Charlottenburg
Neues Leben unterm Messedamm
Unterführung soll zum Sport- und Begegnungsort werden

25.06.2026: Die Fußgängerunterführung am Messedamm, auch „Passerelle“ genannt, ist ein markantes Denkmal West-Berliner Nachkriegsarchitektur. Das Relikt der autogerechten Stadt sollte Fußgängerinnen und Fußgänger sicher zur Messe, zum ICC, zum Bus- und S-Bahnhof bringen. Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen und die leuchtend orangefarbenen Fliesen von Architekt Rainer G. Rümmler täuschen schon lange nicht mehr über den tristen Alltag hinweg: Defekte Rolltreppen, Schmutz, Schlafstätte für Obdachlose prägen den Ort und erzeugen ein Gefühl der Unsicherheit und sogar Angst. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf will das nun ändern und stellte gemeinsam mit der Kreativagentur „die wellenmaschine GmbH“ ein neues Nutzungskonzept vor. Aus dem einstigen „Angstraum“ soll ein lebendiger Ort für Sport, Inklusion und Begegnung werden.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder versucht, den Bereich mit erheblichen finanziellen Mitteln zu beleben. Leider blieben alle Aktivitäten in dem denkmalgeschützte Bauwerk aus den 1970er-Jahren ohne nachhaltigen Erfolg. Nun soll die „Passarelle“ im Inneren funktional umgestaltet werden, damit sie zu einem Treffpunkt für alle Interessierten wird.
Geplant ist eine Aufteilung in verschiedene Zonen: Im Zentrum, der sogenannten „Kernzone“, soll ein robuster Sportboden entstehen, der durch eine transparente Plexiglaswand von den normalen Fußwegen abgegrenzt wird. So bleibt die Sichtbarkeit für vorbeigehende Passanten erhalten, während die Sporttreibenden geschützt sind. In den Randbereichen sind frei zugängliche Tischtennisplatten, Calisthenics-Geräte und sogar ein kleines Kiez-Café oder ein Kiosk vorgesehen.
Der Tag im Tunnel könnte künftig einer festen Struktur folgen. Von 8 Uhr bis 12 Uhr steht die Fläche vorrangig für Kitas offen, die in dicht bebauten Stadtteilen oft unter Bewegungsmangel leiden. Von 12 Uhr bis 16 Uhr sollen Schulen und Ganztagsangebote den Raum nutzen. Am späten Nachmittag und Abend, von 16 Uhr bis 22 Uhr, gehört der Tunnel Sportvereinen, der offenen Jugendarbeit und der Allgemeinheit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Inklusionssport, den der Verein „SC Inklusion e. V.“ gemeinsam mit den „Sportkindern Berlin“ vor Ort etablieren möchte.

Um Vandalismus vorzubeugen und das Sicherheitsgefühl zu stärken, setzt das Konzept auf soziale Kontrolle statt auf Absperrungen. Täglich von 8 Uhr bis 22 Uhr sollen drei Vollzeit-Platzwarte im Schichtdienst vor Ort sein. Sie fungieren als Ansprechpartner für die Besucherinnen und Besucher, koordinieren die Nutzung der Sportflächen und sollen Konflikte frühzeitig deeskalieren.
Die Pläne sind allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Die einmaligen baulichen Maßnahmen – darunter die dringend notwendige Reparatur der Fahrstühle, Rolltreppen und Sanitäranlagen sowie der Einbau des Sportbodens – werden auf 800.000 bis 1,5 Millionen Euro geschätzt. Für den laufenden Betrieb inklusive Personal- und Sachkosten werden jährlich weitere 240.000 bis 310.000 Euro veranschlagt. Ob und wann die ersten Tischtennisbälle tatsächlich unterm Messedamm fliegen, hängt nun von der Sicherung der Finanzierung ab.



