Charlottenburg
Pionierin der abstrakten Kunst
Werke von Marlow Moss im Georg Kolbe Museum

07.04.2026: Sie stand Piet Mondrian in nichts nach – und beeinflusste ihn sogar. Trotzdem verschwand Marlow Moss (1889 – 1958) jahrzehntelang aus dem Gedächtnis der Kunstgeschichte. Jetzt holt das Georg Kolbe Museum in Westend nach, was längst überfällig war: mit „Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss“ wird dort die erste große Einzelausstellung der britischen Konstruktivistin in Deutschland gezeigt.
Moss war Gründungsmitglied der Pariser Avantgarde-Gruppe Abstraction-Création und bewegte sich im Zentrum der europäischen Moderne. Dass ihr Name dennoch kaum bekannt ist, hat traurige Gründe: Als Künstlerin jüdischer Herkunft musste sie vor den Nationalsozialisten fliehen und einen Großteil ihrer Werke in Frankreich zurücklassen. 1944 zerstörte ein Bombenangriff diese Arbeiten. Was blieb, ist ein fragmentarisches Werk – und genau dieses Fragment ist Ausgangspunkt der Ausstellung.
Hinzu kam, dass Moss gesellschaftliche Normen bewusst ablehnte und offen queer lebte – beides trug dazu bei, dass sie vom etablierten Kunstkanon der Nachkriegszeit ausgeschlossen blieb.
Das Museum versammelt nun Leihgaben aus internationalen Sammlungen in Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, den USA und Deutschland. Gezeigt werden Skulpturen und Archivmaterialien, die Moss als radikale Stimme der Moderne neu lesbar machen. Vier zeitgenössische Künstlerinnen – Leonor Antunes, Tacita Dean, Florette Dijkstra und Ro Robertson – treten mit eigens für die Schau entwickelten Arbeiten in Dialog mit ihrem Werk und spannen so einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Die Ausstellung „Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss“ ist ab sofort im Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, zu sehen. Sie läuft bis zum 26. Juli 2026.



