Gazette Verbrauchermagazin
Wilmersdorf

Wohlfühlort Fasanenplatz dank Bürgerengagement

Glücksfall Karin Kampmann

Karin Kampmann, Vorsitzende des Freunde des Fasanenplatzes e. V. und Initiatorin der Platzverbesserung.
Karin Kampmann, Vorsitzende des Freunde des Fasanenplatzes e. V. und Initiatorin der Platzverbesserung.

12.05.2026: Die Hände in den Schoß legen und abwarten, was da kommt – nichts für Karin Kampmann. Direkt am Fasanenplatz in Wilmersdorf wohnt die flotte Best Agerin, die sich tagtäglich über den trostlosen Anblick des Platzes vor ihrer Haustür ärgerte. Sie erkannte jedoch unter wucherndem Unkraut sein Potential und wurde vor über drei Jahren aktiv. Organisations- und Marketingerfahrung, die sie über 25 Jahre lang bei der Lufthansa und später während ihrer selbstgewählten Selbstständigkeit bewiesen hatte, halfen ihr dabei. Dank ihres unermüdlichen Anstoßes und Verhandlungsgeschicks holte sie Gartenbauamt, Lokalpolitiker, Landschaftsarchitekten sowie Spender mit ins Boot, steuerten sie gemeinsam den Platz zielgerichtet Richtung Wohlfühlort. Mit ihrem Anliegen und Ideen zur Verschönerung des Platzes stieß sie im Bezirk auf überwiegend wohlwollend offene Ohren, fand wertvolle Unterstützung mit Rat und Tat. Beim Spendensammeln leistete u. a. die Stiftung KLEINE PLÄTZE große Hilfe. Anfang des Jahres hat die umtriebige Anwohnerin nun gemeinsam mit 14 Gründungsmitgliedern den gemeinnützigen Verein „Freunde des Fasanenplatzes e. V.“ gegründet. „Damit – falls ich mal ausfalle – es mit dem Platz nicht vorbei ist und weiter aufwärts geht, er eine Perspektive bekommt“, erklärt Karin Kampmann weitsichtig.

Plan Fasanenplatz
1870 wurde der Fasanenplatz von Johann Anton Wilhelm von Carstenn als Repräsentations- und Schmuckplatz in der von ihm konzipierten „Carstenn-Figur“ gebaut: Ein städtisches Ensemble, zu dem der Nürnberger-, Prager- und Nikolsburger Platz gehören. Seinen Namen erhielt der Fasanenplatz erst 1901. Seine heutige Form ohne Kreisverkehr, gepflastert und mit Bänken versehen, bekam er im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984. Map data © OpenStreetMap contributors

Stadtverschönerung, die beeindruckt

Auf den sanierten Bänken unter jahrzehntealten schattenspendenden Bäumen – überwiegend Linden – ist das Publikum an diesem Mittag bunt gemischt. Die Mutter mit Kinderwagen, der Angestellte, der seinen Pausen-Salat gabelt, der junge Mann, der einfach nur chillt und Passanten freundlich zunickt. Sie alle genießen hier mitten in der Stadt Wilmersdorfer Wohlfühl-Atmosphäre, die umliegenden Restaurants sind gut besucht. Farbe bringt der alte Feuermelder am Randes des Fasanenplatzes ins Bild. Ein paar Touristen bestaunen die plätschernde Wasserstele, das spiralförmig über Glasscheiben laufende Wasser verleiht künstlerischen Touch. Am 31. Mai 1989 war die aus Edelstahl und Glas erschaffene ca. neun Meter hohe Brunnenskulptur des Künstlers und renommierten Gestalters kinetischer Plastik Prof. Rolf Lieberknecht eingeweiht worden. Die Kosten für das Kunstwerk in Höhe von rund 210.000 DM wurden von der Wohnungsbau-Kreditanstalt Berlin gestiftet. Doch über die Jahre machten Kalk und Umwelteinflüsse dem Kunstwerk zu schaffen. Wertvolle Hilfe bei ihrer Einwerbung von Geldern für die Restaurierung des Kunstwerkes fand Karin Kampmann im Bezirksamt bei Umwelt-Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger, dessen Einsatz eine Bankenspende in Höhe von 43.000 Euro brachte und dem Kunstwerk so zu neuem Glanz verhalf.

Wasserstele
Fasanenplatz mit Wasserstele von Prof. Rolf Lieberknecht.

„Eigentlich waren es viele glückliche Zufälle, die mir die Umsetzung meiner Vision von einem einladenden Fasanenplatz ermöglicht haben“, betont Macherin Kampmann, die im Gespräch immer wieder auf die vielen unterstützenden Seelen hinweist. Dabei versprüht sie so viel positive Energie, dass man sich selbst unweigerlich in ihrem ideengeladenen Dunstkreis wiederfindet.

Der Fasanenplatz vorher (Foto: privat) und nachher.
Der Fasanenplatz vorher (Foto: privat) und nachher.

Eigeninitiative mit Herz und Verstand

„Der Weg bis zum heutigen Zustand des Fasanenplatzes war nicht leicht“, erzählt Karin Kampmann. So hatte sie anfangs mit ihrem Wunsch nach Platzverschönerung den Leiter des Grünflächenamtes, Jochen Flenker, angesprochen. Der nahm sie ernst, konnte aber erst einmal nicht mehr tun, als ihr für Planungsgespräche den Kontakt zum Landschaftsarchitekten Christian Meyer zu nennen. – Einen Mann, der hinter der Bepflanzung der Verkehrsinseln am Kudamm und vom Olivaer Platz steht. Doch auch Meyer war erst einmal sprachlos angesichts des durch die alten Bäume total durchwurzelten und verschatteten Platzbodens, der kaum Bepflanzungsmöglichkeit bot. Da die Bezirkskasse es nicht hergab, spendete Karin Kampmann für die Finanzierung der Planungskosten privat einen vierstelligen Betrag. Ihr war schnell klar, dass eine schrittweise Verbesserung des Platzes nicht preiswert sein würde, und so sammelte sie unter Nachbarn Spendengelder. Insgesamt kamen 30.000 Euro zusammen. Inzwischen war Meyer einen Planungsschritt weiter gekommen und schlug vor, Hochbeete als Pflanzenträger aufzustellen. Doch alleine ein aus wetterresistentem Cortenstahl gefertigtes Hochbeet sollte rund 9.000 Euro kosten.

Grünflächenamt
Das Team vom Grünflächenamt leistet wertvolle Pflegearbeiten. Foto: privat

Mehr Geld musste her. Dazu organisierte Kampmann im Herbst ´23 ein als Straßenfest deklariertes erstes „White Dinner“ auf dem Platz. Beeindruckt von der Eigeninitiative zeigten sich Grünflächen- und Bezirksamt und versprachen – sollte das Projekt Hochbeete von Karin Kampmann bis Jahresende realisiert werden – weitere 50.000 Euro zur Platzverschönerung. Karin Kampmann wäre nicht Karin Kampmann, wenn sie das nicht geschafft hätte. Bereits wenig später, Anfang ´24, konnten erste Hochbeete mit pflegeleichter Dauerbepflanzung bestückt werden, begleitet von einem CDU-Politiker. Heute stehen vier kleinere und ein großes Hochbeet auf dem Fasanenplatz. Regelmäßig gegossen werden sie vom Wasseranschluss des Parks aus durch eine Mitarbeiterin der Reinigungsfirma, die bei Karin Kampmann im Haus Reinigungsarbeiten verrichtet. „Denn es muss ja mit System gegossen werden, sonst schadet es den Pflanzen mehr als es nutzt“, betont Karin, die auch diesen Punkt gut organisiert hat. Das Grünflächenamt ist dabei wichtiger Ansprechpartner für sie, auf den sie sich immer verlassen kann. Vor Kurzem erst war es mit Jugendlichen aus Kamerun auf dem Fasanenplatz, um ihnen dieses lokale Vorzeigeprojekt bürgerlichen Engagements näherzubringen. Die jungen Besucher, die beim Pflanzen kräftig mit anpackten, waren Austauschgäste im Zeichen internationaler Begegnung. Im Vorfeld waren Jugendliche aus Berlin nach Kamerun gereist, um an einem Wasserprojekt mitzuarbeiten. Was die Jugendlichen aus Kamerun besonders begeistert hat? „Äpfel, die es als Pausen­snack gab“, lacht Karin Kampmann. Denn dieses Obst gibt es in Kamerun nicht.

Junge Gäste aus Kamerun erhielten auf dem Fasanenplatz Einblick in nachhaltige Stadtentwicklung und bürgerschaftliches Engagement. Foto: privat
Junge Gäste aus Kamerun erhielten auf dem Fasanenplatz Einblick in nachhaltige Stadtentwicklung und bürgerschaftliches Engagement. Foto: privat

Spenden für noch mehr Stadtverschönerung

Zur lieben Tradition geworden ist inzwischen das jährliche „White Dinner“ mit etwa 65 Teilnehmenden rund um den Fasanenplatz, das die „Verschönerungskasse“ für den Platz auffüllen soll und gleichzeitig ein besonderes soziales Highlight ist. Möglich machen das Sponsoren wie u. a. das „Haus der Berliner Festspiele“, das Möbel und Technik für dieses Fest ganz in Weiß bereitstellt. Eventerfahren und praktisch nutzt Karin Kampmann statt weißer Tischtücher in jeder Hinsicht günstigere weiße Laken. Und das angelieferte Dreigang-Verwöhnmenü kommt vom Restaurant „Culaccino“ gleich gegenüber. In diesem Jahr findet das „White Dinner“ (weiße Kleidung ist Pflicht) am 5. September statt: Die 65 Euro Teilnahmegebühr pro Person gehen vollständig aufs Fasanenplatz-Spendenkonto, für weitere 35 Euro wird das Dreigang-Menü serviert.

Stolz kann Karin Kampmann auf das bisher Erreichte blicken. Doch da gibt es auch Wermutstropfen, die sie zeitnah weggewischt sehen will: So sind zu wenige Hängemülleimer der BSR rund um den Platz vorhanden, Müllberge darunter an der Tagesordnung. Gespräche von Karin Kampmann mit der BSR brachten bisher wenig: Laut BSR seinen es ausreichend Abfallbehälter. Und auch das Angebot von Seiten der Freunde des Fasanenplatzes, anstatt der orangefarbenen Behälter graue – wenn nötig mit Zuzahlung – zu hängen, stieß auf taube Ohren. Doch Kampmann bleibt dran, wird zu diesem Punkt von dem CDU-Abgeordneten Peer Mock-Stümer unterstützt. Die Initiatorin findet indessen noch Zeit, weitere „Wunschträume“ für den Fasanenplatz weiterzudenken: Da ist eine blaue Stahl-Silhouette eines Fasans mitten auf dem Platz angedacht, wäre ein prunkvolleres Schild mit Platznamen gut vorstellbar. Doch vorher werden aktuell erst einmal die Stromkästen am Platz attraktiver gestaltet, und auch zwei weitere Hochbeete sollen noch hinzukommen. – So geht es Schritt für Schritt am Fasanenplatz weiter mit der Stadtverschönerung, für die Karin Kampmann & Co noch viele gute Ideen entwickeln dürften.

Informationen zum Projekt Fasanenplatz und für potentielle Spender unter E-Mail karinkampmann@gmx.de

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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