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Die Rheinstraße nahe Kaisereiche

Exponat des Monats – vorgestellt vom „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“

Die Rheinstraße nahe Kaisereiche, wie sie einst war. Historische Postkarte, koloriert ca. 1910, Verlag Goldiner.
Die Rheinstraße nahe Kaisereiche, wie sie einst war. Historische Postkarte, koloriert ca. 1910, Verlag Goldiner.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau März 2017
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Vor sieben Jahren gründete die Schulgemeinschaft der Friedrich-Bergius-Schule ein eigenes Museum, das „Schul- und Stadtteilmuseum Friedenau“. Inzwischen ist die Sammlung auf mehrere tausend Objekte angewachsen und kann nach Terminvereinbarung im historischen Schulhaus am Perelsplatz besichtigt werden.

Der Fotograf blickt in nördlicher Richtung auf die Rheinstraße. Etwa in Bildmitte erhebt sich die Kaisereiche. Gepflanzt am 22. März 1879 anlässlich der Goldenen Hochzeit des Kaisers Wilhelm I. und seiner Frau Augusta, steht die „Kaisereiche“ vom Verkehr umtost und als Naturdenkmal geschützt noch heute. Derzeit beschäftigen das Grünflächenamt zwei morsche Hauptäste, die demnächst entnommen werden sollen.

Während die Wohnhäuser hinter der Kaisereiche erhalten sind, überlebte das hübsche Mietshaus vorne rechts die Bombennächte des 2. Weltkriegs nicht und wurde durch einen schmucklosen Neubau ersetzt.

Die Rheinstraße ist viel älter als die erst 1871 gegründete Gemeinde Friedenau. Sie verband die königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und wurde als erste Provinzialchaussee in Preußen in den Jahren 1789 – 1795 ausgebaut. Als Reichsstraße 1 (heute Bundesstraße 1) war sie einst Teil der mit 1392 Kilometer längsten je existierenden deutschen Straße von Aachen im Westen bis Eydtkuhnen an der Russischen Grenze.

Interessant aus heutiger Sicht ist die damalige Aufteilung des Straßenlandes: Breite Fußwege, Rasenflächen, Straßenbahngleise und vier Baumreihen begrenzen den Fahrdamm, auf dem lediglich ein Pferdefuhrwerk zu sehen ist. Automobile waren in diesen Tagen noch eine bestaunte Rarität.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Straßenbahnlinien an der Kaisereiche Zug um Zug eingestellt und durch Buslinien ersetzt.

Im März 1961 Linie 88 von Steglitz Stadtpark nach Wiener Brücke.

Im Mai 1962 Linie 73 von Potsdamer Platz nach Lichterfelde Ost.

Im Mai 1963 Linie 74 von Potsdamer Platz nach Finckensteinallee.

Der Bau einer geplanten U-Bahn Linie10, für die bereits bauliche Vorleistungen unter der Schloßstraße, unter dem U-Bahnhof Kleistpark und im U-Bahnhof Alexanderplatz fertig gestellt worden waren, unterblieb aus Kostengründen bis zum heutigen Tag.

Immer wieder werden stattdessen Pläne zum Bau einer Straßenbahn von der Leipziger Straße bis zum Rathaus Steglitz diskutiert.

Auf der gesamten Länge der Rheinstraße stellt die Infrastruktur der hier ansässigen Gewerbetreibenden eine gute Möglichkeit des Einkaufens dar. Hervorzuheben ist das traditionsreiche Geschäft des Juweliers Lorenz, das in der Rheinstraße 59 seit 1874 mittlerweile in der fünften Generation betrieben wird sowie die Nicolaische Buchhandlung in der Rheinstraße 65, die als renommierte und traditionsreiche Institution seit 1929 hier existiert.

Selbst große Industriebetriebe hatten einst an der Rheinstraße ihren Sitz. In der Rheinstraße 45-46 befand sich in den „Goerz’schen Höfen“ das Firmengelände der dort ab 1897 ansässigen Optischen Anstalt C.P. Goerz.

Das Unternehmen fertigte Fotoapparate, Objektive und Fernrohre und war für seine beispielhaften freiwilligen sozialen Leistungen gegenüber seinen Arbeitern und Angestellten bekannt. Die Backsteingebäude des weitläufigen Gewerbehofs mit dem weit aufragenden Fabrikschornstein entstanden im Stil der nachempfundenen Renaissance und Gotik in mehreren Bauabschnitten zwischen 1897 und 1916.

Im Jahr 1926 wurde die Optische Anstalt C.P. Goerz Teil der Zeiss Ikon AG.

Auf Ihren Besuch freuen sich Schulleiter Michael Rudolph und Alexander Bauwe, AG „Junge Historiker“

Friedrich-Bergius-Schule
Perelsplatz 6-9, 12159 Berlin
Tel.: 030/90277-7910
E-Mail: Sekretariat@fbs-schule.de
www.friedrich-bergius-schule.de