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Als aus 23 Bezirken 12 wurden

Vor 25 Jahren trat die Berliner Bezirksgebietsreform in Kraft

Die alten 23 Bezirke vor dem 1. Januar 2001.
Die alten 23 Bezirke vor dem 1. Januar 2001.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Februar 2026

Am 1. Januar 2001 änderte sich die Bezirkspolitik Berlins grundlegend. Mit dem Inkrafttreten des Gebietsreformgesetzes wurde die Zahl der Berliner Bezirke von bis dahin 23 auf heute 12 reduziert. Es war die weitreichendste administrative Neuordnung der Stadt seit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920.

Stadt in Geldnot

Hintergrund der Reform war die angespannte Haushaltslage der Hauptstadt. Der Senat und das Abgeordnetenhaus verfolgten das Ziel, die Verwaltung effizienter zu gestalten und Personalkosten einzusparen. Durch die Zusammenlegung von Behörden und die Schaffung größerer Verwaltungseinheiten sollte die Bürokratie verschlankt werden. Die durchschnittliche Einwohnerzahl pro Bezirk stieg durch die Fusionen auf rund 300.000 an – eine Größe, die jener von deutschen Großstädten wie Bonn oder Münster entspricht.

Ungeliebte „Zwangsehen“

Die Neuordnung sorgte im Vorfeld für hitzige Debatten. Viele Bürger fürchteten den Verlust ihrer lokalen Identität und eine geringere Bürgernähe. In den Medien war oft von „Zwangsehen“ die Rede. Während einige Bezirke wie Spandau, Reinickendorf und Neukölln ihre Eigenständigkeit behielten, mussten andere fusionieren.

Symbolisches Zusammenwachsen

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Ost-West-Fusionen, die das Zusammenwachsen der Stadt symbolisieren sollten. So wurden das westliche Kreuzberg und das östliche Friedrichshain zu einem Bezirk vereint. Auch Mitte (Ost) wurde mit Tiergarten und Wedding (beide West) zusammengelegt. Im Westen der Stadt verschmolzen Charlottenburg und Wilmersdorf, Tempelhof und Schöneberg sowie Steglitz und Zehlendorf.

Bilanz der Reform

Jahre nach der Reform fiel die Bilanz gemischt aus. Zwar konnten Stellen in der Verwaltung abgebaut werden, doch die erhofften finanziellen Einsparungen wurden nach Ansicht des Landesrechnungshofs in den ersten Jahren verfehlt. Kritiker bemängelten zudem, dass die Wege für die Bürger weiter geworden seien und die Identifikation mit den neuen Kunstnamen wie „Tempelhof-Schöneberg“ oder „Marzahn-Hellersdorf“ nur langsam wachse.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, sind die 12 Großbezirke zwar etabliert, das Thema Reformen bleibt in Berlin jedoch aktuell. Die genaue Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen der Landesebene (Senat) und den Bezirken im Rahmen einer neuen Verwaltungsreform trat erst am 1. Januar dieses Jahres in Kraft.

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