Steglitz
Die grüne Oase von Steglitz
Denkmalgeschützter Erholungsort

15.06.2026: Wer heute durch den Stadtpark Steglitz spaziert, vorbei an üppigen Blumenbeeten, plätschernden Fontänen und alten Weiden, vergisst leicht, dass dieser etwa 120 Jahre alte Ort eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Auf rund 17 Hektar bietet der Park im Berliner Südwesten Raum für Erholung und Kultur.
Vom nassen Sumpf zum Landschaftspark
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gelände, auf dem sich heute der Stadtpark erstreckt, eine feuchte und weitgehend ungenutzte Sumpfniederung. Erst der Bau des Teltowkanals von 1900 bis 1906 und die damit einhergehende Trockenlegung des Großteils der durch den Südwesten fließenden Bäke, deren Quelle am Fuß des Fichtenbergs liegt, machten den Boden überhaupt erst nutzbar. Zwischen 1906 und 1914 gestalteten der damalige Gartendirektor Fritz Zahn und Gartenbauinspektor Rudolf Korte das Areal in einen modernen Landschaftspark um. Der Goebenteich ist der einzige natürliche Teich im Park, der vom Grundwasser gespeist wird. Dort erinnert ein Gedenkstein an die Wandervogelbewegung. Weitere Teiche sind der Große Stadtparkteich mit seinen beiden Inseln, der Fontänenteich – beide Teiche bilden ein Doppelgewässer, das mit einer Brücke verbunden ist – der Kleine Stadtparkteich und der Restaurantteich.
Denkmalschutz seit 1955
In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Park weiter. 1917 entstand der bis heute erhaltene Rosengarten mit seinem Seerosenbecken nach Plänen von Georg Kuphaldt. Doch die Geschichte hinterließ auch Spuren: Während des Zweiten Weltkriegs diente ein Teil der Anlage vorübergehend als Behelfsfriedhof für ein nahegelegenes Lazarett. In den 1950er-Jahren wurde der Park mithilfe von Notstandsprogrammen wieder hergerichtet und neu strukturiert. Der markante Springbrunnen im Zentrum, entworfen von Walther Schmidt, damals Leiter des Steglitzer Gartenamts, stammt aus dem Jahr 1957. Seit 1995 steht die gesamte Anlage als Gartendenkmal unter Denkmalschutz.
Kafka und die Puppe
Eine charmante Anekdote verbindet den Park zudem mit der Weltliteratur: In den frühen 1920er-Jahren soll der Schriftsteller Franz Kafka bei Spaziergängen mit seiner Lebensgefährtin Dora Diamant hier ein weinendes Mädchen getroffen haben, das seine Puppe verloren hatte. Um das Kind zu trösten, schrieb Kafka über Wochen hinweg Briefe im Namen der „verreisten“ Puppe – eine schöne Geschichte mit dem Park als Ausgangspunkt. Freunde der Kunst finden mehrere Skulpturen im Park – Bacchus nahe dem Kleinen Stadtparkteich, die „Zwei Seehunde“ auf der Insel im Großen Stadtparkteich, das „Erwachende Mädchen“ im Rosengarten und die „Begegnung“ nahe der Straße Am Eichgarten.
Musik im Pavillon
Heute ist der Stadtpark nicht nur ein Ort für geschichtliche Entdeckungen, sondern auch ein zeitweiliger Treffpunkt für Kulturliebhaber. Direkt neben dem Rosengarten befindet sich der Musikpavillon, in dem im Mai und Juni Konzerte stattfinden.
Am Rande des Parks dreht sich alles um das richtige Verhalten im Straßenverkehr: An der Albrechtstraße 72 ist vor fast 70 Jahren die Jugendverkehrsschule eingezogen. Auf dem geschützten Gelände lernen Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse mit Fahrrädern und Kettcars die Verkehrsregeln kennen.
