Zehlendorf
Nicht nur am FREI DAY nachhaltig unterwegs
Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule und ihre Klimaschüler

14.01.2026: Frieda, Sophia und Marie, Schülerinnen der Montessori Grundschule Am Rohrgarten können den Klima-Schulrap längst auswendig:
Die Erde wird heiß, CO2 ist nicht richtig
was jeder weiß,Veränderung ist wichtig
also hat sich UNO 17 Ziele ausgedacht
sodass auch dein Urenkel in hundert Jahren noch lacht
danach hat sich die Schule im Aufbruch überlegt
es kann sich nur was ändern, wenn die Bildung sich bewegt
Greta hat doch recht: lasst die Kinder an die Macht
wenn wir auch an andere denken, bildet sich die Kraft,
heißt es da. Wieviel sich davon in ihrem Alltag umsetzen lässt, damit haben sie sich an ihrer Schule gemeinsam mit rund 80 Mitschülerinnen und Mitschülern im vergangenen Jahr mit spannenden Aktionen im Rahmen des FREI DAY Schulprojektes für das Erreichen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) eingesetzt, die als globaler Aktionsplan der UN bis 2030 beschlossen wurden. Dabei geht es ebenso um das Beenden von Armut, Hunger und Ungleichheit wie um die Stärkung der Bereiche Gesundheit, Bildung, Gleichstellung, sauberes Wasser, nachhaltige Energie, menschenwürdige Arbeit, Innovation, nachhaltige Städte, verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster, Klimaschutz, Leben unter Wasser, Leben an Land, Frieden und Partnerschaften. Die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule wurde Ende vergangenen Jahres gemeinsam mit 16 Preisträgerschulen Berlins im Rahmen des vom Land Berlin und der GASAG ausgelobten Wettbewerbes für ihre Aktivitäten im Bereich Klimaschutz ausgezeichnet und bekam ihre Urkunde Ende November 2025 in den Veranstaltungsräumen der Mühlenau-Grundschule verliehen. – Auch diese Schule wurde als Klimaschule ausgezeichnet gemeinsam mit zwei weiteren Zehlendorfer Schulen, der Schweizerhof-Grundschule, der Zinnowald-Grundschule sowie der Reinfelder Grundschule (Texterin des Umweltraps) in Grunewald. Das Preisgeld von 2.500 Euro teilen sich diese fünf Klimaschulen aus Zehlendorf und Grunewald nun, zweckgebunden soll es für weitere FREI DAY-Projekte verwendet werden, wie Cordula Witte, Lehrerin und Projektbegleiterin an der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule, erklärt.

FREI DAYS – Projekte von Schülerhand
Mit der Fridays for Future-Bewegung waren auch in der Schülerschaft der Gemeinschaftsschule Nachhaltigkeitsthemen stärker in den Fokus gerückt: Ein FREI DAY-Projekt-Konzept wurde aufgestellt, und ab 2022 gingen die Schüler mit Aktionen wie der Gestaltung eines insektenfreundlichen Schulgartens oder Weihnachtspäckchen für die Berliner Stadtmission an ihre Nachhaltigkeitsumsetzung. Aktionen und Projekte werden seitdem freitags in festen Projektstunden konkretisiert, bereitet, nachbereitet und reflektiert, Verbesserungsvorschläge besprochen und Aktionsmaterial wie Plakate angefertigt. Dabei stehen Themenvorschläge der Schüler an erster Stelle. Lehrer entscheiden nicht über ihre Umsetzung, sondern begleiten sie vielmehr fachkundig. – Im Gegensatz zum sonstigen Schulalltag, in dem Lernthemen vorgegeben werden. Dass sich nicht alle vorgeschlagenen Projekte durchsetzen, liegt in der Natur der Sache: Mitspracherecht für alle. So kann es sein, dass das Thema Mädchenrecht in der einen Schülerprojektgruppe abgelehnt, in einer anderen aber ausgewählt wird. So lernen die Klimaschüler, selbstständig ihre eigene Meinung zu vertreten, aber auch, andere Meinungen zu akzeptieren und Kritikpunkte zu diskutieren – als wichtige Schule für das spätere Leben.
So fand beispielsweise auf Anregung der Schüler die Umfrage zur Mülltrennung in der Gartenstadt Düppel statt, wurden Müllbeutel für das Kleidungsverwertungs-Projekt verteilt und wurde der Palmöl-Gebrauch thematisiert. Auch Körbe flechten und das Bauen von Kleinmöbeln stand auf dem Programm. Und eine besondere Brücke wurde zwischen Klimaschule und Nachhaltigkeitszielen für eine lebenswerte Stadt von morgen geschlagen.
Im Goerzwerk versuchte sich eine Projektgruppe sogar an der Moosverarbeitung bei der Freund GmbH, die mit echten Mooswänden auf nachhaltigen Städtebau mit Wohlfühlfaktor setzt. Auf der Schulbeurteilung der Schülerinnen und Schüler zum Schuljahresende wird dann deren jeweilige Projektteilnahme aufgeführt.
2025 widmete sich die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule mit ihrem FREI DAY-Einsatz verstärkt den Bereichen Umwelt, Tierschutz, Naturschutz, Essensverschwendung und Kinderrechte. Jeweils auf einen Themenbereich spezialisierte und ein Projekt begleitende Pädagogen der Schule leisten wichtige Hilfestellung, dazu Fachkräfte und -firmen sowie engagierte Eltern und Unterstützende.

Für eine gesunde (Um)welt
Frieda, Sophia und Marie berichten der GAZETTE an einem kalten Wintertag von ihren FREI DAY-Nachhaltigkeits-Aktionen im Jahr 2025. Marie erzählt vom Ausflug zu dritt in den Wald, geführt von einer Försterin. Wildtiere wie Rehe und Wildschweine sahen sie dabei zwar nicht, „aber dafür viele Waldvögel. Und es war richtig spannend, Spuren vom Wild am Waldboden zu finden.“ Was sie dabei gelernt hat? – „Jetzt weiß ich, wie wichtig es ist, im Wald Totholz liegen zu lassen, denn es bietet Lebensraum, Nahrung und Versteck für Wildtiere, Vögel und Insekten. Aber auch Pilze und Moose brauchen es.“ Außerdem verhält sich Marie jetzt im Wald noch rücksichtsvoller und hat gelernt, womit man Wildvögel füttert, damit sie gesund bleiben.
„Food Waste“ beschäftigt Sophia nicht nur freitags. Begleitet von „Luna“, Anbieterin von gesunder und natürlicher Ernährung für Kinder, wurde gemeinsam Linsensuppe gekocht und Zutaten, die zu gut für die Tonne waren, darin eine zweite Chance gegeben. Dass man sich in der Schulmensa nicht mehr auf den Teller geben lässt als man Hunger hat, sei inzwischen für die meisten Schüler selbstverständlich, bestätigt Frieda, und die Essenausgeber hielten sich an die Mengenwünsche der Schüler.
Auch das Social-Unternehmen „To good to go“, das Lebensmittel vor der Verschwendung bewahrt und zu kleinem Preis abgibt, lernten die Klimaschüler während ihrer Nachhaltigkeitsaktion kennen. Sophia erklärt: „Wenn ich heute eine halbe Banane übrig habe, weiß ich, wie ich sie weiter verwenden kann, und werfe sie nicht einfach weg.“ Das Kräutersalz, das sie und ihre Mitschüler mit Kräutern aus dem Schulgarten hergestellt haben, wurde ein Verkaufsrenner auf dem FREI DAY-Fest im Sommer. Die Einnahmen daraus und aus den Kuchen- und Waffelverkäufen sei Greenpeace gespendet worden, erzählt Frieda.

Auszeichnung als Antrieb
Nicht zuletzt für das gelungene FREI DAY-Fest erhielt die Gemeinschaftsschule ihre Auszeichnung. Mit Bollerwagen und liebevoll gestalteten Plakaten waren die Schüler an diesem Tag mit einer beeindruckenden Nachhaltigkeitsdemo vor das Zehlendorfer Rathaus gezogen, extra gesperrt hatte der Bezirk dafür Berliner Straße und Clayallee. Das Echo auf die Aktion war mehr als positiv. In der Mühlenau-Grundschule fand begleitend an Festständen lebhafter Verkauf und Austausch statt, auch das rundum gelungen.
Frieda bringt auf den Punkt, worin sich alle FREI DAY-Teilnehmenden einig sind: „Es ist einfach toll, mit unseren Projekten mitbestimmen zu können und ernst genommen zu werden.“ Und wenn auch der aktuelle Bericht des Sustainable Development Solutions Network (SDSN) von 2025 sagt, dass die derzeitigen Fortschritte noch nicht ausreichen, die Nachhaltigkeitsziele bis 2030 zu erreichen: Engagierte Klimaschülerinnen wie Marie, Sophia und Frieda stehen mit ihren Nachhaltigkeitsprojekten für viele junge Menschen in verantwortungsbewussten Schulen, die sich für das Erreichen dieser Ziele einsetzen und unserer Erde Hoffnung auf eine Zukunft machen, in der Mensch, Tier und Natur wieder besser im Einklang miteinander leben können.
Jacqueline Lorenz



