Gazette Verbrauchermagazin
Schmargendorf

Kunst statt Kleidung

Art Pavillon ´ 61 neu in Schmargendorf

23.01.2026: Als die Wohnungsbaugesellschaft Neues Heim & Gemeinnützige im Jahr 1961 mit dem Bau der Wohnanlage mit Ladenzeile und -pavillons an der Schmargendorfer Breite Straße begann, schuf sie nach Plänen des Architekten Hans-Jürgen Heide einen gut durchdachten Mittelpunkt: Nachbarn und Einzelhandel sollten hier an lebens- und liebenswertem Ort zusammenkommen, wo Wohnen und Einkaufen dicht beieinanderliegen. Doch die Zeiten haben sich geändert, hektischer Online-Kauf verdrängt viel zu oft das persönliche Gespräch mit dem Verkäufer nebenan. Auch manch Einzelhändler an der einladenden, rund 150 Meter langen Ladenzeile an der Breite Straße musste das an eigenem Leibe erfahren und sein kleines, aber feines Geschäft schließen. Die Folge sind Leerstand und verwaiste Geschäfte an diesem inzwischen denkmalgeschützten Ort, der noch immer charmanten Duft der 60er-Jahre versprüht. Hier wieder mehr Leben hineinzubringen und die Nachbarschaft zu begeistern, haben sich drei ebenso mutige wie ehrenamtlich aktive Anwohner aufgemacht: Nach wochenlangem Hämmern, Sägen, Bohren und Organisieren haben Andreas Butz, Frank Effenberger und Gerhild Karpf als Zwischennutzer am 8. Januar den ehemaligen Modepavillon als Art Pavillon ´ 61 mit einer rauschenden Vernissage eröffnet, die Gäste wie Macher und Anwohner mit Hoffnung und Freude über diesen neuen Kunststandort erfüllt.

Gruppenbild mit Skulptur: Die Initiatoren des Art Pavillon ´ 61 Andreas Butz, Frank Effenberger und Gerhild Karpf (v.l.n.r.). Foto: privat
Gruppenbild mit Skulptur: Die Initiatoren des Art Pavillon ´ 61 Andreas Butz, Frank Effenberger und Gerhild Karpf (v.l.n.r.). Foto: privat

Hochwertige Kunst und Einzelstücke

Die drei Kunst- und Menschenfreunde ergänzen sich bestens ob ihrer beruflichen Herkunft für ihre neue Aufgabe zur Stärkung ihres Ortsteils: Da ist Andreas Butz – Immobilienmakler, Gründer der Bürgerinitiative „Schnipps!Schmargendorf“ und Musiker – Frank Effenberger – Schulleiter der Charles-Dickens-Grundschule – sowie Gerhild Karpf, Sängerin und ehemalige Sekretärin. „Das Organisieren, Vernetzen und Zusammenbringen von Menschen liegt uns allen ebenso im Blut wie die Liebe und das Verständnis zur Kunst“, erklärt Gerhild, deren Mutter, die Künstlerin Anna Maria Karpf, zu den ersten Kunstschaffenden gehört, die am neuen Kunstort ausstellen durften. Mit ihren Aquarellen, die vom zarten Blumenarrangement bis zur figürlich plakativen Farbexplosion reichen, brachte sie nicht nur am Eröffnungsabend Leben und Wärme in den kalten Wintertag. Ergänzt wurde ihre Kunst von den lebensecht ansprechenden Skulpturen des Künstlers Rainer Kurka, die tänzerisch die Ausstellungsfläche in Bewegung zu setzen und selbst den Betrachter zu beobachten scheinen. Daneben waren auch Werke der Fotoart Johannes Hauser zu bestaunen, der digitale Fotografie auf ganz besondere Art zu vervollkommnen vermag. Bereits zur Eröffnung des Art Pavillon ´ 61 war das Echo groß und der Verkauf der Kunstwerke lief erfreulich an.

Flexibler Kunst- und Begegnungsort

Der geräumige Ausstellungspavillon öffnet sich mit gut erhaltenem 60er-Jahre-Türgriff einladend seinem kunstsuchenden Publikum für Pop-up Kunst- und Eventlocation. Behutsam denkmalschutzgemäß gestaltet, bieten die ehemaligen Schaufensterflächen über der Heizung mit gemütlichen Kissen wohlige Sitzmöglichkeit, große mobile Stellwände erlauben flexible Raumgestaltung. Aus zweiter Hand bezogen, hat ein Tischler sie praktisch mit Rollen versehen. Das Non-Profit-Projekt Art Pavillon ´ 61 arbeitet kostendeckend. So bietet der neue Kunst- und Kulturort viele Möglichkeiten für zum Kiez passende Veranstaltungen, von der Ausstellung und Lesung bis zu Tanz, Workshop, Musikveranstaltung und Konzert. Ideen und Vorschläge sind stets willkommen, dabei achtet das Initiatoren-Team aber intensiv auf niveauvolle Angebote. „Die Nachfrage von Künstlern, die den Art Pavillon ´ 61 nutzen möchten, ist groß“, freut sich Gerhild Karpf und ergänzt, dass nicht nur Künstler aus dem Bezirk, sondern durchaus auch aus anderen Bezirken und Orten willkommen sind, – wenn sie mit ihrer Kunst in das Schmargendorfer Umfeld passen.

Mit Werken von Anna Maria Karpf und Rainer Kurka startete der Art Pavillon ´ 61.
Mit Werken von Anna Maria Karpf und Rainer Kurka startete der Art Pavillon ´ 61.

Zu verdanken ist der Art Pavillon ´ 61 dem ehrenamtlichen Einsatz der drei Initiatoren, nicht zuletzt aber auch der Aufgeschlossenheit für die Kunst der Vermieterin: Sie stellt – bis ein zur Ladenpassage passender Mieter gefunden ist – die Geschäftsfläche vertrauensvoll dem Art Pavillon ´ 61 mietfrei und unbefristet zur Verfügung. Findet sich ein neuer Mieter, besteht für die Zwischennutzer eine zweiwöchige Räumungsfrist.

Halten wir es also mit Aaron Hammel, der im extra für den Art Pavillon ´ 61 geschriebenen Song empfiehlt:

Berlin sagt: „Komm herein“.

In der Breite Straßen, Schmargendorf,

Passage, denkmalgeschützt,

wird ein leerer Raum zur Bühne –

für Kunst, Kultur und Musik

René Wolter bietet mit seinem „WurzelPerlWerk-Ostermarkt““ vom 1. – 7. April Kunsthandwerk und Naturgestecke. – Kleine Glücksbringer, die zum Osterfest passen.

Und zeitgleich vom 9. April (Vernissage 18-21 Uhr) – 9. Mai stellen gleich zwei Künstler ihre Arbeiten aus: Albrecht Tiedemann präsentiert mit „Messerscharf und Handgerieben“ seine mehrfarbigen Holzschnitte: Am 23. April in der Zeit von 18-20 Uhr gibt der Künstler persönliche Einblicke mit der Midissage-Vorführung von „Holzschnitt Live“.

Doreen Krause präsentiert im selben Zeitraum mit „Frauenzimmer“ ihre selbstgetöpferten Skulpturen.

Weitere Uhrzeiten, Kontakt und Veranstaltungen im Art Pavillon ´ 61 werden unter artpavillon61.odoo.com und im Berliner Kunstkalender unter www.kunstkalender.berlin/de/orte/galerien/art-pavillon-61 angezeigt.

Art Pavillon ´ 61 Breite Straße 32, 14199 Berlin, Öffnungszeiten: Mi.-Fr. 15-18 Uhr und Sa. 11-13 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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