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Eine Insel zwischen den Gleisen

Prominentenfriedhof am Rande des Grunewalds

Erschienen in Gazette Wilmersdorf November 2019
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Etwas versteckt zwischen Bahngleisen liegt der kleine Friedhof, der einst für die Villenkolonie Grunewald angelegt wurde. Heute scheint er etwas abgelegen. Wer aus Grunewald hierher möchte, muss erst die Brücke über die Autobahn überqueren und anschließend eine malerische kleine Brücke, die über die Bahngleise führt. Aufgrund seiner von Bahngleisen umschlossenen Lage wurde der 1892 eröffnete Friedhof im Volksmund schon bald als „Toteninsel“ bezeichnet. Auf seiner Fläche von 11 686 qm sind viele außergewöhnliche Grabstätten zu bestaunen.

Leuchtendes Mosaik

Eine der auffälligsten ist die Grabstätte Dernburg mit ihrem großen Glasmosaik. Diese Mosaiktechnik stammt aus dem Mittelalter und besticht durch ihre Leuchtkraft. Glasmosaik ist sehr witterungsbeständig und fast unverwüstlich. Auf Friedhöfen wird diese Technik sehr selten angewendet, da ihre intensive Farbwirkung mit der dunklen Vorstellung von Trauer schlecht in Einklang zu bringen ist.

Der erste Verstorbene, der hier beerdigt wurde, war der kleine Fritz Dernburg. Der Sohn von Bernhard und Emma Dernburg war bereits als Kind gestorben. Auch Bernhard Dernburg fand neben seinem Sohn und seiner Frau hier die letzte Ruhestätte. Der Sohn des Politikers Friedrich Dernburg erwarb sich schon früh einen Ruf als Sanierer. So hatte er Aufsichtsratsmandate für die Schwerindustrie, aber beteiligte sich auch federführend an der Umwandlung des Schokoladenherstellers Stollwerk in eine Familienaktiengesellschaft. Nach seinem Wechsel in die Politik wurde er Staatssekretär für das Reichskolonialamt. Er führte den Reformkurs für die deutschen Kolonien sein, denn sein Motto war es, die Länder nicht auszuplündern, sondern erhaltend zu bewirtschaften. Als erster hoher Kolonialbeamter reiste er selbst in die Länder und sah sich die Zustände vor Ort an. Nach dem Ersten Weltkrieg war Dernburg vom 17. April bis 20. Juni Vizekanzler des Deutschen Reiches.

Hera auf dem Grabstein

Wer kennt es nicht – das malerische Sudermann-Schlösschen im brandenburgischen Blankensee? Das Schriftstellerehepaar Clara und Hermann Sudermann hatte jedoch auch eine „Stadtwohnung“ – eine repräsentative Villa in der Bettinastraße 3. Hermann Sudermanns Erzählungen hatten einerseits den Ruf, trivial zu sein. Dennoch schrieb er spannungsreich mit einem sicheren Gespür für Effekte. Sein Drama „Die Ehre“ wurde ein Sensationserfolg am Theater. Clara Sudermann schrieb mehrere Novellen und Romane. Im Familiengrab sind außerdem der Drehbuchautor Rolf Lauckner – er stammt aus der ersten Ehe von Clara Sudermann - und dessen Ehefrau Elfriede begraben. Die Büste der Hera, die den Grabstein ziert, stammt aus dem Park von Schloss Blankensee und soll das Lieblingsstück von Clara Sudermann gewesen sein.

Viele Prominente

In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um den Friedhof der Villenkolonie Grunewald handelt, ist es kein Wunder, dass hier viele prominente Namen zu finden sind. So liegt auch Hans Geiger, der Erfinder des „Geigerzählers“ hier. Er starb kurz nachdem die alliierten Siegermächte sein Haus räumen ließen, das sich im Sperrkreis der Potsdamer Konferenz befand. Der Historiker Hans Delbrück, der den aggressiven Militarismus unter Kaiser Wilhelm II. ablehnte, fand hier genauso seine letzte Ruhe wie der Fabrikant Carl Paul Goerz, Gründer der Optischen Anstalten C.P. Goertz, nach dem die Goerzallee in Steglitz-Zehlendorf benannt wurde. Eine ungewöhnliche Grabstätte ist auch die von dem Bildhauer Otto Lessing, die an einen kleinen Sarkophag erinnert. Der Urgroßneffe des Dichters Gotthold Ephraim Lessing gestaltete zahlreiche Skulpturen und Reliefs an Fassaden bekannter öffentlicher Gebäude. Unter anderem war er an den Fassaden des Reichstagsgebäudes, am Berliner Dom und am Stadtschloss beteiligt. Er schuf sein Grabmal noch zu Lebzeiten selbst. Viele der hier genannten Verstorbenen haben auf dem kleinen romantischen Friedhof, der „Toteninsel“ inmitten der Bahngleise, ein Ehrengrab erhalten.

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