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Grunewald

Vor 85 Jahren in den Tod geschickt

Bahnhof Grunewald war Ausgangspunkt von Deportationen

Metallplatten erinnern an jeden Deportationszug.
Metallplatten erinnern an jeden Deportationszug.

01.10.2026: Der S-Bahnhof Grunewald ist heute für viele Menschen im Ortsteil ein alltäglicher Verkehrsknotenpunkt. Doch vor 85 Jahren wartete hier für Tausende jüdische Berliner das Grauen. Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Deportationszug mit 1.013 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern den Bahnhof in Richtung Litzmannstadt, das heutige Lodz. Es war der Beginn einer systematischen Verschleppung, an die heute mehrere Mahnmale vor Ort erinnern.

Langer Weg des Gedenkens

Die Entstehung der heutigen Gedenkstätte am Bahnhof Grunewald war ein jahrzehntelanger Prozess, der stark von bürgerschaftlichem Engagement geprägt war. Bereits 1953 brachte eine private Initiative eine erste Gedenktafel am Signalhaus an, die später wieder entfernt wurde. Eine Nachfolgetafel aus dem Jahr 1973 wurde 1986 gestohlen. Zum 46. Jahrestag der ersten Deportation im Jahr 1987 errichtete schließlich eine Frauengruppe der evangelischen Grunewald-Gemeinde ein Mahnmal aus drei Eisenbahnschwellen auf dem Bahnhofsvorplatz. Nachdem die Initiatorinnen die Pflege aus Altersgründen nicht mehr fortführen konnten, wurde das zwischenzeitlich zugewachsene Denkmal im Jahr 2005 in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

Bücherboxx

Seit 1991 erinnert zudem ein 18 Meter langer Betonblock des polnischen Künstlers Karol Broniatowski mit schemenhaften Abdrücken menschlicher Körper an die Opfer. Das zentrale Mahnmal „Gleis 17“ zieht sich direkt entlang des Schienenwegs: Auf 186 Stahlgussplatten – jede steht für einen der Deportationszüge – sind das Abfahrtsdatum, die Anzahl der verschleppten Personen und der Zielort dokumentiert. Eine Bücherboxx am Bahnhof ist mit Literatur gefüllt, darunter sind zwei Regale, in denen Werke stehen, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigen. Es ist schon die zweite an dieser Stelle, da die erste Bücherboxx einem Brandanschlag zum Opfer fiel.

Familie Bendix aus der Lynarstraße

Hinter den nackten Zahlen auf den Stahlplatten stehen konkrete Lebenswege aus der Grunewalder Nachbarschaft. Einer davon ist der von Otto Bendix, Mitinhaber einer Textilgroßhandlung, der mit seiner Frau, der Schauspielerin Elisabeth Bendix geb. Bernhard, und dem gemeinsamen Sohn Peter in einer Villa in der Lynarstraße 9 lebte.

Gleis 17
Auf diesen Gleisen fuhren viele Menschen in den Tod.

Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten geriet die Familie zunehmend in Bedrängnis. Im November 1938 wurde das Familienunternehmen liquidiert, Wertsachen mussten abgegeben werden, und alle Ausreiseversuche des Ehepaars scheiterten. Lediglich dem Sohn Peter gelang im Januar 1939 die Flucht nach England.

Das Ehepaar Bendix musste die Villa an einen langjährigen Untermieter verkaufen, der NSDAP-Mitglied war, die großzügige Wohnung räumen und in eine kleine Wohnung im ersten Stock ziehen. Ab Juli 1941 leistete Otto Bendix Zwangsarbeit in Tempelhof. Am 27. November 1941 wurden er und seine Ehefrau Elisabeth schließlich nach Riga deportiert und am 30. November 1941 im Wald von Rumbula erschossen.

Ihr Sohn Peter kehrte nach dem Krieg als Angehöriger der britischen Streitkräfte nach Deutschland zurück. Er verstarb im Jahr 1998 in England. Vor dem Haus Lynarstraße 9 erinnern Stolpersteine an die Familie.

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