Marode Sportanlagen im Bezirk – wie sollen wir jemals 230 Mio. Euro Sanierungsstau aufholen?
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert

Erschienen in Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf Februar 2026
Monatlich erscheint in der Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf ein Thema, zu dem die in der BVV vertretenen Fraktionen Stellung nehmen. Das Thema wird „reihum“ von einer der Fraktionen bestimmt. In dieser Ausgabe hat die Linksfraktion das Thema vorgeschlagen.
CDU-Fraktion
Allein die Überschrift sagt alles über unsere Sportanlagen aus. Ohne eine massive Sportstättenoffensive werden diese weiter verfallen. Vor 10 Jahren lag der Sanierungstau noch bei ca. 60 Mio. Euro. Die Anlagen können heute zum Teil nicht mehr für den Sport genutzt werden. Im Bezirk sind fünf Sporthallen nicht mehr nutzbar, davon drei schon langfristig. Gelder, die zur Verfügung stehen, sind nicht ausreichend, um eine Verbesserung zu erzielen. Wir fordern, dass aus dem Sondervermögen zügig die erforderlichen Gelder für den Sport freigegeben werden. Sportanlagen sind nicht nur für den Spitzensport vorgesehen, sondern auch für den Vereinssport. Die Vereine können ihre Verpflichtungen kaum mehr angemessen erfüllen: Integration fördern, Gemeinschaft stärken und Spaß an Bewegung vermitteln. Es fehlt den Verantwortlichen Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit, um die notwendigen Änderungen zu erzielen. Die Sportsenatorin und die Staatssekretärin sollten sich einmal vor Ort die Missstände ansehen – und dies nicht nur von der Bühne aus.
Hans-Joachim Fenske
B‘90/Grünen-Fraktion
Viele Sportanlagen in Charlottenburg-Wilmersdorf sind seit Jahren in einem schlechten baulichen Zustand und schränken den Schul- und Vereinssport erheblich ein. Besonders deutlich zeigt sich das am Stadtbad in der Krumme Straße, das aufgrund seines maroden Zustands seit 2021 geschlossen ist.
Um den Sanierungsstau bei bezirklichen Sportanlagen abzubauen, sind die Bezirke auf zusätzliche Mittel angewiesen. Wichtige Chancen bieten dabei die Programme aus dem Sondervermögen des Bundes, etwa zur Sanierung kommunaler Sportstätten oder von Bädern. Das Bezirksamt und der Senat müssen diese Gelder nutzen.
Klar ist aber auch: Sowohl der schwarz-rote Senat in Berlin als auch die schwarz-rote Koalition im Bund müssen deutlich mehr Geld für die bezirklichen Sportanlagen bereitstellen. Wir als Grüne Fraktion setzen uns dafür ein, dass Förderprogramme konsequent genutzt, Sanierungen priorisiert und Sportstätten im Bezirk wieder verlässlich nutzbar werden.
Jakob Zimmer
SPD-Fraktion
Die Antwort ist nicht einfach, weil die Gelder für die Sanierung von Sportstätten vom Abgeordnetenhaus vorgegeben werden. Dem Bezirk gelingt es jedes Jahr, deutlich mehr Gelder auszugeben, indem er davon profitiert, dass andere Bezirke Schwierigkeiten haben, ihre zugewiesenen Gelder auszugeben. Das geschieht durch einen erheblichen Arbeitsaufwand der Verwaltung mit tatkräftiger Unterstützung der zuständigen SPD-Stadträtin. Weiter hat die Stadträtin verschiedene Sanierungsmaßnahmen für die erste Teilsumme der „Sportmilliarde“ beantragt. Sind wir hier mindestens in einer der drei Bewerbungsrunde erfolgreich, haben wir einen zusätzlichen Abbau des Sanierungsrückstandes erreicht.
Wir fordern aber auch, dass von den Geldern, die über den Bund den Ländern zur Sanierung von Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden, ein Anteil für die Sanierung der bezirklichen Sportanlagen genutzt werden kann.
Auch die Olympiabewerbung Berlins ist eine Chance, um zusätzliche Gelder zur Sanierung der Sportanlagen zu erhalten. Klar, dass wir hier von Sanierung reden, die auch inklusiven Sport berücksichtigt.
Wolfgang Tillinger
Linksfraktion
Berlins Breitensport ist im wahrsten Sinne des Wortes in Schieflage. Der Sportplatz des BSC an der Hubertusallee hat einen Höhenunterschied von über 1 Meter: In eine Richtung geht es bergauf, in die andere bergab. Auch die vor 3 Jahren neu gebaute Umkleide ist sanierungsbedürftig. Kein Einzelfall im Bezirk. Sportanlagen sind marode, nur eingeschränkt nutzbar oder ganz geschlossen. Die Folge: Kinder und Jugendliche landen auf Wartelisten, Vereine finden keine Trainingsmöglichkeiten, der Schulsport besteht aus Notlösungen. Der Sportentwicklungsplan beziffert den Sanierungsstau auf unglaubliche 230 Mio. Euro. Eine Summe, die der Bezirk unmöglich allein stemmen kann. Doch statt Geld für den Breitensport bereitzustellen, setzen CDU und SPD im Berliner Senat auf Prestigeprojekte: 12,5 Mio. für NFL-Spiele, weitere 10 Mio. Euro für die Berliner Olympia-Bewerbung. Für den Alltagssport bleibt kein Geld. Diese Schieflage ist politisch gemacht. Die Linke fordert: Schluss mit Eventpolitik auf Kosten des Breitensports! Das Geld gehört in unsere Sportanlagen, nicht in private Großveranstaltungen!
Frederike-Sophie Gronde-Brunner
FDP-Fraktion
Sportanlagen sind im Bezirk keine freiwillige Kür, sondern Voraussetzung für Schul- und Vereinssport, Gesundheit und sozialen Zusammenhalt. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Mit dem bisherigen Tempo, den gewachsenen Strukturen und dem laufenden Betrieb wird Charlottenburg-Wilmersdorf diesen Sanierungsstau nicht abbauen.
Deshalb braucht es drei klare Schritte. Erstens Priorisierung statt Gießkanne: Begrenzte Mittel müssen dort eingesetzt werden, wo Anlagen stark genutzt werden oder Sicherheitsmängel bestehen. Zweitens effizientere Verfahren: standardisierte Bauweisen, verlässliche Zeitpläne und konsequentes Controlling, damit Sanierungen schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden. Drittens brauchen wir mehr als den bisherigen Bezirkshaushalt. Neue Finanzierungsmodelle, Fördermittel von Land und Bund sowie eine stärkere Einbindung der Vereine sind notwendig, um den Rückstand wirksam abzubauen.
Der Sanierungsstau ist kein Zahlentrick, sondern ein strukturelles Finanzierungsproblem. Wer ihn in Charlottenburg-Wilmersdorf ernsthaft abbauen will, muss Prioritäten setzen, Prozesse modernisieren und offen für neue Wege sein.
Johannes Heyne
AfD-Fraktion
Natürlich könnte man mit mehr Steuergeld vom Bund und harter Priorisierung von instand zu setzenden Objekten für den laufenden Betrieb etwas erreichen. Mit den Genossen von SPD, CDU, Grünen und Linken holen wir aber sicher keinen Sanierungsstau auf. Auf keinem Gebiet. Nicht nur die Sportstätten sind erfolgreich heruntergewirtschaftet, die gesamte Infrastruktur, wohin man schaut. Warum? Weil die Altparteien das Geld lieber anderweitig vergeuden. Jeden Euro kann man bekanntlich nur einmal ausgeben. Das Geld geht schon drauf für die Versorgung von „Flüchtlingen“ und den Kampf gegen räächts. Aber, wir haben ja noch das „Sondervermögen“! Was für ein Wort, so schön modern und dabei komplett gaga. Nein, für das besondere Vermögen gibt`s neue Bäume wegen der „Klimaapokalypse“. Bäume sind eine schöne Sache. Aber wie steht‘s mit der Sicherheit, z. B. bei der Stromversorgung? Jedenfalls, Sportstätten kommen zum Schluss und da ist das Geld eben fort. Also woanders. Nein, liebe SPD, CDU, Grüne und Linke, danke für nix. Und die Hoffnung auf Olympia und fremdes Steuergeld wird (leider) erbärmlich scheitern.
Gregor Kadow

