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Berlin

Historischer Fund im Botanischen Garten

Farnbeleg von Chamisso im Herbarium entdeckt

Beleg von A. v. Chamisso zu Lygodium japonicum (Thunb.) Sw., dem Japanischen Kletterfarn inklusive originale Handzeichnungen. Foto: Botanischer Garten Berlin
Beleg von A. v. Chamisso zu Lygodium japonicum (Thunb.) Sw., dem Japanischen Kletterfarn inklusive originale Handzeichnungen. Foto: Botanischer Garten Berlin

27.05.2026: Der Botanische Garten Berlin beherbergt in seinem Herbarium rund vier Millionen konservierte Pflanzen – ein Archiv der Naturgeschichte. Dass sich darin noch immer unentdeckte Details verbergen, zeigt ein aktueller Fund: Während laufender Digitalisierungsarbeiten stießen Fachleute auf einen historischen Farnbeleg, den der berühmte Dichter und Botaniker Adelbert von Chamisso einst selbst angelegt hat.

Forscher auf Weltumsegelung

Bei dem Fund handelt es sich um einen sogenannten Typus-Beleg des Japanischen Kletterfarns (Lygodium japonicum). Ein solcher Beleg dient in der Botanik als dauerhafte physische Referenz für eine neu beschriebene Pflanzenart. Chamisso hatte die Pflanze zwischen 1815 und 1818 während seiner Weltumsegelung auf der russischen Brigg „Rurik“ auf den Philippinen gesammelt. Neben den getrockneten Pflanzenteilen befinden sich auf dem Papier zwei feine Bleistiftzeichnungen und handschriftliche Notizen des Forschers, der ab 1819 als Kustos am Botanischen Garten war, der damals noch in Schöneberg lag.

Brand fast unbeschadet überstanden

Der Fund markiert die Halbzeit eines laufenden Projekts. In den Jahren 2025 und 2026 wird die Digitalisierung der rund 300.000 Herbarbögen umfassenden Farnsammlung von der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege mit bis zu 400.000 Euro gefördert. Das Farnherbarium gehört zu den wenigen Beständen der Einrichtung, die den Brand im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1943 fast unbeschadet überstanden haben. Bislang ist erst rund ein Zehntel der hiesigen Farne online abrufbar, bis 2028 soll die gesamte Teilsammlung digitalisiert sein.

Hilfe für internationale Forschung

Die Digitalisierung erleichtert die internationale Forschung erheblich. Laut Anton Güntsch, Leiter des Zentrums für Biodiversitätsinformatik am Botanischen Garten, ermöglichen hochauflösende Aufnahmen neue wissenschaftliche Ansätze – etwa bei der Analyse historischer Verbreitungsgebiete oder bei der Aufarbeitung von Sammlungsbeständen aus kolonialen Kontexten. Die Fachleute hoffen, im Zuge der weiteren Erfassung noch auf weitere historische Dokumente bekannter Forscher wie Alexander von Humboldt oder Karl Sigismund Kunth zu stoßen.

Ursprung vor 400 Millionen Jahren

Rund 12.000 Farnarten sind heute bekannt, sie gehören zu den so genannten Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyten) und pflanzen sich über Sporen an der Unterseite ihrer Wedel fort. Farne zählen zu den ältesten Landpflanzen der Welt, viele sehen heute noch so aus wie zur Zeit ihres Ursprungs vor rund 400 Millionen Jahren Wer sich die lebenden Verwandten des historischen Fundes ansehen möchte, kann dies direkt vor Ort tun: Im Gewächshauskomplex des Botanischen Gartens sind zahlreiche Farnarten zu sehen. Die Gewächshäuser sind täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.bo.berlin.

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