Gazette Verbrauchermagazin

Neues Leben in den Kant-Garagen

Design und Kunst statt Autos

Die modernen Kant-Garagen.
Die modernen Kant-Garagen.
Erschienen in Gazette Charlottenburg November 2022
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MarkisenABE-Minuth GmbH

In die älteste erhaltene Hochgarage Europas ist neues Leben eingezogen. Anstelle von Autos stehen nun Designobjekte auf den geschichtsträchtigen Etagen und sorgen für neues Leben und den Erhalt eines ganz besonderen Gebäudes. Die Hochgarage wurde von 1929 bis 1930 als „Kant-Garagen-Palast“ oder Serlin-Rampenhaus erbaut. Der Entwurf für das mehrgeschossige Garagenhaus in Bauhausarchitektur stammt von dem Architektenbüro Lohmüller Korschelt & Renker. Bauherr war der Unternehmer Louis Serlin. Dieser hatte den Deutschen Auto-Club als Mieter gewonnen, was die Finanzierung des ehrgeizigen Projekts sicherte. Der Bau wurde als Skelettkonstruktion in Stahlbeton verwirklicht und hat eine gläserne Vorhangfassade, die nach wie vor erhalten ist. Nach der Fertigstellung fanden etwa 300 Fahrzeuge in dem fünfgeschossigen Gebäude und dem Kellergeschoss Platz. Sie wurden sicher in sogenannten „Heinrichs-Boxen“ untergebracht. Eine Zentralheizung sorgte dafür, dass sich die hochwertigen Fahrzeuge in einem perfekten Klima zwischen den Fahrten erholen konnten. Die Boxen wurden mit weltweit einzigartigen Schiebetoren verschlossen, die aus der Fertigung der Firma Paul Heinrichs aus Tempelhof stammten. Im Falle eines Brandes sorgten selbstauslösende Feuerschutztore in jeder Etage dafür, dass das Feuer sich nicht ausbreiten konnte. Neben Garagen war im Erdgeschoss eine Tankstelle untergebracht, außerdem gab es eine Werkstatt im fünften Stock und Waschplätze. Seit Anfang der 1990er-Jahre stehen die Kant-Garagen unter Denkmalschutz.

Gescheiterte Abrisspläne

1961 hatte der Unternehmer Pepper die Kant-Garagen gekauft.1991 und 2013 versuchte der Eigentümer, die Genehmigung für den Abriss des denkmalgeschützten Hauses zu bekommen. Die Sanierung erschien nicht wirtschaftlich. Doch die von der Denkmalschutzbehörde bestellten Gutachter konnten die vom Eigentümer angegeben Punkte nicht bestätigen, sodass die Abrissgenehmigung nicht erteilt wurde. Auch das Bauhaus-Archiv, die Architektenkammer Berlin, die Akademie der Künste und viele andere protestierten gegen die Abrisspläne. Ende 2016 erwarb die Gädeke & Sons GmbH das geschichtsträchtige Gebäude. Die Firma ließ die Kant-Garagen nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten umbauen, zusätzlich wurde auf dem Dach ein Penthouse gebaut. Die bisherige Nutzung der Kant-Garagen wurde aufgegeben, allerdings blieben pro Etage einige Heinrichs-Boxen erhalten. Als neuer Mieter zog im Oktober dieses Jahres das Stilwerk ein.

Stilwerk KantGaragen

Die Eröffnung wurde groß gefeiert – das stilwerk, das bis 2021 in der Kantstraße 17 zu Hause war, lockte viele Neugierige in die neuen Räume. Auf vier Stockwerken präsentieren Händler, Hersteller und Servicedienstleister aus den Bereichen Design, Kunst und Lifestyle ihr Angebot. Darunter bekannte Marken, aber auch neue Gesichter. Verschiedene Gastronomieanbieter im Erdgeschoss sorgen für kulinarischen Genuss. In der 5. Etage befindet sich auf 1.500 Quadratmetern eine Eventfläche mit über fünf Metern Deckenhöhe. Auch das Penthouse mit Dachterrasse wird vermietet. Die als Doppelhelix konzipierte ehemalige Zu- und Abfahrt der Kant-Garagen wird als Ausstellungsfläche „art-walk“ genutzt. Direkt nebenan liegt das stilwerk Hotel KantGaragen. Die gleichen Möbel und Lichtobjekte, die in den 61 Zimmern vorhanden sind, können bei Gefallen in den Kant-Garagen erworben werden.

Titelbild

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