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Eingeäschert wird hier schon lange nicht mehr

Krematorium Wilmersdorf wurde nach dem Ersten Weltkrieg erbaut

Erschienen in Gazette Wilmersdorf November 2022
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Die Feuerbestattung gehörte lange zu den Tabus in Preußen. Erst im Jahr 1911 wurde sie erlaubt. In der christlichen Kultur wurde lange um die Feuerbestattung gerungen. Karl der Große hatte sie bei Todesstrafe untersagt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, mit zunehmender Bevölkerung und daraus folgendem Platzmangel auf den Friedhöfen, änderte sich die Meinung. Das erste Krematorium auf deutschem Boden eröffnete 1878 in Gotha. In Preußen dauerte es länger – die erste Einäscherung fand 1912 in dem neu erbauten Krematorium in Wedding statt.

Das Krematorium in Wilmersdorf wurde zwischen 1919 und 1922 erbaut. Der Architekt Otto Herning schuf den Bau in klassizistischer Formensprache. Der Zentralbau mit der Kuppel dominiert das Ensemble, das sich – bis auf das Relief der „Eilenden Zeit“ von Eberhard Encke – schmucklos präsentiert. Auch die Figuren der „Trauernden“, die den Zuweg zum Krematorium flankieren, stammen von dem Künstler. Im Laufe der Jahre folgten mit der Kühl-, Kondolenz-, Pflanzen- und Leichenhalle weitere Gebäude. Mit Altar und Empore für die Sänger bietet die Trauerhalle im Zentrum des Ensembles aus Kuppelbau und zwei Seitenflügeln eine kirchenähnliche Atmosphäre. Die Anlieferung der Särge erfolgte unauffällig über einen Seiteneingang an der Kalischer Straße. Der dort gelegene Wirtschaftshof war tiefer gelegen. So konnten die Särge direkt vom Sockelgeschoss über eine Hebeeinrichtung in die Trauerhalle gebracht werden. Für die Verbrennung der Toten standen zwei Öfen im Tiefkeller zur Verfügung. Die Urne mit der Asche wurde wiederum über den Wirtschaftshof zu dem Friedhof gebracht, auf dem die Beisetzung stattfand. Im Jahr 1966 wurde das Krematorium umfassend renoviert. Seit 1990 finden keine Einäscherungen mehr im Krematorium Wilmersdorf statt. Die Trauerhalle ist nach wie vor in Benutzung.

Bereits 1925 baute man die ersten Kolumbarien in Wilmersdorf. Der Grund war Platzmangel auf dem Friedhof. Im Mittelpunkt befindet sich ein kleiner Hof mit schön angelegtem Beet. Die Gebäude darum wurden im maurischen Stil errichtet.

Titelbild

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