriebe. Ein besonderes Beispiel für diese Beständigkeit ist das Traditionsgeschäft „Eisen Döring“ an der Kaiserdammbrücke, das in diesem Jahr ebenfalls sein 120-jähriges Bestehen feiert.
Zum runden Jubiläum der Straße im Jahr 2026 plant die Interessengemeinschaft Kaiserdamm (Kaiserdamm IG) verschiedene Aktionen, darunter thematische Rundgänge um die Geschichte des Boulevards erlebbar zu machen. Weitere Informationen auf der Webseite der Kaiserdamm IG.



