Zehlendorf
Tierischer Nachwuchs im Museumsdorf Düppel
Mit Gunnar, Mika & Co in die neue Saison

14.04.2026: Wer das Museumsdorf Düppel betritt, fühlt sich ins Mittelalter versetzt. Seit 50 Jahren kann man in diesem besonderen Freilichtmuseum nur eine halbe Stunde von der Innenstadt entfernt lebendige Geschichte hautnah erleben. Neben detailgetreu nachgebauter Dorfanlage sind hier auch tierische Highlights zu bestaunen: Da gibt es einen Wildtierpfad mit hölzernen Tieren und einen Erlebnisbereich für Kinder mit Klettertieren. Besonders beliebt bei Groß und Klein aber sind die lebendigen Vertreter von alten Nutztierrassen aus dem Mittelalter, die inzwischen als vom Aussterben bedroht gelten. Mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit ist das Museumsdorf deshalb bestrebt, dem Nachwuchs dieser Rassen Raum zu geben. Und so können aktuell an historischem Ort bei den Skudden niedliche Lämmer bewundert und kann der zukünftige Zuchteber Gunnar, ein rot-buntes Husumer Schwein, mit den im Museumsdorf schon alteingesessenen Düppeler Weideschweinen in Augenschein genommen werden. Damit die Tiere sich weiterhin wohl fühlen und für Besucher gut sichtbar beobachtet werden können, sind umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten im Stall- und Auslaufbereich notwendig geworden, die ohne Spendenaktivität nur schwer umzusetzen sind.

Liebenswerte Schafsköpfe…
von klein bis groß können die Besucher derzeit im Museumsdorf besuchen. Da sind die fünf Mutterschafe und Bock Ragnar, die in diesem Jahr wieder für niedlichen Nachwuchs gesorgt haben. Gleich sieben Lämmer – darunter zwei Zwillingspärchen – erblickten seit Ende Februar das Licht der Welt und erkunden nun ihre Umgebung mit lustigen Lämmersprüngen. Besonders neugierig ist der kleine schwarz-weiße Mika, der mit seinen lockigen weißen Langhaarflecken besonders putzig aussieht. Aber auch Knut, Runa, Kasha, Falco, Lybbe und Lilith sind längst zu Publikumslieblingen geworden. Als Vertreter der alten nordischen Schafrasse „Skudde“ tragen sie im Museumsdorf Düppel dazu bei, ihre vor rund 2.000 Jahren von den Wikingern bevorzugte Rasse zu erhalten, die längst auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen steht. Derzeit leben nicht mehr als 2.000 Tiere dieser kleinsten deutschen und sehr robusten Schafrasse in unserem Land. Typisch für sie sind die aufwärts gerichteten Ohren, eine schwarz pigmentierte Nase sowie bei den erwachsenen Skuddenböcken das imposante schneckenförmige Gehörn und die Mähne. Das meist weiße Mischwoll-Vlies – seltener auch braun oder schwarz – wird nach der Frühjahrsschur von den Mitgliedern der Wollgruppe im Museumsdorf weiterverarbeitet.

...und ein Düppeler Sauhaufen mit Kuschel-Eber
Mit ihren Düppeler Weideschweinen züchtet das Freilichtmuseum eine als ausgestorben geltende Nutztierrasse zurück: Vor Kurzem ist der kleine Gunnar aus dem bei Kiel gelegenen Haus- und Nutztierpark Arche Warder an die Spree gezogen. Im Museumsdorf soll er, sobald er zum erwachsenen Rotbunten Husumer Eber herangewachsen ist, gemeinsam mit den Sauen Ursula, Dakota & Co dafür sorgen, die Sattelvariante wieder herauszuzüchten, sozusagen als Neuzucht nach mittelalterlichem Vorbild. Derzeit mobben ihn die alteingesessenen Eber noch.
Aber mit dem kastrierten Eber (Bork) Gimli hat er einen großen Bruder an seiner Seite, der auf ihn aufpasst und ihm geduldig das große Eber-1x1 beibringt. Und wenn dann noch Tierpflegerin Cella zur Kuschelstunde kommt, fühlt sich Gunnar im Schweinehimmel. Auch die anderen Weideschweine, die wie die Schafe regelmäßig zur Landschaftspflege auf die Dorfweiden kommen, lieben es, sich die Borsten kraulen zu lassen, besonders jetzt im Frühling, wenn das lose Unterfell juckt. „Die Unterwolle ist hier im Dorf schon zu Garn verarbeitete worden, und die ausgefallenen Borsten eignen sich bestens für Pinsel“, erklärt Cella. Neben ihr sorgen noch Tierpflege-Kolleginnen Daniela und Amelie, Auszubildende im 3. Jahr, dafür, dass es den tierischen Dorfbewohnern gut geht und die Schweinesuhle stets schön matschig ist. Zu Fressen gibt es Pellets und Maisschrot, dazu aussortiertes Gemüse und Obst vom Supermarkt, denn die Vorlieben der einzelnen Schweine sind unterschiedlich. So bevorzugt Gunnar Kohl – beim Kuscheln manchmal etwas störend. Ochsen leben nach dem alters- und krankheitsbedingten Tod der beliebten Dorfochsen Max und Moritz derzeit nicht im Freilichtmuseum, die Anschaffung neuer ausgebildeter Zugochsen kleinerer Rasse ist jedoch in Überlegung.

Die ökologische Tierhaltung ist eingebettet in das biodiverse Landschaftskonzept. Denn der nachhaltige Umgang mit der Natur gehört mit zur Vermittlungsarbeit des Museumsdorf Düppel. Besucher können sich davon überzeugen. Dabei wünschen sich Museumsleiterin Dr. Julia Heeb und ihr Team manchmal etwas mehr Rücksichtnahme auf ihre vierbeinigen Dorfbewohner: Die Tiere erhalten ausreichend und artgerechtes Futter über ihre Pfleger. Füttern durch die Besucher ist verboten. Auch ist das Betreten der Gehege und das Klettern auf die Umzäunungen unbedingt zu vermeiden.
Baumaßnahmen zum Wohle von Mensch und Tier
Im Rahmen einer ersten Bauphase wurde bereits der Schweinestall im Museumsdorf in Form eines Ständerbaus erneuert, u. a. aus Spendengeldern konnte für rund 60.000 Euro der lange benötigte Neubau mit begrüntem Dach realisiert werden. So haben nun schon mal die Düppeler Weideschweine ein schönes neues Zuhause, das sämtlichen Hygiene-, Tierschutz- und Sicherheitsvorschriften entspricht und zusätzlich Besuchern die Möglichkeit gibt, mehr über artgerechte Tierhaltung zu lernen.
Indessen wartet auch die Skuddenherde auf mehr Platz und Komfort. Die Kosten für diese zweite Bauphase dürften hierfür im sechsstelligen Bereich liegen, sodass Spenden dafür dringend benötigt werden. Die Stallanlage wird dazu verlegt, damit sie nach Fertigstellung näher am Weg liegt. So können Besucher zukünftig die Futterstelle im Freien besser einsehen und die Schafe durch ein Fenster im Stall auch besser beobachten.

Viele geschickte Hände von den Schülerinnen und Schülern der Knobelsdorff-Schule OSZ Bautechnik kommen regelmäßig bei Baumaßnahmen im Museumsdorf Düppel zum Einsatz. So waren sie auch am Schweinestallbau beteiligt. Einmal jährlich – aktuell wieder in diesen Tagen – erhalten die OSZ-Schüler im 2. Ausbildungsjahr die Möglichkeit, sich im Museumsdorf Düppel im Rahmen eines Rundholzkurses fünf Wochen lang im historisches Zimmern mit der Axt zu üben. Angewiesen werden sie dabei von Ludwig Steiger, Archäotechniker im Museumsdorf Düppel.
Es gibt also wieder viel neues zu sehen und zu erleben in der neuen Saison des Museumsdorf Düppel, in der auch der neu errichtete Steinofen auf dem Dorfplatz zum Einsatz kommt. Kinder erwartet etwas ganz besonderes: Statt Stockbrot gibt es nun Flammenbrot im Museumsdorf. – Mindestens genauso lecker, aber deutlich umweltschonender, weil es keiner Holzstöcke und Äste bedarf.

Programm und weitere Informationen unter www.stadtmuseum.de/museum/museumsdorf-dueppel
Und: Jeder Spendenbeitrag hilft, das Schafstall-Bauprojekt zu finanzieren und die Lebensbedingungen der Schafe zu verbessern. Spenden können vor Ort im Museumsdorf Düppel oder per Überweisung auf das Spendenkonto geleistet werden.
Spendenkonto Stiftung Stadtmuseum Berlin, Berliner Volksbank eG, IBAN: DE94 1009 0000 8841 0320 13, BIC: BEVODEBBXXX, Verwendungszweck: Schafstall
Jacqueline Lorenz



