03.11.2026: Wenn um 4.30 Uhr morgens die ersten Züge durch die Bahnhöfe rollen und ab 7.30 Uhr viele Menschen im Berufsverkehr an ihre Arbeitsplätze und Kinder in Richtung Schule eilen, gehört die U-Bahn im Bezirk wie selbstverständlich zum Alltag. Kaum jemand verschwendet beim schnellen Schritt auf den Bahnsteig einen Gedanken daran, wie der Südwesten Berlins ohne diese Trasse funktionieren würde. Dabei feiert ein entscheidendes Teilstück nun ein rundes Jubiläum: Vor 55 Jahren, im Jahr 1971, ging die südliche Verlängerung der damaligen Linie 9 in Betrieb.
Bis dato endete die Strecke, die 1961 wenige Tage nach dem Mauerbau als schnelle Umgehung des Ostsektors eröffnet worden war, noch an der Spichernstraße. Mit dem Weiterbau unter der Bundesallee schloss die BVG eine empfindliche Lücke im West-Berliner Netz. Auf einen Schlag erhielt Wilmersdorf direkten Anschluss an moderne Großprofil-Tunnel: Die Stationen Güntzelstraße, Berliner Straße, Bundesplatz und Friedrich-Wilhelm-Platz nahmen zeitgleich den Betrieb auf, bevor die Züge an der damaligen Endstation Walther-Schreiber-Platz wendeten.
Für Wilmersdorf bedeutete dieser Ausbau eine städtebauliche und verkehrliche Zäsur. Bis dahin wickelten vor allem Buslinien und Straßenbahnen den Verkehr an der Oberfläche ab – oft ausgebremst vom wachsenden Autoverkehr der Wirtschaftswunderjahre. Mit der U9 entstand eine unterirdische Expressverbindung quer durch den Bezirk. Wer um 8 Uhr am Bundesplatz in den Zug steigt, erreicht den Bahnhof Zoologischer Garten und den Kurfürstendamm in wenigen Minuten.
Besonders die Station Berliner Straße entwickelte sich rasch zum Knotenpunkt. Da am selben Tag auch die Neubaustrecke der U7 dorthin freigegeben wurde, entstand ein wichtiger Kreuzungsbahnhof, der Umsteigern bis heute schnelle Wege in Richtung Neukölln, Kreuzberg und später Spandau ermöglicht. Am Bundesplatz wiederum entstand die Schnittstelle zur Ringbahn, die den Bezirk nach Südosten und Nordwesten anbindet.
Auch optisch hinterließ die Verlängerung Spuren, die bis in die Gegenwart reichen. Der damalige Senatsbaudirektor Rainer G. Rümmler prägte mit farbigen Fliesen, markanten Schriftzügen und großzügigen Zwischengeschossen die Bahnhöfe der Epoche. Viele dieser Gestaltungsmerkmale sind trotz späterer Sanierungen noch heute im Stadtbild verankert.