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Schlosspark Theater Berlin: Es ist angerichtet…

…und darf hoffentlich bald serviert werden

Die Komödie „Winterrose“ erblüht im Schlosspark Theater, sobald die Theater wieder geöffnet sind. Foto: Der DEHMEL / Urbschat
Die Komödie „Winterrose“ erblüht im Schlosspark Theater, sobald die Theater wieder geöffnet sind. Foto: Der DEHMEL / Urbschat
Erschienen in Gazette Steglitz April 2021
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Pandemie und Lockdowns stellen die Geduld von Theatermachern und –freunden immer wieder auf eine harte Probe. Sich dennoch Appetit auf lang entbehrte Bühnenleckerbissen zu machen, ist zum Glück erlaubt.

Auch Optimist und Realist Dieter Hallervorden schaut hoffnungsvoll voraus und richtet mit seinen Schauspielern appetitliche Theaterhäppchen vorerst nur auf seiner Probenbühne an, um – sobald Theater und Spielstätten endlich wieder öffnen dürfen – das mit viel Herzblut Angerichtete seinem Publikum im Schlosspark Theater Berlin servieren zu können. „Wir richten an und müssen dann sehen, wann es serviert wird“, erklärt der Theatermann über die in der Warteschleife stehenden Stücke seines Hauses. Zu seinen Mitarbeitern hält er auch in diesen harten Zeiten und erklärt: „Ich will ihnen eine Perspektive geben.“ Gleichzeitig rückt er Politikern und Virologen mit gelungenen Plädoyers für die Kultur den Kopf zurecht und heizt über YouTube und die Social Media Kanäle die Stimmung der Kulturlechzenden mit pointierten Sketchen und treffsicheren Songs an, ganz nach bewährtem Motto „mit Geist und Humor“.

Die etwas andere Normalität

Im Garten des Schlosspark Theaters geben zurzeit noch Baumaterialien den Ton an.

„Der Kassenbereich wurde renoviert. Außerdem konnten wir die für den Sommer geplante Installation der neuen Löschanlage auf die Zeit des Lockdowns vorverlegen und so wenigstens etwas die Schließzeit des Theaters nutzen“, erklärt Theaterleiter Markus Lorenz. Als eines der ersten Theater Deutschlands lässt Dieter Hallervorden sein Haus mit innovativster Löschtechnik ausstatten: Im Brandfall erstickt feines Aerosol das Feuer, anstelle sich ergießender und mehr Schaden als Nutzen bringender Wassermassen. Während des Einbaus finden die Bühnenproben für das Steglitzer Theater in den „Wühlmäusen“ statt.

Vieles ist eben anders in diesem Jahr, in dem das Schlosspark Theater mit Freunden und Zuschauern sein 100-jähriges Bestehen hatte feiern wollen. – Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Der Theaterleiter, der als Schauspieler eigentlich derzeit mit dem Erfolgsstück des Ohnsorg Theaters „Tratsch im Treppenhaus“ an der Seite von Heidi Mahler auf Tournee unterwegs wäre, hat stattdessen nun am Schreibtisch des Schlosspark Theater mit unliebsamer Lockdown-Bürokratie und mit Kurzarbeit-Regelungen zu kämpfen, spricht dabei von einer „gewissen Normalität“, die eingekehrt sei. Gastspiele müssen umgelegt, Besetzungspläne verschoben, die bereits geprobten und zur Aufführung bereiten Stücke neu koordiniert und strukturiert werden. Mitarbeiter und Darsteller des Hauses werden akribisch und regelmäßig Corona-getestet. – Eine logistische Meisterleistung vom Theater und viel Zusatzarbeit, die kaum ein Politiker sieht oder sehen will. Stattdessen Vorschläge zu kaum umsetzbaren Test-Maßnahmen für das Publikum vor den Vorstellungen. – Auch hierbei wünschte man sich etwas mehr organisatorische, personelle und finanzielle Hilfestellung von Seiten der Politik.

Dankbar dagegen zeigt sich das Steglitzer Haus für die erwiesene Unterstützung durch Gutscheinkäufe und erlassenen Kartenrückerstattungen und das damit gezeigte Verständnis aus Reihen der Zuschauer und für die finanzielle Hilfestellung des Vereins „Freundeskreis Schlosspark Theater“ während der Pandemie. Dieter Hallervorden revanchiert sich mit der Aussicht auf mit besten Ingredienzen zubereitete Theaterstücke und mit vorbildlich aufgestellten Hygiene- und Abstandsmaßnahmen, die einen sicheren und bedenkenlosen Theaterbesuch versprechen.

Blick nach vorn

Der Hausherr hat indessen weitere Folgen für das TV-Format „Mein Freund, das Ekel“ abgedreht. – Der Euro muss rollen, das Schlosspark Theater ist sein kostenintensives Herzensprojekt. An seiner Seite an zwei „Ekel“-Drehtagen dabei Dagmar Biener, mit ihrer Theatererfahrung ist sie eine der dienstältesten Schauspielerinnen auf der Bühne des Traditionshauses. Unter und mit Hallervorden spielte sie hier in zahlreichen Stücken, u. a. in „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Ladykillers“, „Der Bürger als Edelmann“ und „Was zählt ist die Familie“.

„Endlich wieder Probenarbeit“, freut sich die vielseitige Berliner Schauspielerin jetzt, die u. a. im Musical „Ich war noch niemals in New York“ begeisterte, aus Loriots Filmkomödien nicht wegzudenken ist und im YouTube-Musik-Video in die Rolle von Marcella Rockefeller´s Oma schlüpft.

Demnächst spielt sie in der ersten Produktion nach dem Lockdown in der Drei-Personen-Komödie „Winterrose“ von Christa, Agilo und Michael Dangl an der Seite von Jürgen Heinrich (Wolffs Revier) und Mathias Harrebye Brandt (Hafenpolizei), der auf der Bühne des Schlosspark Theaters kein Unbekannter ist und zum Kabarett-Ensemble der „Wühlmäuse“ gehörte.

Im Stück unter der bewährten Regie von Philip Tiedemann spielt Dagmar Biener die kontaktfreudige Witwe Elisabeth, die jeden Mittwoch unter dem Pseudonym „Winterrose“ in einem Café Männer trifft, die sie zuvor über Kontaktanzeigen aufgetan hat. Von der Parkbank gegenüber des Cafés aus, verschafft sie sich einen ersten Eindruck von dem jeweiligen Kandidaten. Sich eher gestört von ihren Kommentaren fühlt sich dabei Literaturliebhaber Josef (Jürgen Heinrich), der eigentlich auf der Parkbank in Ruhe seiner Lektüre nachgehen möchte. – Und dann ist da noch Gärtner Horst (M.H. Brandt), der sich ungefragt ins Gespräch einmischt und seinen Kommentar sowie manch Lebensweisheit beisteuert.

Weitere Stücke, darunter „Zwei wie Bonnie & Clyde“, „Rent a Friend“ und „Dinge, die ich sicher weiß“, werden fürs Programmbuffet derzeit frisch zu- und aufbereitet – wobei auch die Zutaten Dieter und Johannes Hallervorden nicht fehlen werden. Den Zuschauern Appetit auf die Zeit nach dem Lockdown macht schon heute das aktuell erschienene Spielplanheft des Schlosspark Theater.

So bleibt inständig zu wünschen, dass dieser Appetit schon bald mit einer spannenden Spielzeit voller sorgenfreier und harmonischer Theaterabende für das Publikum und die Theatermacher gestillt werden kann.

Weitere Informationen und zu Redaktionsschluss coronabedingt noch nicht feststehende Spielzeiten unter www.schlossparktheater.de

Jacqueline Lorenz

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