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Berlin

Industriegeschichte vor der Haustür erleben

12. September bis 4. Oktober - Festival der Berliner Industriekultur

Das ehemalige Wasserwerk von Charlottenburg - heute Ökowerk - ist Teil der Berliner Industriegeschichte.
Das ehemalige Wasserwerk von Charlottenburg - heute Ökowerk - ist Teil der Berliner Industriegeschichte.

20.08.2026: Wenn im Herbst das stadtweite „Festival der Berliner Industriekultur“ beginnt, können Berlinerinnen und Berliner ein buntes Programm miterleben. Vom 12. September bis zum 4. Oktober 2026 rückt das Festival zahlreiche Orte im Südwesten der Stadt in den Mittelpunkt – von geschichtsträchtigen Stellwerken über historische Verkehrswege bis hin zum tiefen Bunker.

Historische Müllabfuhr und Bunker

Der Auftakt in Tempelhof-Schöneberg findet statt am Samstag, den 12. September - um 10 Uhr führt der Verein Saubere Zeiten e.V. über das Gelände des ehemaligen Garde-Train-Bataillons und in das denkmalgeschützte BSR-Werkstattgebäude aus den 1970er-Jahren, das vom Architekten Josef Paul Kleihues entworfen wurde. Zu sehen ist eine Sammlung historischer Müllfahrzeuge und Kehrmaschinen.

Flughafen-Geheimnisse

Flughafen Tempelhof
Flughafen Tempelhof

Nur eine halbe Stunde später, um 10.30 Uhr, startet am Flughafen Tempelhof die Sonderführung „Bunkermythen debunked.“. Gemeinsam mit dem Berliner Unterwelten e.V. und der Tempelhof Projekt GmbH begeben sich die Teilnehmer auf Spurensuche im Tempelhofer Untergrund und im benachbarten Fliegerviertel. Dabei werden historische Tatsachen von Legenden über unterirdische Gänge und Bunkeranlagen getrennt.

Kopfhörer-Clubbing

Natur Park Südgelände
Natur Park Südgelände

Am Sonntag, den 13. September, um 20 Uhr verwandelt sich der Natur-Park Südgelände zur Kulisse für ein leises Club-Erlebnis. Auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Tempelhof findet die 60-minütige Kopfhörer-Party „silent.beats“ statt. Ausgestattet mit kabellosen Kopfhörern bewegen sich die Teilnehmer zu elektronischer Musik eines Live-DJs zwischen alten Schienen, Lokomotiven und der sich ausbreitenden Natur.

Kräuterkunde mit Snack

Alte Malzerei. Foto: Jacqueline Lorenz
Alte Mälzerei. Foto: Jacqueline Lorenz

Am darauffolgenden Freitag, den 18. September, steht ab 16 Uhr die Natur auf einem alten Industrieareal im Fokus. Auf dem Gelände der historischen Malzerei der Schultheiss-Brauerei in Tempelhof, der heutigen Malzfabrik, wird eine Wildkräuter-Tour angeboten. Neben der Geschichte der Fabrik lernen Besucher bei einem Rundgang über den „Malzacker“ den urbanen Gemüseanbau des Acker e.V. kennen und verkosten zum Abschluss einen Wildkräuter-Snack.

Größenwahn in Beton

chwerbelastungskörper in der General-Pape-Straße.
Schwerbelastungskörper in der General-Pape-Straße.

Am Sonntag, den 20. September, steht der Schwerbelastungskörper in der General-Pape-Straße ab 10 Uhr im Mittelpunkt des Aktionstags. Der gewaltige Betonzylinder ist ein einzigartiges Relikt der nationalsozialistischen Stadtplanung für die geplante „Welthauptstadt Germania“. Um zu testen, ob der Baugrund das Gewicht der vorgesehenen Monumentalbauten tragen kann, ließ NS-Architekt Albert Speer 1942 den 13.000 Tonnen schweren, 14 Meter hohen und 18 Meter tiefen Koloss errichten. Bei einem Rundgang über das Gelände kann auch die Aussichtsplattform bestiegen werden. Zudem verkehrt im 30-Minuten-Takt ein kostenfreier Hop-on-Hop-off-Oldtimerbus, der die Besucher zu weiteren Schauplätzen der Industriekultur im Bezirk Tempelhof-Schöneberg bringt.

Vom Stellwerk zur Porzellanmanufaktur

U-Bahn-Museum am Olympiastadio.
U-Bahn-Museum am Olympiastadio.

Den Auftakt in Charlottenburg-Wilmersdorf macht am Samstag, 19. September, eine Tanzveranstaltung an einem ungewöhnlichen Ort: Im U-Bahn-Museum am Olympiastadion legt ab 20 Uhr DJ John – bekannt aus dem ehemaligen Charlottenburger Club „Abraxas“ – Funk, Soul und R&B auf. Das Museum befindet sich im historischen Stellwerk von 1931, das einst das größte Hebelstellwerk Europas war.

Radtour und Führung

Wer die Industriegeschichte lieber tagsüber und in Bewegung erkunden möchte, kann sich am Dienstag, 22. September, um 10 Uhr der geführten Radtour „Innovation und Eleganz“ anschließen. Auf einer Strecke von acht Kilometern führt die Tour vorbei an verschiedenen Epochen der Industriearchitektur. Ein fester Programmpunkt ist dabei eine Führung durch die Produktion der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) an der Wegelystraße.

Kulinarik im Grunewald

Kesselhaus im Ökowerk.
Kesselhaus im Ökowerk.

Am Samstag, 26. September, lädt das Naturschutzzentrum Ökowerk im Grunewald ab 12.30 Uhr zur „Langen Tafel der Industriekultur“. Im ehemaligen Kesselhaus des ältesten erhaltenen Wasserwerks Berlins wird ein vegetarisches oder veganes Zwei-Gänge-Menü serviert, begleitet von Musik und Mitmachangeboten für Kinder zum Thema Wasser. Im Anschluss kann das historische Wasserwerk aus dem Jahr 1873 bei einer Führung besichtigt werden.

Abschluss auf dem Funkturm

Haus des Rundfunks
Haus des Rundfunks

Zum Abschluss des Festivals am Sonntag, 4. Oktober, wird ab 12 Uhr eine kombinierte Führung durch das Haus des Rundfunks und den Funkturm angeboten. Teilnehmer erhalten Einblicke in die Arbeit des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) und besichtigen die Architektur des Hauses an der Masurenallee samt Großem Sendesaal. Danach geht es hinauf auf die Aussichtsplattform des gegenüberliegenden Funkturms, von wo aus die Geschichte Berlins als Medienmetropole erläutert wird.

Auf den Spuren der Stammbahn

Ehemaliger Bahnhof der Stammbahn.
Ehemaliger Bahnhof der Stammbahn.

Am Donnerstag, 24. September, startet in Steglitz-Zehlendorf um 10 Uhr eine geführte, rund 14 Kilometer lange Bahndamm-Wanderung unter dem Titel „Alte Verkehrswege im Südwesten“. Nach einer kurzen gemeinsamen Busfahrt beginnt der Weg am ehemaligen S-Bahnhof Düppel-Kleinmachnow. Dieser liegt an der „Stammbahn“, Preußens ältester Eisenbahnstrecke von 1838.

Machnower Schleuse
Machnower Schleuse

Die Route führt weiter zur Machnower Schleuse am Teltowkanal, wo ein historischer Straßenbahnwagen an die einstige Anbindung erinnert. Vorbei am ehemaligen Checkpoint Bravo (Albrechts Teerofen) und der Trasse der alten Friedhofsbahn geht es über Kohlhasenbrück bis nach Steinstücken. Die einstige bewohnte West-Berliner Exklave lag zu Mauerzeiten isoliert auf Potsdamer Gebiet. Zum Abschluss besichtigen die Teilnehmer den ehemaligen Hubschrauberlandeplatz, den die amerikanischen Alliierten zur Versorgung der Exklave nutzten. Unterwegs gibt es an den einzelnen Stationen Erläuterungen zur Historie.

Ehemaliger Checkpoint Bravo
Ehemaliger Checkpoint Bravo

Radtour am Teltowkanal

Am Freitag, den 25. September, folgt um 16 Uhr die zwölf Kilometer lange „After Work Radtour: Kanal und Industrie“. Diese Tour beleuchtet die wirtschaftliche Rolle des Teltowkanals, thematisiert jedoch auch den Einsatz von Zwangsarbeitern während des Nationalsozialismus sowie die spätere Funktion des Kanals als deutsch-deutsche Grenze.

Historische Triebwagen einer elektrischen Straßenbahn.
Historischer Triebwagen einer elektrischen Straßenbahn.

Teil der Tour ist eine einstündige Führung an der Schleuse Kleinmachnow und die Besichtigung des historischen Triebwagens einer elektrischen Straßenbahn. Die Route verläuft teils auf unbefestigten Waldwegen und Nebenstraßen.

Für die meisten Programmpunkte sind Anmeldungen und/oder vorab gekaufte Tickets erforderlich. Weitere Informationen sowie zahlreiche weitere Termine finden Sie unter industriekultur.berlin.

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