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Grüne Oase aus der Kaiserzeit

Erholungsort Bernkastler Platz

Kleine Oase in Lankwitz – der Bernkastler Platz.
Kleine Oase in Lankwitz – der Bernkastler Platz.
Erschienen in Lankwitz Journal August/September 2021
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In der Sommerwärme lädt er wieder zum Spazieren gehen und Verweilen ein – der Bernkastler Platz an der Leonorenstraße. Der trapezförmige Platz mit den Maßen 240 x 80 Meter wurde 1910 erstmals angelegt. Der Name des zuständigen Gartenarchitekten ist unbekannt. Der Platz läuft an der schmalsten Stelle auf das einige Jahre später von Fritz Freymüller erbaute „Parkschlösschen“ – im Volksmund Käseglocke genannt – zu. Diese Perspektive wird durch die Anordnung der Pyramidenpappeln unterstrichen, die den Platz umrahmen. Die „Käseglocke“ wurde zwischen 1913 und 1914 erbaut. Ursprünglich war es ein Wohnhaus, gegen Ende der 1950er-Jahre wurde in dem Gebäude ein Kinder- und Jugendfreizeitzentrum untergebracht. Alte Postkarten zeigen noch einen Durchgang im Erdgeschoss des Hauses zum Bernkastler Platz. Dieser ist aber längst zugemauert.

Rekonstruktion nach alten Vorbildern

Der Schmuckplatz wurde ab 1975 rekonstruiert. Die Wiederherstellung erwies sich als schwierig, denn alte Pläne waren nicht mehr vorhanden und so wurden alte Postkarten und Fotos als Vorlage genommen. Zur 750-Jahr-Feier von Lankwitz im Jahr 1989 konnte der Platz der Öffentlichkeit wieder übergeben werden.

Die anfangs vorhandenen Gestaltungselemente wie die Wegeführungen, die Beete und Buchenhecken als Einfassung des Platzes sowie die weiße Pergola wurden wieder hergestellt. Auch die beiden Kinderfiguren und Pflasterornamente erfreuen die Augen der Spazierenden. In den Beeten neben den Wegen sind viele Rosen, deshalb wird der Platz auch als Rosengarten bezeichnet.

Da die zerstörten Kinderfiguren durch fehlende Abbildungen nicht rekonstruiert werden konnten, orientierte sich die Lankwitzer Bildhauerin Rose-Maria Stiller stilistisch an den Kinderköpfen, die an der Käseglocke zu sehen sind. Die neu geschaffenen Figuren sind weitere Blickfänge auf dem Bernkastler Platz und tragen zu seinem besonderen Ambiente bei. Als Ort der Ruhe dient die Pergola nahe dem großen Wasserbecken. Dieses ist gleichzeitig Blickfang und Anziehungspunkt, besonders für Kinder.

Das Areal entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der noch recht jungen Gemeinden der Wilhelminischen Zeit. Es ist ein schönes Beispiel für die innerstädtische Gartenkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und so wurden auch die Gestaltungselemente bei der Rekonstruktion getreu dem ursprünglichen Vorbild ausgewählt. Heute ist der Platz ein eingetragenes Gartendenkmal.

Namenspate aus Rheinland-Pfalz

Der Bernkastler Platz und die Käseglocke liegen im sogenannten Weingauviertel. Wein wurde in Lankwitz zwar nicht angebaut, doch die umliegenden Straßen sind nach Orten in Weinanbaugebieten in Rheinland-Pfalz benannt. Der an der Mosel gelegene Ort Bernkastel wurde Anfang des 8. Jahrhunderts erstmals erwähnt. 1291 bekam Bernkastel Stadtrecht und ist bis heute für seinen Weinbau und -handel bekannt. Auch Bergbau und Schifffahrt spielten in der Stadt eine große Rolle. Außerdem beherbergt die Stadt das Mosel-Weinmuseum. 1905 wurde Bernkastel mit dem am gegenüberliegenden Moselufer befindlichen Ort Kues vereinigt und heißt seitdem Bernkastel-Kues.

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