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Garten der Sternenkinder

Weitere Ruhestätte und Ort für trauernde Angehörige in Tempelhof eröffnet

 Neue Grabanlage für Sternenkinder und Kinder auf dem Friedhof Eythstraße in Tempelhof.
Neue Grabanlage für Sternenkinder und Kinder auf dem Friedhof Eythstraße in Tempelhof.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf März 2022
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Nach Expertenschätzung kommen jährlich etwa 0,3 Prozent aller Kinder nicht lebend zur Welt – über 2.500 sogenannte Sternenkinder. Ihre trauernden Eltern und Angehörigen haben die Möglichkeit, sie auf Friedhöfen in eigens dafür angelegten Grababteilungen beizusetzen und dort ihren ganz persönlichen Ort für Erinnerung und Einkehr zu schaffen. Als jüngste derartige Grab-Einrichtung wurde nun die Ruhestätte auf dem landeseigenen Friedhof Eythstraße in Berlin-Tempelhof eröffnet. In Form eines vierblättrigen Kleeblattes angelegt, soll der Garten den in ihm beigesetzten Sternenkindern sowie Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr symbolisch Glück auf ihrer letzten Reise schenken. Das Herzstück der Anlage bildet ein kindgemäß gestaltetes Denkmal, das von Steinmetz Frank Rüdiger gesetzt wurde: verschiedenfarbige Granitbauklötze dienen zwei Steinteddybären als Ausguck, eine Steineisenbahn hat hier ihre Endhaltestelle. Eingravierte Pusteblumen mit verwehenden Samenschirmchen verleihen dem Ganzen Leichtigkeit und stehen für Loslassen und Neubeginn. Der Weg zum Denkmal führt über im Boden eingelassene Granitsterne. Drei Parkbänke mit Blick auf die einzelnen Teile des Kleeblattes laden zum Verweilen und Gedenken.

Die Anlage in Abteilung 50 des Friedhofs bietet Platz für insgesamt 12 Erd- und 70 Urnengräber. Ihr für insgesamt 14.500 Euro aus Sondermitteln finanzierter Bau erfolgte durch die Auszubildenden des Fachbereichs Grünflächen. Alle vier Teile des Kleeblattes sind mit mehrjährigen Stauden bepflanzt unter ganzjährigem Blühaspekt. Jede Einzelgrabstätte kann frei nach individuellen Vorstellungen im Sinne des beigesetzten Kindes gestaltet werden.

„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ – Das wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Doch ein Kind zu verlieren – sei es noch vor der Geburt oder danach – bedeutet ganz besonderes Leid und große Tragik. Kinder, die bereits vor oder kurz nach der Geburt verstorben sind, werden als Sternenkinder, Schmetterlingskinder oder Stillgeborene bezeichnet. Bis zum Mai 2013 war es Eltern durch Gesetzeslücken unmöglich, ihre stillgeborenen Kinder mit einem Körpergewicht von unter 500 Gramm beurkunden und bestatten zu lassen. Nach der längst fälligen Gesetzesänderung dürfen nun Sternenkinder von ihren Eltern beigesetzt werden – ein wichtiger Aspekt für die erfolgreiche Trauerverarbeitung. Ein im Mutterleib oder während der Geburt verstorbenes Kind über 500 Gramm wird standesamtlich registriert, unterliegt aber bis zu einem Gewicht von 1.000 Gramm nicht in allen Bundesländern der Bestattungspflicht. Jedoch dürfen in allen Bundesländern Kinder unter 1.000 Gramm unter ihrem Vor- und Familiennamen bestattet werden.

Ein ethisch absolutes Muss: Eltern und Angehörigen muss es möglich sein, ihr Sternenkind unabhängig von Gewicht und Größe würdevoll verabschieden und auf einem Friedhof individuell beisetzen zu dürfen: In einem Einzel- oder Kindergrab oder im Familiengrab. In Berlin müssen bestattungspflichtige Kinder individuell bestattet werden, während Stillgeborene unter 1.000 Gramm auch in Sammelbestattungen beigesetzt werden dürfen.

Wenn Geburt und Tod zusammenfallen

Wie wichtig es für Eltern ist, einen Gedächtnisort für ihr Sternenkind zu schaffen, zeigt ein Gang über Grabanlagen, die speziell für diese Zielgruppe angelegt worden sind: Steinengel, Kerzen, kleine Windmühlen auf dem Grab, das meist farbenfroher als herkömmliche Grabstätten gestaltet ist und damit einen ganz eigenen Trost zu spenden vermag – auch den Geschwisterkindern. Ein Ort, an dem die sich im emotionalen Ausnahmezustand befindenden verwaisten Eltern ihre eigene Liebe und Wertschätzung für das Kind zum Ausdruck bringen können, begreifen lernen, still Zwiesprache halten und Menschen gleichen Schicksals treffen.

Kindergrabanlagen, häufig als Sternenkinder-Gärten betitelt, entstehen immer mehr.

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg ist für seinen „Garten der Sternenkinder“ der Schöneberger „Alte St. – Matthäus-Kirchhof“ bekannt, auf dem auf 80 Quadratmetern Stillgeborene beigesetzt werden können. Hinter einem Zaun, der spielende Kinder darstellt, liegen 80 individuell gestaltete Grabstellen an geschwungenen Wegen, hier und da Windspiele auf den Ruhestätten. Und ein Ort der Begegnung mehr, der Eltern zeigen soll, dass sie nicht alleine sind. Die Begräbniszeremonien können die hinterbliebenen Eltern hier mitgestalten und entscheiden, in welchem Ruhe-Refugium der kleine Körper beigesetzt werden soll.

Auch im Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf finden Sternenkinder ihre letzte Ruhe: auf dem Luther-Friedhof in der Lankwitzer Malteserstraße können Sternenkinder und Kleinkinder bis zum Kindergartenalter auf der sternförmig um eine Engelstatue angelegten Begräbnisstätte Tabea zur Ruhe gebettet werden. Darüber hinaus bieten die Initiatoren den verwaisten Eltern Trauerbegleitung.

Begräbnisstätten für Sternenkinder: Sie bergen viele traurige Schicksale, aber helfen auch bei der Trauerverarbeitung und spenden ein wenig Licht in dunklen Tagen.

Informationen zu diesen besonderen Bestattungsorten gibt es über die jeweiligen Bestattungsinstitute.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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