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Ein vielseitiger Architekt

150. Geburtstag von Paul Mebes

Porträt von Paul Mebes im Heimatmuseum Zehlendorf.
Porträt von Paul Mebes im Heimatmuseum Zehlendorf.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf November 2022
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Zu seinen Werken zählen das unverwechselbare Nordsternhaus in Schöneberg genauso wie Landhäuser in der Zehlendorfer Gartenstadt. Paul Mebes, geboren am 23. Januar 1872 in Magdeburg, hinterließ seine Architektur in ganz Berlin. Nach seinem Schulabschluss absolvierte er zunächst eine Tischlerlehre. Dieser schloss sich das Architekturstudium in Braunschweig und Charlottenburg an. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums arbeitete er zwei Jahre lang im Staatsdienst – was damals für junge Architekten Pflicht war. 1902 legte er das 2. Staatsexamen ab und erhielt den Titel des Regierungsbaumeisters.

Im Jahr 1906 verließ er den Staatsdienst und wechselte zum Beamten-Wohnung-Verein zu Berlin. Er blieb bis 1911 dort und arbeitete als hochbautechnisches Vorstandsmitglied. In der Zeit entstanden die Wohnbebauung am Planufer in Kreuzberg und nördlich des damaligen Rudolph-Wilde-Platzes in Schöneberg. Auch in Steglitz, Charlottenburg, Niederschönhausen und Zehlendorf – hier an der heutigen Clayallee 289 – 303 – baute er Wohnanlagen. An der Riemeisterstraße erbaute er sein eigenes Wohnhaus, in dem er mit seiner Frau lebte. 1911 machte er sich mit seinem Schwager Paul Emmerich unter dem Namen Mebes & Emmerich selbständig. Er entwarf mit dem Schadow-Gymnasium (1914) einen seiner ersten Großbauten. An der Schule erinnert eine Berliner Gedenktafel an den Architekten Paul Mebes. Auch das eingangs erwähnte Nordsternhaus (1912 – 1914) sowie die Häuser der Gartenstadt Zehlendorf fallen in diese Zeit. Eines seiner bedeutendsten Bauwerke ist der Finower Wasserturm – ein expressionistisches Bauwerk das schon bald zum Wahrzeichen des Finowtals wurde. Von 1923 bis 1925 folgte unter anderem die Siedlung „Am Heidehof“ in Schlachtensee. Auch Innovationen wie die „feuer- und rauchlose Siedlung“ in Steglitz, Berlins erste Wohnanlage, die mit Fernwärme beheizt wurde, stammen aus dem Portfolio von Mebes & Emmerich.

Im Nationalsozialismus, mit dem Paul Mebes sich politisch nicht anfreunden konnte, gingen die Aufträge zurück. Schon 1933 trat er aus der Akademie der Künste aus und zog mit seiner Frau in ein kleineres Haus in der heutigen Leo-Baeck-Straße, damals Teichstraße. Von 1934 bis zu seinem Todesjahr 1938 entwarf er noch das Verwaltungsgebäude der Feuersozietät in Tiergarten, das heutige Canisius-Kolleg und Mietwohnungsblöcke in Tegel. Eines seiner letzten Werke war ein Wohnhaus in der Katharinenstraße 27 in Zehlendorf. Nach ihm wurde der Paul-Mebes-Park an der Fischer-Dieskau-/Ecke Potsdamer Straße benannt, in dem auch ein Gedenkstein an den Architekten erinnert. Das Heimatmuseum widmete Paul Mebes und seinem Werk im Jahr 2012 eine Ausstellung.

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