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Der deutsche Thomas Cook

Reiseunternehmer Carl Stangen wohnte in Lichterfelde

Reiseunternehmer Carl Stangen  wohnte in der Drakestraße 51.
Reiseunternehmer Carl Stangen wohnte in der Drakestraße 51.
Erschienen in Lichterfelde West Journal Juni/Juli 2021
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Eine wunderschöne, hochherrschaftliche Villa an der Drakestraße 51 – heute gibt es hier unter anderem ein Fitnessstudio und eine HNO-Praxis. Das großzügig gebaute Haus mit seiner weiß-roten Fassade und den großen Fenstern ist ein Blickfang. Doch wer war der Bauherr, der sich solch eine Villa leisten konnte? Sein Name war Ernst Stangen. Er arbeitete im Reisebüro seines Vaters Carl Stangen und ein hatte zusätzlich sein eigenes Unternehmen mit dem Import von Kunst- und Industriegegenständen aus dem Orient. Auch Carl Stangen lebte von 1901 bis zu seinem Tod 1911 in dem Haus in Lichterfelde.

Bereits 1863 begann der gebürtige Oberschlesier, gemeinsam mit seinem Bruder Louis, in Breslau mit der Veranstaltung von Sonder- und Geschäftsreisen. Dazu gehörte die Veröffentlichung von Zeitungen zum Thema Reisen und Reiseführern. 1867 zog Carl nach Berlin und eröffnete dort in der Mohrenstraße 10 „Carl Stangen’s Reise-Bureau“. Die Geschäfte liefen gut – so gut, dass die finanziellen Mittel vorhanden waren, ein eigenes Haus in der Friedrichstraße 72 zu bauen. Aufgrund des Baustils bekam es den Beinamen „arabisches Haus“. Mit 686 Reisen im Zeitraum von 1868 bis 1899 gehörte Stangen zu den großen Reiseunternehmern. Mehr noch – sein Reisebüro war das erste in Deutschland, das international tätig war, daher bekam er schon bald den Beinamen „deutscher Thomas Cook“. So gab es Reisen zur Weltausstellung in Chicago, nach Ägypten und Weltreisen. Ein besonderes Angebot machte das Reisebüro im Jahr 1898: Kaiser Wilhelm II. reiste nach Palästina – in das „Heilige Land“, um dort die Erlöserkirche in Jerusalem einzuweihen. Viele Christen wollten dabei sein, daher charterte Stangen die Schiffe Bohemia und Thalia. Die Reise bewarb er mit Zeitungsbeilagen. 1905 verkaufte Stangen sein Reisebüro an die Hapag, es wurde jedoch durch seine Söhne Ernst und Louis weitergeführt.

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