Gazette Verbrauchermagazin

Die Charlottenburger Wassertürme

Vom Trinkwasserreservoir zum Wohnraum

Erschienen in Gazette Charlottenburg April 2021
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Zurück in die Gründerzeit: Heinrich Quistorp hatte mit der „Kommandit-Gesellschaft auf Actien Charlottenburger Baugesellschaft Westend“ begonnen, die westlich von Charlottenburg gelegene künftige Villenkolonie zu erschließen. Doch um die hochpreisigen Grundstücke an den Mann zu bringen, musste die Versorgung mit Trinkwasser organisiert werden. Deshalb gründete Quistorp gemeinsam mit dem Architekten Martin Gropius – Großonkel von Walter Gropius – die Charlottenburger Wasserwerke GmbH am Teufelssee. Das reichte jedoch nicht, um den Wasserdruck in der Siedlung stabil zu halten. Gleichzeitig sollte die Villenkolonie an die bereits bestehende Kanalisation angeschlossen werden.

Burgtürme in Westend

Um beides zu verwirklichen, ließ die Gesellschaft 1881/1882 den ersten Wasserturm bauen. Er steht an der Akazienallee auf dem Spandauer Berg. Der 27 Meter hohe Turm hat einen Durchmesser von 16 Metern und fasste 1000 Kubikmeter Wasser. Er wurde von dem Architekten Georg August Salbach entworfen. Zwischen 1909 und 1910 wurde ihm der zweite Turm mit einem Durchmesser von 14 Metern und einer Höhe von 60 Metern zur Seite gestellt. Architekt war Heinrich Seeling. Auch in ihm hatten 1000 Kubikmeter Wasser Platz. Zur Unterscheidung bezeichnete man den alten Turm als „Ostturm“, den neuen Turm als „Westturm“. Die beiden Backsteintürme wurden im Stil der Burgenarchitektur erbaut.

Schöner Wohnen im Turm

Anfang der 1990er-Jahre wurden die Wassertürme nicht mehr benötigt und außer Betrieb genommen. Das Ensemble genießt seit 1994 Denkmalschutz. Die beiden Wassertürme blieben lange Jahre ungenutzt, bis sie 2008 verkauft wurden. Nach umfangreichen Umbauten, bei denen sowohl großzügige Wohnungen und Lofts sowie ein Penthouse entstanden, können Bewohner der oberen Stockwerke – im Ostturm wird auf sieben und im Westturm auf 14 Etagen gewohnt – die Aussicht über die Stadt genießen.

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