Gazette Verbrauchermagazin

Touristische Ziele im Bezirk

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

www.tourismus-suedwest.berlin
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Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Juli 2022
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Wer über Tourismus in Berlin spricht, verbindet dies häufig nur mit Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude, Kudamm, Museumsinsel, Unter den Linden. Dass diese örtliche und damit zugleich auch inhaltliche Konzentration auf alles, was sich innerhalb des inneren S-Bahn-Rings befindet, viel zu kurz gegriffen ist, zeigt allein die Fülle touristischer Angebote in Steglitz-Zehlendorf. Historische Gebäude, Architektur, Orte der Geschichte, Kultur, Museen, Parks, Seen, Erholung, Sport, Wissenschaft, Shopping. Für jeden ist etwas dabei. Nachstehend nehmen die BVV-Fraktionen hierzu Stellung.

CDU-Fraktion

Eine der geografischen Lage entsprechende Tourismusförderung in Steglitz-Zehlendorf darf sich nicht auf Party- und Eventtouristen konzentrieren, die Berlin-Mitte vor große Herausforderungen stellen. Unter dem Schlagwort „Kunst & Kultur im Südwesten“ muss der Bezirk mit seinem reichen Angebot kulturell und historisch bedeutsamer Stätten sein Wirken im geographischen Kontext der imposanten Kulturlandschaft der Weltkulturerbestätten im Brandenburger Umland, etwa Glienicke und Potsdam, als Einsatz in einem größeren kulturtouristischen Raum begreifen. Bedeutsame Erinnerungsorte einer gesamtdeutschen Erinnerungskultur, etwa das Haus der Wannseekonferenz und die Glienicker Brücke runden zusammen mit einem reichhaltigen bezirklichen Gedenkstelen-Programm diesen Horizont ab. Auch wenn durch Entscheidungen Rot-Rot-Grüner Senate Leuchttürme der Museen-Landschaft im Südwesten dem Museen-Ensemble im Bezirk entzogen und nach Berlin Mitte „umgezogen wurden“, erweitern Institutionen wie das Kunsthaus Dahlem, das Haus am Waldsee, das Brücke-Museum oder das Gutshaus Steglitz das kulturtouristische Angebot unseres Bezirks.

Tom Cywinski

B‘90/Grünen-Fraktion

Steglitz-Zehlendorf verfügt über eine Vielzahl von Zielen für städtische, nationale bis hin zu internationalen Gäste: vom Shopping auf der Schloßstraße über Natur im Botanischen Garten, den Rummel der Steglitzer Woche, Geschichte im Museumsdorf Düppel, der Alliierten in Dahlem und des nationalsozialistischen Regimes z. B. im Haus der Wannsee-Konferenz über Kunst im Kunsthaus Dahlem, Brücke-Museum und Liebermannvilla sowie (Wasser-) Sport an Wannsee und Grunewaldseenkette reicht die Spannweite mit jeweils noch viel mehr Angeboten.

Tourismus ist dabei sowohl wichtige Einnahmequelle durch die direkte Gewerbesteuer für den Bezirk, aber auch angewandter Umweltschutz: wer die Fernreise spart und sich nah erholt, spart CO2 und verstopft nicht weite Anreisewege – gerade deshalb ist uns die Förderung des nachhaltigen Tourismus im Bezirk ein wichtiges Anliegen, insbesondere mit der Anreise per öffentlichem Verkehrsverbund. Wir streben dabei einen Ausgleich zwischen Naherholung und Umweltschutz in Form eines behutsamen Tourismus an. Eine Synthese aus Kultur und Natur erwartet dabei unsere Besucher*innen!

Alexander Kräss

SPD-Fraktion

Während der Reisebeschränkungen der letzten zwei Jahren konnte man den eigenen Bezirk wieder neu entdecken. Und dadurch auch die touristischen Ziele in Steglitz-Zehlendorf. So hat CNN in 2020 den Schlachtensee sogar unter den TOP 20 der weltbesten Bademöglichkeiten gelistet. Aber auch der Kulturbereich kann sich sehen lassen – wie z. B. das Haus am Waldsee oder die Liebermann-Villa. Die Liste kann mit weiteren Orten, wie u. a. dem Botanischen Garten, der Pfaueninsel oder dem Strandbad Wannsee noch weiter fortgeführt werden.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Steglitz-Zehlendorf so viele touristische Ziele hat, die für alle erreichbar sind – egal ob für Touristen auf Berlinbesuch oder für Berliner*innen. Dabei ist uns aber auch wichtig, dass auch der lokale Einzelhandel in Tourismuskonzepte einbezogen wird.

Olemia Flores Ramirez

FDP-Fraktion

Steglitz-Zehlendorf hat ein großes Potenzial für eine Kombination aus städtischem und naturnahem Tourismus. Wir leben da, wo andere Auszeiten vom stressigen Alltag suchen. Unser Bezirk ist reich an Geschichte und weist viele interessante touristische Ziele auf, die mit dem 9-Euro-Ticket in diesem Sommer kostengünstig zu erreichen sind. Neben kulturellen Stätten sind unsere Naturschätze, die Wälder und Seen, vermehrt Ziel von (Tages-)Touristen. Auch im Sinne zukünftiger Generationen gilt es, Naturschutz und Freizeit verantwortungsvoll in Einklang zu bringen. Die Freien Demokraten (FDP) engagieren sich für einen sanften Tourismus, der die Interessen des touristischen Betriebes, des Naturschutzes und die Anliegen der Anwohner bestmöglich vereinbart. Durch die AG Seengebiet Krumme Lanke/Schlachtensee wurden Ideen erarbeitet, wie dies gelingen kann. Ihre Umsetzung werden wir weiter begleiten und begrüßen, dass niedrigschwellig durch Parkläufer auf Verstöße in der sensiblen Umgebung hingewiesen wird, was verantwortungsvolles Handeln bei allen Beteiligten fördert – für ein zukunftsfähiges Ausflugsgebiet im Berliner Südwesten.

Mathia Specht-Habbel

AfD-Fraktion

Kein Witz: Mit „Bock auf Gras“ und „Lust auf’n Trip“ wirbt das Bezirksamt erneut um Touristen aus Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Sie sollen an den Schlachtensee, den Wannsee, die Krumme Lanke und in den Grunewald gelockt werden. So weit, so schlecht. Die 2020 eingeführte Werbekampagne wurde vom Bezirksamt auf AfD-Nachfrage tatsächlich auch (selbst-)kritisch gesehen. Sozial-Stadträtin Carolina Böhm (SPD) dazu: „Möglicherweise ist die Kampagne jedoch aus Marketingsicht erfolgreicher als aus suchtpräventiver Sicht, da ggf. der Gebrauch von Suchtmitteln in einem verharmlosenden Bild daher kommt.“ (Drs. 2335/V) Das hält die neue Bürgermeisterin jedoch nicht davon ab, die Kampagne in noch größerem Umfang neu aufzulegen. Die Bedenken sind im Rathaus wohl in Rauch aufgegangen. Pflanzen, Tiere und Menschen leiden zunehmend unter dem Alkohol- und Marihuana-Massentourismus. Liegewiesen gleichen mittlerweile Ascheplätzen. Und es gibt tatsächlich Leute, die sich in diesen Staub legen. Viele Steglitzer und Zehlendorfer flüchten deshalb auf den Wannsee oder direkt ins Umland. Die AfD fordert einen naturschonenden Tourismus.

Peer Döhnert

Linksfraktion

Selbst im „bürgerlichen“ Steglitz-Zehlendorf gehören Sehenswürdigkeiten des „roten Berlins“ zu den lohnenswerten Ausflugszielen: Dazu zählen Beispiele des sozialen Wohnungsbaus wie die Onkel-Tom-Siedlung, das Haus des Kunstsammlers und KPD-Mitbegründers Eduard Fuchs in der Hermannstraße 14 oder die Wohnungen von Karl Liebknecht (Hortensienstraße 14) und Rosa Luxemburg (Biberacher Weg 2).

Doch unser Bezirk bietet leider auch immer wieder neue und unfreiwillige Tourismusattraktionen an: Beim Geisterhaus Gardeschützenweg 3 handelt es sich um ein Gebäude, das seit zwanzig Jahren nur aus leerstehenden Wohnungen besteht. Der 120 Meter hohe Steglitzer Kreisel prägt die Skyline Berlins und dient als Wohlfühloase für Spekulant*innen. Von dem seit Jahren leerstehenden Hochhaus genießt man einen spektakulären Blick, u. a. auf den Bierpinsel und den Mäusebunker, weitere dem Verfall oder Abriss preisgegebene Attraktionen. Überall schafft der Bezirk Anziehungspunkte, die aufgrund ihrer Skandalgeschichten einen eigenen Tourismuswert entwickeln.

Mathias Gruner

Titelbild

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