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Zehlendorf

Ökosiedlung Zehlendorf

Wo Igeln Tür und Tor geöffnet werden

Foto: Anja-Katrin Fleig
Foto: Anja-Katrin Fleig

01.06.2026: Die Ökosiedlung Zehlendorf erstreckt sich nahe Berliner Straße über die Mörchinger Straße bis zur Mühlenstraße und den Weg entlang der Bahn bis zur Sundgauer Straße.

Als ökologisches Vorzeigeprojekt bietet das autofreie und kinderfreundliche Ensemble im Berliner Südwesten seit 1992 bezahlbaren Wohnraum, der sich durch Niedrigenergiebauweise mit Schwerpunkt auf baubiologischem Wohnen mit Holzdecken, Naturfliesen und umweltverträglichen Baustoffen auszeichnet.

Ökosiedlung Zehlendorf – Wohnen mit Natur.
Ökosiedlung Zehlendorf – Wohnen mit Natur.

Gleich vor der Haustür schaffen künstlich angelegte Bachläufe, Teiche, Zisternen zur Regenwassernutzung und naturnahe Bepflanzung Wohlfühlatmosphäre für Mensch und Wildtier, für das Anwohner hier spezielle Schutzprojekte initiieren. Besonders der stark gefährdete heimische Braunbauchigel (Erinaceus europaeus) findet hier naturnahen Raum und einen ökologisch wertvollen Rückzugsort. Am Weg entlang der Bahn macht ein mit 11 Infotafeln bestückter Lehr- und Lernpfad auf seine Bedürfnisse, aber auch besondere Gefährdung aufmerksam, erklärt wie seine Nahrungssuche aussieht, er sich auf Freiersfüßen verhält, es in seiner Kinderstube zugeht und er zu ausreichend Winterspeck kommt. – Initiiert und in selbstloser „Handarbeit“ aufgebaut wurde der Lehrpfad maßgeblich von Igelversteherin, Biologin und Lehrerin Anja-Katrin Fleig und von Naturexperten und Biologen Dr. Achim Förster. Beide Mitglieder der BUND-Gruppe Südwest hatten bei diesem Projekt viele Unterstützende an ihrer Seite. Und auch die aktuelle Aktion, der Schulwettbewerb „Wer organisiert die meisten Igeltörchen?“, wäre ohne die vielen gleichgesinnten großen und kleinen Igelfreunde wohl kaum so erfolgreich zustande gekommen und im Mai u. a. unterstützt aus FEIN-Mitteln des Bezirks an der Mühlenau-Grundschule starten.

Anja-Katrin Fleig und Dr. Achim Förster im Einsatz für Igel in Not.
Anja-Katrin Fleig und Dr. Achim Förster im Einsatz für Igel in Not.

Bahn frei für Igel dank engagierter Igelfreunde

Der Grünstreifen entlang der Bahn war lange Jahre ein eher trostloser Streifen, auf dem Hundekot und Sand dominierten. Dass er zu einem grünen Biotop wurde, auch dazu hat die BUND-Gruppe Südwest in Austausch mit Grünflächenamt, Bezirk und anwohnenenden Naturfreunden viel Eigenarbeit beigetragen. Ökologisch ausgeglichen mit Busch- und Baumwerk kann sich das Gebiet heute sehen lassen, und auch der Igel hat das längst mitbekommen. Regelmäßig zieht er hier nun seinen Nachwuchs groß, findet er noch für Feinde undurchdringbare Brombeerhecken, dichtes Buschwerk, Wasser und wichtige Nahrungsqellen mit Hauptfutter wie Käfern, Larven und Raupen. Fachkundig angeleitete Igelfreunde aus dem Umfeld von Anja-Katrin Fleig sorgen dafür, dass auch in kargen Jahreszeiten es dem Igel an nichts fehlt. – Wie er lebt, was er benötigt, was ihn aber auch gefährdet, das können Interessierte auf den vom proIgel e. V. gelieferten und teilgesponserten 11 farbigen Lehrtafeln vor Ort nachlesen – oder unter www.pro-igel.de/igel-lebensraum-garten/igel-lehr-und-lern-pfad/

Sowohl den finanziell als auch beim Tafel-Aufbau aktiv Unterstützenden sagt Igelfrau Anja-Katrin ein großes Danke, wäre das Projekt ohne sie alle doch nie rechtzeitig fertig geworden: „BUND und BUND-Gruppe Südwest, die Holzindustrie Nahmitz, NBH Wannseebahn, aber auch viele supernette Menschen sind von jetzt auf gleich eingesprungen, darunter auch ein handwerklich sehr versierter und engagierter Nachbar.“ Ebenso packte Allrounder Christoph Arbeiter vom Museumsdorf Düppel kräftig mit an. – Und natürlich die vielen unglaublich emsigen Kinder (und Eltern) der nahegelegenen Kita sowie der Mühlenau-Grundschule, oftmals in ihrer FreiDay-Freizeit. Sie waren auch sehr aktiv bei sämtlichen anderen Igelprojekten zuvor, welche die Direktorin dieser Grundschule immer wieder umfänglich unterstützt hat.

Käferburg
Käferburg

Igelschutz vor der Haustür

Durchschreitet man die grünende und blühende Ökosiedlung offenen Auges, entdeckt man an vielen Stellen die Handschrift der kleinen und großen Igel- und Naturfreunde erst beim zweiten Hinsehen: Hier ein Schild, das zum Langsamfahren und Beachten von kreuzenden Igeln mahnt, da eine von kleinen Händen errichtete Käferburg aus Totholz, in der krabbelnde und kriechende Nützlinge Unterschlupf finden und vielleicht einmal Nahrung unseres Igels werden, und etwas weiter versteckt unter Hecken dann ein Igel-Futterhaus sowie -Schlafhäuschen für den Winter. Über die Anlage verteilt warten etliche Laub- und Reisighaufen, um den Stacheltieren als Nist- und Rückzugsort zu dienen.

Doch sogar hier, in relativ geschütztem Igelumfeld lauern noch Gefahren, wie bei Mäharbeiten eingesetzte Tellersensen und Freischneider: Mit ihnen traf wohl auch Igel Otti zusammen. Im letzten Herbst war er untergewichtig von aufmerksamen Nachbarinnen in der Ökosiedlung gerettet worden. Ihm fehlte ein Hinterbeinchen, das er laut Auskunft der Igelstation wahrscheinlich durch Tellersense/Freischneider verloren hatte.

Schlafhäuschen
Schlafhäuschen

Seine Wunde ist inzwischen gut verheilt und er wurde von der sehr engagierten und kenntnisreichen Inhaberin einer Igelpflegestelle in Kleinmachnow gepäppelt und überwintert. Otti ist nun in einen sehr schönen Garten mit überaus fürsorglicher Familie umgezogen, die jetzt seine Auswilderung vorbereitet. Ein zweiter Jungigel mit derselben Verletzung (wahrscheinlich saßen die beiden gemeinsam unter einem Buschsaum, der mit einem der o.g. Geräte von Unterwuchs befreit wurde – diese Art Verletzung kommt sehr oft vor, weil die Igel sich sehr gerne unter Gehölzrändern ausruhen) hatte nicht so viel Glück: Er war bereits sehr schwach, als er gefunden wurde. Trotz einer schwierigen und langwierigen OP im Versuch, ihn zu retten, hat er nur noch wenige Tage überlebt.

Da sind aber auch die gerade jetzt in der Zeit neugierigen Igelnachwuchses gefährlichen Ratten-Köderboxen, die unbedacht in Nähe von favorisierten Igelaufzuchtsorten in der Ökosiedlung aufgestellt wurden. Besonders für kleine Igel, die noch in die Köderboxen gelangen können und als Jungtiere an allem knabbern, was sich ihnen bietet, kann das tödlich enden.

Dies zu verhindern, sind ebenso Igelfreunde gefragt, ihre Bedenken aufklärend an die zuständigen Stellen zu richten, wie verantwortungsvoll handelnde Zuständige mit offenem Ohr.

Sprayen für den Igelschutz. Foto: Anja-Katrin Fleig
Sprayen für den Igelschutz. Foto: Anja-Katrin Fleig

Igeltörchen statt Fußangel

Auf ihrer Suche nach immer weniger werdenden Larven, Käfern und Raupen muss ein hungriges Stacheltier immer weitere Strecken zurücklegen, um satt zu werden. Dabei hat es etliche Hürden zu überwinden, die ihm nicht selten durch hohes Verletzungsrisiko zum Verhängnis werden: In Zäunen feststeckende oder verletzte Igel sind da nicht selten. Um ihnen mehr direkte Wege zu ermöglichen, ist das neue Igeltor-Projekt entstanden. Die Grundlage dafür lieferte mit reichlich kostenlos zur Verfügung gestelltem Printmaterial die

Deutsche Wildtierstiftung, die bereits die Aktion „Bahn frei für Igel“ unterstützt hat.

Mehr dazu unter www.deutschewildtierstiftung.de/naturschutz/igel-bahn-frei-fur-stacheltrager ;

Während des Wettbewerbzeitraumes bis Ende Juni (die Gazette hatte dazu aufgerufen) sollten 1.000 Igeltörchen für den Bezirk gestaltet und installiert werden. – Schulkinder der Mühlenau-Schule entwarfen dazu Banner, gestalteten sie und die Törchen gemeinsam mit Graffitikünster Frank.

Gastgeber dabei war die „Schottenburg“, deren Mitarbeiter „Recki“ vom Team des NBH Wannseebahn e. V. bereits für die Igelaktionen zahlreiche Igelhäuser gebaut und geduldigst Unmengen an Igeltoren ausgesägt hat. Die Steglitzer Firma printseven spendierte dazu einen riesigen Roll-up. Hunderte weitere Igeltore nach dem Bauplan der Wildtierstiftung wurden von der Thüringer Firma Bütic GmbH in Raketentempo gefertigt und teilgesponsert. Ebenfalls -zig Igeltore kamen von der Schulzendorfer Igelhilfe, diese aus 3d-Druck und in bunter Ausführung. Auch das gemeinnützige Ausbildungszentrum GFBM, das u. a. im Grunewald ein Sägewerk betreibt, stellte Igeltore zur Verfügung – in Form von Baumscheiben mit Toröffnung.

Idee für verregnete Sommertage: Igeltor selberbauen! Foto: Anja-Katrin Fleig
Idee für verregnete Sommertage: Igeltor selberbauen! Foto: Anja-Katrin Fleig

Und so kann man die hölzernen Igeltörchen – mal bunt verziert, mal naturbelassen – als Zeugen dieser letzten Igelaktion nun auch in der Ökosiedlung finden. – Und es darf ruhig weitergehen, privat oder auf Firmengelände: Wer selbst ein oder mehrere Törchen bauen möchte, findet die genaue Bauanweisung unter

www.deutschewildtierstiftung.de/media/pages/naturschutz/igel-bahn-frei-fur-stacheltrager/09433991f7-1718186035/2024-igeltor-v7-druck-web.pdf

– Dann werden noch mehr gefährdete Igel eigentliche Gewinner dieser Natur-Aktion werden.

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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