Gazette Verbrauchermagazin

Vom Berliner Südwesten in den hohen Norden

Ralf Obluda-Kruber will auf Sylt Bürgermeister werden

Ralf Obluda-Kruber: Gestern am Schreibtisch des Sozialamtes im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (Foto privat), heute im Bürgermeister-Wahlkampf auf Sylt.
Ralf Obluda-Kruber: Gestern am Schreibtisch des Sozialamtes im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (Foto privat), heute im Bürgermeister-Wahlkampf auf Sylt.
Erschienen in Gazette Steglitz Februar 2021
Anzeige
Eckard Kanold GmbH & Co. KGBau- und MöbeltischlereiGeier AnwaltskanzleiTanzschule Traumtänzer

Auf dem Platz vor dem Rathaus Lankwitz, Sitz des Sozialamtes Steglitz-Zehlendorf, steht der Vier-Winde-Brunnen, auf dem vier steinerne Knaben in alle Himmelsrichtungen pusten. Eine besonders kräftige Lunge scheint der Knabe zu haben, der Richtung Norden bläst: Denn in diese Windrichtung hat es Ralf Obluda-Kruber, Leiter Fachbereich Pflege des bezirklichen Sozialamtes, getrieben, wo der Verwaltungsleiter bereits seit über 30 Jahren tätig ist.

In Westerland auf der Insel Sylt will der erfahrene Beamte, der in Sachen Kommunalverwaltung und Sozialwesen besonders fit ist, nun am 7. März Bürgermeister werden. Derzeitig pendelt er regelmäßig zwischen Berlin und Deutschlands nördlichster Insel. Sein nächstes Ziel ist es, in der Gemeinde Sylt in die Stichwahlen zu kommen. – Die Aussichten stehen gut: Als einer von vier Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters hat er als unabhängiger Bewerber, der keiner Partei angehört, dabei aber durchaus politisch interessiert ist, bravourös mit 170 Unterstützer-Unterschriften aus Sylter Einwohner-Reihen deutlich mehr als die benötigten 115 erhalten und optimistisch mit dem Wahlkampf begonnen.

Sylter Sand in den Schuhen und Koffer in Berlin

Erst vor einem Jahr hatten der in Zehlendorf aufgewachsene Ralf Obluda-Kruber und seine Frau Denise, die aus Berlin-Wilmersdorf stammt, Sylt zu ihrem ersten Wohnsitz gemacht. Den Wunsch, am Meer zu leben, hatten die beiden bis dahin Ostsee-Erfahrenen schon länger. Nun, da der 18-jährige Sohn und die 24-jährige Tochter in Berlin auf eigenen Füßen stehen, wagten sie den Schritt: Denise, die aus dem Musikgeschäft kommt und als Sängerin und Songwriterin jungen Musikbegeisterten auf die Sprünge hilft, suchte in und um Berlin schon länger eine Lokalität, in der sie Musik mit Gastronomie verbinden kann. Als sie zufällig auf der Immobilienseite das Angebot für eine Musik-Bar im Norden von Westerland auf Sylt entdeckte, reiste sie mit ihrem Mann auf die Insel – und blieb. Günstig, dass das Paar auch gleich die über den Barräumen des „Showtime“ liegende Wohnung mit übernehmen konnte – auf der wohnraumknappen Insel wie ein Sechser im Lotto. Und als Ralf Obluda-Kruber dann auch noch die Wahl-Ausschreibung der Gemeinde Sylt auf seinen Berliner Schreibtisch in Lankwitz flatterte, war für ihn klar: Ich bewerbe mich als Bürgermeister-Kandidat auf der Insel. Denise baut inzwischen die Bar zum besonderen Treff für Einheimische, Touristen und Musikbegeisterte aus, die hier – endlich nach Corona – ausgewählte Highlights und Newcomer der Musikszene bei einem frisch gemixten „Sex on the Beach“ erleben oder Karaoke-gemäß selbst den Ton angeben wollen.

Ihren Koffer in Berlin haben die Wahl-Sylter im Haus von Ralfs Eltern in Zehlendorf stehen, und an seinen Arbeitsplatz, das Rathaus Lankwitz, kehrt der frischgebackene Insulaner in regelmäßigen Abständen beruflich zurück. Sollte er auf Sylt zum Bürgermeister gewählt werden, dürfte sich das ändern, auch wenn er den Kontakt zu seiner Heimatstadt nicht abreißen lassen wird.

Denn da gibt es ja sein Berliner Ehrenamt, in dem er Menschen mit Behinderung mit viel Herzblut betreut, und da sind seine Fußballkameraden, Freunde – und Kinder: Im September macht die Tochter die beiden „Auswanderer“ erstmals zu Großeltern. „Natürlich bleiben wir Berlin verbunden“, verspricht der Familienvater, und schließlich sei die Zugverbindung Westerland-Berlin ja (meist) unkompliziert.

Berliner Tempo trifft nordfriesisches Selbstbewusstsein

Erfreulich ehrlich und aufgeschlossen sei man ihm und seiner Frau von Anfang an auf der Insel entgegengekommen, und bereits viele persönliche Kontakte zu Syltern sind entstanden, hebt Ralf Obluda-Kruber hervor und erklärt: „Die Offenheit, mit der die Einheimischen uns hier empfangen haben, schätzen wir ganz besonders und werden sie nicht enttäuschen.“ Die Sylter sagten – so der Kandidat – stets selbstbewusst und frei heraus, wie es ihre Art ist, was sie denken. Auch deshalb konnte Obluda-Kruber, schon viel darüber erfahren, was bei den Syltern den Schuh erheblich drücken lässt: Schlechte Zugverbindungen für Pendler, Knappheit von Dauerwohnraum durch Touristenansturm, Umweltschutz und Jugendarbeit sind die Schwerpunkte, die auf seiner bereits vorsorglich angelegten Bürgermeister-To-Do-Liste nun rot unterstrichen sind. Das Gespräch hat der Wahl-Sylter auf Wochenmärkten und vor dem Westerländer Rathaus gesucht. Die zahlreichen Kontakte, die dabei entstanden sind, beweisen, dass er sich inzwischen mit den Einheimischen auf Augenhöhe befindet. Mit seinem von Außen auf die internen Probleme gerichteten objektiven Blickwinkel will er vertrauenswürdiger Partner der Sylter sein. In einem von ihm extra eingerichteten Kummerkasten können sie ihm ihre Sorgen und Nöte nennen, Antwort garantiert.

Die soziale Erfahrung, die Obluda-Kruber als Verwaltungschef im Lankwitzer Rathaus über die Jahre gesammelt hat, ist für seine anvisierte neue Aufgabe auf Sylt von großem Nutzen: So bringt er aus seinem früheren Wirken in der Jugendarbeit wertvolle Lösungs-Ansätze nach Sylt mit, wo das Freizeitangebot für einheimische Jugendliche bis jetzt eher überschaubar ist. Das will er nachhaltig ändern, nicht ohne die Bedarfe der Jugendlichen vorab abzufragen und mit ihnen in lösungsorientierte Gespräche zu kommen. Mit seiner Gabe gut zuhören und auf Menschen unaufdringlich eingehen zu können, hat er in relativ kurzer Zeit so manch eingeschworenen und in seiner Mentalität eher kritischen Nordfriesen für sich, den Zugezogenen, gewinnen können, wie die Befürworter-Unterschriften für die Wahl beweisen, die er u. a. auf dem Westerländer Wochenmarkt gesammelt hat. Nun will er auf Sylt dauerhaft Fuß fassen.

Wichtig ist ihm: „Ich werde den Syltern ihre Insel nicht neu erklären. Vielmehr will ich auf sie eingehen und ihre Anliegen mit meinem Wissen aus dem Verwaltungs- und Sozialbereich unterstützen, moderieren und hin zur effektiven Umsetzung begleiten. Dazu werde ich mit offenen Karten spielen und die Dinge anstoßen, indem ich Betroffene und Zuständige erfolgreich zusammenführe, beispielsweise an Runden Tischen. Die Menschen, die den Wohlstand unseres Landes hier erheblich mit erarbeiten, sollen auch zukünftig auf ihrer Insel vernünftig leben und ihre Identität bewahren können“, betont er überzeugend. Er, der nach eigener Aussage früher manchmal eher etwas zu schnell gehandelt hat, habe sich über die Jahre Geduld antrainiert. – Eine wertvolle Gabe für seine neuen Herausforderungen.

Denise und Ralf Obluda-Kruber sind sich einig: „Wir haben uns mit dem Umzug nach Sylt einen Herzenswunsch erfüllt. Es ist ein privilegiertes Leben, vom Strand nach Hause laufen zu können und die Inselnatur und das Meer jeden Tag anders zu erleben.“

Und was auch bei der Wahl im März herauskommen mag: „Ich will auf jeden Fall zukünftig für die Menschen der Insel vertrauenswürdiger Ansprechpartner und ehrenamtlich engagiert sein“, versichert der Sylter Wahlkandidat, der Berlin hinter den neuen Herausforderungen nicht vergessen wird. Dabei weiß er seine Frau mit ihrer eigenen spannenden Aufgabe auf Sylt hinter sich.

Jacqueline Lorenz

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2021