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Ältester Bahnhof Berlins

Zehlendorfs Station 1838 eröffnet

Bahnhof Zehlendorf im Jahr 1912.
Bahnhof Zehlendorf im Jahr 1912.
Erschienen in Zehlendorf Mitte Journal April/Mai 2020
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Endstation Zehlendorf! Das ist lange her und währte auch nur kurz. Aber von ihrer Eröffnung am 21. September 1838 bis zum Oktober des gleichen Jahres war der Bahnhof Zehlendorf die Endstation für die Stammbahn – die erste Bahnlinie in Preußen, deren erster Abschnitt zwischen Zehlendorf und Potsdam lag.

Großereignis für ein kleines Dorf

Der erste Zug nach Zehlendorf war ein großes Ereignis, von dem der Chronist Kurt Trumpa in seinem Buch „Zehlendorf gestern und heute“ berichtet: „Am 21. September 1838 war es in Zehlendorf soweit. Um 12.22 Uhr erschien am dortigen vorläufigen Endpunkt der Eisenbahn der erste Zug, und zwar von Potsdam kommend. Zwei Lokomotiven, Adler und Pegasus, hatten sechzehn geschmückte, mit 300 Personen besetzte Wagen in der atemberaubenden Zeit von 22 Minuten über die zwei deutsche Meilen (15 km) betragende Strecke befördert. […] Sachverständige Mediziner hatten sogar vorgeschlagen, man solle doch die Bevölkerung durch die Errichtung von hohen Bretterzäunen an der Strecke vor dem Anblick dieser rasenden Ungeheuer schürzen und damit gesundheitliche Schäden verhüten. […] Nach einer halben Stunde Aufenthalt in Zehlendorf trat man die Rückfahrt nach Potsdam an, die ebenfalls ohne Zwischenfälle verlief.“ Ab Oktober fuhr die Stammbahn nach Berlin weiter und Zehlendorf war nur noch ein Zwischenhalt. Auch dieses Ereignis wurde gebührend gefeiert, sogar Angehörige der königlichen Familie saßen mit im Zug. Der Bahnhof Zehlendorf diente auch als Ausweichstelle, da die Stammbahn anfangs eingleisig verlief.

Mehr Bewohner durch neue Mobilität

1866 wurde ein zweistöckiges Stationsgebäude mit Fachwerk am Bahnhof gebaut. Die Auswirkungen der neuen, guten Erreichbarkeit des bis dato ruhigen Zehlendorfs waren schon bald spürbar – gab es 1860 lediglich 840 Einwohner, waren es dreißig Jahre später schon 3783 Menschen, die in Zehlendorf lebten. Bereits seit 1874 zweigte die Wannseebahn von der Stammbahn ab, die die Bewohner und Besucher der neu gegründeten Kolonie Alsen zu ihren Häusern brachte. Sie fuhr bis zur Station Griebnitzsee, wo sie wieder auf die Stammbahn traf. Am Bahnhof Zehlendorf ging der Ausbau weiter. Um Unfälle beim Überqueren der Gleise zu vermeiden, wurde der Teltower Damm an der Bahn abgesenkt und die Gleise über eine Brücke geführt. Die Bahnsteige wurden erhöht und Treppen sowie Zugänge ergänzten das Ensemble. An der Anhaltiner Straße baute man einen Güterbahnhof mit Ladestraßen und Lokschuppen. Auch Stellwerke wurde nun benötigt, das mit dem Namen Zfm steht an der Wannseebahn, das Stellwerk Zwt war am Güterbahnhof. Der Bahnhof bekam nun einen neuen Namen – ab 1891 hieß er Zehlendorf-Mitte.

Zerstörung und Zukunftsaussichten

Ab 1903 fuhren hier auch die sogenannten Bankierszüge, die nur in Wannsee, Zehlendorf-Mitte und am Potsdamer Bahnhof – der am Potsdamer Platz in Berlin lag – hielten. Ein Probebetrieb für elektrische Züge überzeugte zunächst nicht und so hielten weiterhin Dampfzüge in Zehlendorf. Erst 1933 wurden die Wannseebahn, die Bankierszüge und die Stammbahn elektrisch betrieben. 1939 erhielt der Bahnhof seinen alten Namen „Zehlendorf“ zurück.

Im Kriegsjahr 1943 zerstörten Bomben das Empfangsgebäude. Schnell wurde ein neuer, provisorischer Zugang geschaffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die S-Bahn von der Deutschen Reichsbahn betrieben und gehörte zur DDR. Die Wannseebahn verkehrte zwischen Wannsee und Frohnau, die Stammbahn endete in Düppel. 1980 wurde der Bahnhof geschlossen. Stammbahn und Wannseebahn fuhren nicht mehr. Erst als die BVG die S-Bahn übernahm, ging es ab dem Februar 1985 auf der Wannseebahn weiter. Das provisorische Empfangsgebäude war mittlerweile auch Geschichte – aufgrund von Baufälligkeit erfolgte 1984 der Abriss. Für die Zukunft des Bahnhofs ist ein zweiter Zugang geplant. Auch die Behelfsbrücke, über die der Bahnverkehr läuft, seitdem ein Sattelschlepper die alte Brücke irrereparabel beschädigt hatte, muss ersetzt werden. Bis die Arbeiten beginnen, kann es jedoch noch dauern. Der Vertragsabschluss zwischen dem Land Berlin und der Deutschen Bahn über die Entwurfs- und Genehmigungsplanung soll im 1. Halbjahr dieses Jahres stattfinden.

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