Wannsee
Gedenktafel vor Welle-Poseidon Ruderclub enthüllt
Gegen das Vergessen – für Toleranz und Menschlichkeit

11.06.2026: Ein fröhliches Sommerfest war es, das am 7. Juni 2026 gemeinsam von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V. (GCJZ) und dem Berliner Ruder-Club Welle-Poseidon e. V. am Ufer des Großen Wannsee stattfand. Gute Gespräche zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen bei koscherem Wein, süßen und herzhaften Leckereien beherrschten das sonntägliche Bild, das musikalisch von den heiteren Klängen der Musiker von Rosenthal&Friends abgerundet wurde.

Doch auch dem Erinnern an jene Nazi-Tage, in denen so etwas alles andere als selbstverständlich gewesen wäre, wurde Raum gegeben: Höhepunkt des Festes war die Enthüllung der vom Berliner Metallkünstler Bernd M. Helmich gestalteten, einem Stolperstein nachempfundenen Gedenktafel am Eingang des Ruderclubs. Wo bis dato eine stark in die Jahre gekommene Tafel ein eher unbeachtetes Dasein gefristet hatte, erstrahlt nun die neue Messingtafel erinnernd und mahnend zugleich.
Sie erinnert mit ihrer Inschrift „an die jüdischen Mitglieder, die durch den nationalsozialistischen Terror umgebracht oder zur Auswanderung gezwungen wurden“. Gleichzeitig hebt die Tafel aber auch die bewiesene Zivilcourage des Rudervereins hervor, der damals unbeirrt seinen Weg des Widerstandes gefunden hatte und damit bis heute zu Toleranz und Menschlichkeit aufruft und verpflichtet. Die Enthüllung begleiteten Vorstandsvertreter beider Vereine sowie Künstler Helmich – und GCJZ-Kuratoriumsmitglied Heinz Rothholz, dem der besondere Dank aller gilt: Hat er doch die Finanzierung der Gedenktafel übernommen und damit ein wichtiges Zeichen gegen Ausgrenzung und Antisemitismus gesetzt. Für den musikalisch feierlichen Hintergrund der Enthüllung sorgte der beeindruckende Auftritt des Hebräischen Chor Berlin e. V. .

Der Welle-Poseidon e. V. – einer der ältesten Berliner Rudervereine – wurde 1894 gegründet. 1933 kam der erzwungene Austritt aus allen Fachverbänden sowie das Verbot der Teilnahme an öffentlichen Regatten. Der von der Jugendabteilung gewonnene Doppelvierer „Havel“ musste zurückgegeben werden. 1936 musste sich der Club auf Veranlassung der Gestapo in „Jüdischer Ruderclub Welle-Poseidon“ umbenennen, drei Jahre später folgte die Zwangsauflösung. Trotz des hohen Drucks hatten die christlichen Mitglieder zuvor abgelehnt, sich von ihren jüdischen Kameraden zu trennen. Sie beschlossen ihrerseits, den Verein zu verlassen, um den jüdischen Mitgliedern den stark eingeschränkten Ruderbetrieb zu erhalten, wären die jüdischen Mitglieder doch nirgendwo mehr aufgenommen worden. In der Folge wurde ihnen der Sportbetrieb jedoch ganz untersagt. Bereits 1946 gründetet sich der Club neu aus nach dem Krieg wieder zueinander gefundenen Ruderkameraden.
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V. (GCJZ) wurde am 24. November 1949 gegründet. Sie setzt sich bis heute dafür ein, das Verständnis, die Zusammenarbeit und den religiösen Dialog zwischen Juden und Christen zu fördern. Neben der religiösen Basis sieht die GCJZ ihre Aufgabe auch darin, aktuelle gesellschaftliche Probleme anzusprechen und gegebenenfalls gegenzusteuern. Gründe und Möglichkeiten sich zu engagieren, gibt es auch heute viele – das erfolgreiche Sommerfest beider Vereine mit Gedenktafeleinweihung war ein Beispiel mehr dafür.
Siehe auch www.welle-poseidon.de und www.gcjz-berlin.de
Jacqueline Lorenz



