Nach langem Warten endlich eine Zukunftsperspektive für die Siedlung Westend?
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert

Erschienen in Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf Mai 2026
Monatlich erscheint in der Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf ein Thema, zu dem die in der BVV vertretenen Fraktionen Stellung nehmen. Das Thema wird „reihum“ von einer der Fraktionen bestimmt. In dieser Ausgabe hat die CDU-Fraktion das Thema vorgeschlagen.
CDU-Fraktion
Die ehemalige Alliiertensiedlung Westend (auch Britensiedlung genannt) ist eines der größten und am längsten andauernden Bauvorhaben im Bezirk und daher mit Blick auf den weiterhin hohen Bedarf an Wohnraum im Bezirk von entscheidender Bedeutung. Die nun angestrebte städtebauliche Qualifizierung zwischen dem Bezirksamt und der Vorhabenträgerin ist daher ein wichtiger Schritt, um einerseits das bestehende Bebauungsplanverfahren weiter voranzutreiben und andererseits mit Hilfe des „Bauturbos“ schnell in die Umsetzung zu kommen. Noch im Herbst 2026 soll dann die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert werden. Aus Sicht der CDU-Fraktion bietet die Qualifizierung erhebliche Verbesserungen für den Kiez. So sind neben zusätzlichen neuen Wohnungen, von denen ein Drittel aus Sozialwohnungen bestehen soll, einer Quartiersgarage, einem zusätzlichen Nahversorger und einem öffentlichen Spielplatz erstmals wichtige Verkehrs- und Infrastrukturbelange berücksichtigt. Mit dieser Zukunftsperspektive für die Siedlung zeigt das Bezirksamt, wie eine moderne Stadtplanung umgesetzt werden kann.
Alexander Pönack
B‘90/Grünen-Fraktion
13 Jahre Stillstand sollen endlich beendet werden – 13 Jahre, in denen die Deutsche Wohnen bis zu 100 Wohnungen leer stehen ließ, eine Zwischennutzung ablehnte und keinen Bußgeldbescheid vom Bezirksamt bekam. Es ist ein Skandal, wie hier zugesehen wurde, wie Wohnungen verkommen.
Das soll der Vergangenheit angehören. Die BUWOG, Teil der Deutschen Wohnen, will nun bauen. Aufgrund der veränderten Bedingungen sollen mehr Wohnungen gebaut werden, mit Kita und Lebensmittelgeschäft sowie einer Parkgarage.
30 Prozent der Wohnungen werden durch die Berliner Regelung preisgedämpft. Ein weiterer Teil wird den jetzt dort Wohnenden zu dem bisherigen Mietpreis vermietet. Lange Zeit haperte es in der Kommunikation mit den Mieter*innen. Die Deutsche Wohnen weigerte sich, eine Einwohnerversammlung durchzuführen, die wir vor zwei Jahren gefordert hatten. Im Herbst soll endlich eine Versammlung stattfinden, auf der die Bewohner*innen informiert werden.
Gut, dass es hier endlich weiter geht. Wir hoffen, dass die BUWOG ein verlässlicher Bauherr sein wird. Und wir bestehen darauf, dass die bisherigen Verträge eingehalten werden.
Ansgar Gusy
SPD-Fraktion
Zunächst das Positive: Nach 13 Jahren Planungsstillstand zur Zukunft der ehemaligen Britensiedlung geht es endlich weiter. Es entstehen 600 bis 650 neue Wohnungen, davon 30 Prozent Sozialwohnungen. Mit den ebenfalls preisgebundenen Verträgen für die Bestandsmieter ergeben sich bis zu 50 Prozent bezahlbarer Wohnraum. Es gibt jedoch noch einige Fragen zu klären: Welchen Zuschnitt und welche Lage werden die günstigen Wohnungen im Vergleich zu den teuren Wohnungen erhalten? Zu welchen Konditionen werden die Stellplätze in der Quartiersgarage vermietet? Wie viel Aufenthaltsqualität werden die Freiflächen aufweisen? Die SPD-Fraktion begrüßt grundsätzlich, dass Bezirk und Investor sich endlich bewegen und ein großer Anteil bezahlbarer Wohnungen entsteht. Jedoch muss nun im neuen städtebaulichen Vertrag sichergestellt werden, dass auf dem Areal keine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht und die neuen Wohnverhältnisse der preisgünstigen Wohnungen für die Bestandsmieter keine Verschlechterung zum aktuellen Zustand darstellen. Wir werden die Bestandsmieter weiterhin unterstützen.
Claudia Spielberg, Nico Kaufmann
Linksfraktion
Die Siedlung Westend ist als Alliierten-Siedlung 1954-1958 als zweigeschossiger Zeilenbau nahe dem Olympiastadion für Offiziere der britischen Besatzungsmacht gebaut worden. Seit deren Abzug sind die Wohnungen privat vermietet. Bereits seit 2013 ist der Neubau geplant. Ziel ist der Abriss teilweise maroder Bauten und verdichteter Neubau. Von 210 Wohnungen sind nur noch 97 vermietet. Besitzerin ist die BUWOG, die zu Deutsche Wohnen, jetzt zur börsennotierten VONOVIA gehört. BUWOG-Geschäftsführerin Weis plant 650 neue Wohnungen im Dickensweg. Mindestens 30 Prozent, wahrscheinlich sogar 40-50 Prozent, sollen als geförderter Wohnraum entstehen. Die Linksfraktion fordert den Schutz der Bestandsmieter:innen durch eine Begrenzung der Miethöhe und hofft, dass der CDU-Baustadtrat hier nicht nachgibt. Alle leerstehenden Wohnungen sollten so lange wie möglich vermietet werden. Wichtig ist uns eine durchgehende Transparenz aller Bauschritte für die Bewohner:innen und eine zeitnahe Einwohnerversammlung. Es gibt eine Zukunft für die Siedlung.
Rüdiger Deißler
AfD-Fraktion
Es geht los!? Nach 13 Jahren mit ja, nein, vielleicht, aber nicht so, also mit typischem Berliner Enthusiasmus und Gestaltungswillen gibt es für die ehemalige britische Alliiertensiedlung eine Perspektive. Vielleicht. Das Gebiet mit rund 210 Wohnungen aus den 1950er-Jahren, teilweise bereits zu einem traurigen Geisterviertel verkommen, soll durch den Bau von mehr als 600 Wohnungen ab 2027 ersetzt werden. Der Investor (Deutsche Wohnen/Vonovia) plant eine moderne, dreigeschossige Siedlungsstruktur, überwiegend im mittleren Preissegment. Wir brauchen Wohnraum, insbesondere welchen, den man bezahlen kann. Mehr Wohnungen, mehr Angebot. Eigentlich klar. Die Nachbarschaft ist gespalten. Die einen hoffen auf bezahlbare Mieten und moderne Ausstattung. Die anderen fürchten Gentrifizierung und den Verlust gewohnten Umfeldes. Und falls sich dort Fledermäuse oder seltene Frösche schon gemütlich eingerichtet haben, drehen die Grünen durch. Oder Linke und SPD machen nach dem 20.09. mit ihren Enteignungsphantasien ernst. Fakt ist: Stillstand hilft niemandem. Vielleicht klappt‘s ja diesmal wirklich? Es bleibt (leider) spannend.
Gregor Kadow

