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Wannsee

Verfall im Welterbe

Der traurige Zustand der Teufelsbrücke im Glienicker Park

Überreste des UNESCO-Weltkulturerbes.
Überreste des UNESCO-Weltkulturerbes.

26.06.2026: Wer an einem sonnigen Tag den Haveluferweg im Schlosspark Klein-Glienicke zwischen der Moorlake und dem Schloss entlangwandert, genießt einen der idyllischsten Ausblicke, die Berlin zu bieten hat. Der Blick schweift über das glitzernde Wasser hinüber zur Sacrower Heilandskirche. Doch wendet man sich landeinwärts, endet die Postkartenidylle auch schon. Hinter einem lückenhaften Bauzaun sind die von Unkraut und Gehölz überwucherten Reste eines Mauerwerks zu sehen. Es ist alles, was von der Teufelsbrücke –Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Glienicker Park - übrig geblieben ist.

Brückenbau im Geiste der Romantik

Dabei war die Brücke von Anfang an als Ruine geplant – allerdings eher als Kunstwerk. Im Jahr 1838 erteilte Prinz Carl von Preußen, der dritte Sohn von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, den Auftrag für das Bauwerk. Der Entwurf stammte von Ludwig Persius, einem engen Mitarbeiter und Schüler des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Steine der Teufelsbrücke
Die Steine des früheren Pfeilers warten auf den Wiederaufbau.

Persius schuf die rund zwölf Meter Brücke im Zeitgeist der Romantik. Es war modern, künstliche Ruinen in Landschaftsgärten zu integrieren, um Historie darzustellen. Als loses Vorbild diente die damals weithin bekannte Teufelsbrücke über die Schöllenen in der Schweiz. Persius ließ eine künstliche Felsenschlucht anlegen und errichtete eine Brücke, die den Anschein des Verfalls erweckte: Zwei massive Kalksteinbögen wurden durch einen hölzernen Steg aus Knüppelholz verbunden. Das erweckte den Eindruck eines provisorisch reparierten, uralten Bauwerks. Unter der Konstruktion rauschte ein kleiner Wasserfall über Kaskaden herab, der sich aus malerischen Felsenteich etwas oberhalb der Brücke speiste.

Wandel der Ideologien

Im Dritten Reich stieß die Idee einer absichtlich unvollkommenen Ruine auf Missfallen. Im Streben nach baulicher Perfektion ließ man das originale Holzprovisorium abreißen und durch eine geschlossene, ordentliche Steinbrücke mit vier Bögen ersetzen.

Erst nach der Wiedervereinigung besann man sich wieder auf die historischen Pläne von Persius und dem Gartenkünstler Peter Joseph Lenné. Im Jahr 1992 wurde die Teufelsbrücke aufwendig in ihren romantischen Originalzustand zurückversetzt: Die steinernen Bögen und der provisorisch anmutende Holzsteg kehrten zurück.

Katastrophe von 2009

Das jähe Ende dieser Rekonstruktion kam im Herbst 2009. Heftige Regenfälle ließen den Wasserstrom so stark anschwellen, dass er das Fundament des mittleren Pfeilers unterspülte. Der Pfeiler brach ein, und Teile der Brücke stürzten ab. Dem Technischen Hilfswerk (THW) gelang es, die Überreste notdürftig zu sichern. Seitdem sind viele Jahre vergangen, in denen an der Teufelsbrücke kaum etwas geschah. Die notdürftig angebrachten Holzbalken, die das verbliebene Mauerwerk stützen sollten, verrotteten im Laufe der Jahre und brachen teilweise. Warnschilder künden seit Jahren von Lebensgefahr, während die Natur sich die historische Brücke unaufhaltsam zurückholt.

Teufelsbrücke 2014
2014 war die Brücke schon gesperrt, aber noch in einen besseren Zustand.

Einigung im bürokratischen Zwiespalt

Dass die Instandsetzung so lange auf sich warten lässt, liegt an mehreren Faktoren. Auf der einen Seite stand das Landesdenkmalamt Berlin, das auf einer originalgetreuen Erhaltung der historischen Bausubstanz bestand. Auf der anderen Seite stand die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Sie argumentierte, dass sich unter den Denkmalschutzvorgaben die notwendigen Standsicherheitsnachweise statisch nicht erbringen ließen. Die Instandsetzungsarbeiten, die im August 2016 nach jahrelanger Planung kurzzeitig begannen, mussten wegen akuter Einsturzgefahr sofort wieder gestoppt werden.

Doch es gibt mittlerweile eine Einigung: Geplant ist ein denkmalgerechter Ersatzneubau, der das historische Erscheinungsbild der Persius-Brücke wahrt, jedoch auch die notwendigen statischen Standsicherheitsnachweise berücksichtigt. Wann dieser Wiederaufbau erfolgen kann, steht in den Sternen. In Berlin warten zahlreiche wichtige Verkehrsbrücken auf die Sanierung. Wann Kapazitäten für ein gartendenkmalpflegerisches Projekt wie die Teufelsbrücke vorhanden sind, ist noch nicht absehbar.

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