04.11.2026: Die Bayerische Straße in Wilmersdorf präsentiert sich als gemütliches Berliner Wohnquartier mit vielen Altbauten, nur wenige Gehminuten vom Kurfürstendamm entfernt. An der Hausnummer 9 weist eine Berliner Gedenktafel aus Porzellan auf einen früheren Bewohner hin, dessen Name eng mit dem deutschen Widerstand verknüpft ist: Generalmajor Hans Paul Oster (1887 – 1945). Von 1933 bis zu seiner Verhaftung im Juli 1944 lebte der Offizier an dieser Adresse – und nutzte seinen Alltag im Kiez als Ausgangspunkt für konspirative Planungen gegen die nationalsozialistische Führung.
Im Dienst des Umsturzes
Oster war kein Oppositioneller von außen, sondern eine Schlüsselfigur innerhalb des militärischen Apparats. Als Leiter der Zentralabteilung im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht arbeitete er unter Admiral Wilhelm Canaris an zentraler Stelle des Geheimdienstes. Diese Position verschaffte ihm Zugriff auf vertrauliche Berichte, Dienstwege und Ressourcen, die er systematisch in den Dienst des Umsturzes stellte. Bereits im Herbst 1938, während der Sudetenkrise, zählte Oster zu den treibenden Kräften der sogenannten Septemberverschwörung, die eine Verhaftung Hitlers zum Ziel hatte.

Warnung vor Angriffen
Dabei ging er Schritte, die unter damaligen Offizieren als Tabubruch galten. Um den Beginn der deutschen Offensive im Westen zu verhindern oder zu erschweren, warnte er im Frühjahr 1940 mehrfach den niederländischen Militärattaché vor den bevorstehenden deutschen Angriffsterminen. Oster nahm den Vorwurf des militärischen Verrats bewusst in Kauf, da er in der Verhinderung eines europäischen Krieges die vorrangige Verpflichtung sah.
Gemeinsam Leben retten
Zusätzlich knüpfte er Kontakte zu weiteren Opponenten gegen das Regime. Dazu gehörten Personen wie der Jurist Hans von Dohnanyi und dessen Schwager, der Theologen Dietrich Bonhoeffer. Gemeinsam organisierten sie unter anderem das „Unternehmen Sieben“, bei dem mehrere verfolgte Bürgerinnen und Bürger, darunter auch Juden, als angebliche Agenten getarnt in die Schweiz geschmuggelt werden konnten.
Ermordet im KZ
Im Frühjahr 1943 geriet das Netzwerk ins Visier der Gestapo. Nach Unregelmäßigkeiten im Amt verlor Oster seinen Posten, wurde aus dem Dienst entlassen und überwacht. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 – Oster war nach den Planungen als Präsident des Reichskriegsgerichts vorgesehen - folgte tags darauf seine Festnahme. Am 9. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde Hans Oster im Konzentrationslager Flossenbürg zusammen mit Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer ermordet.
Das Wohnhaus in der Bayerischen Straße 9 steht bis heute. Die Tafel an der Fassade erinnert Passanten an einen Wilmersdorfer, der seine Stellung im Zentrum der Macht nutzte, um sich gegen den Terror des NS-Staates zu stellen.