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Wannsee

Conrad-Villa vor Abriss

Auf dem Grundstück soll sieben Reihenhäusern gebaut werden

Die Conrad-Villa, eines der letzten Musterhäuser der Kolonie Alsen, soll Reihenhäusern weichen.
Die Conrad-Villa, eines der letzten Musterhäuser der Kolonie Alsen, soll Reihenhäusern weichen.

06.03.2026: In der ehemaligen Kolonie Alsen kündigt sich eine Veränderung an, die bei Anwohnern und Bezirkspolitikern auf Unmut stößt. Auf dem Grundstück an der Straße zum Löwen 1 ist ein neues Bauvorhaben geplant. Hier steht seit 1871 eine Villa, die vom Bankier Wilhelm Conrad als eines der ersten Musterhäuser der Villenkolonie errichtet wurde. Das Gebäude im Schweizer Landhausstil soll abgerissen werden, um Platz für sieben Reihenhäuser zu schaffen.

Von den ursprünglichen 14 Musterhäusern, mit denen Conrad einst wohlhabende Berliner an den Wannsee lockte, gibt es heute noch sechs, vier davon stehen unter Denkmalschutz. Das betroffene Gebäude genießt diesen Status nicht.

Gegen die Pläne regt sich seit Jahren Widerstand. Die „Initiative für Baukultur“, bestehend aus Experten für Architektur und Heimatgeschichte, sowie zahlreiche Nachbarn setzen sich für den Erhalt ein. Im Jahr 2023 übergaben Anwohner 400 Unterschriften an das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Die Kritiker fürchten den Verlust eines der ältesten Zeugnisse der Kolonie, die eng mit der Geschichte des Ortsteils verbunden ist.

Auch die Bezirkspolitik hatte sich bereits vor fünf Jahren einstimmig gegen den Abriss ausgesprochen. Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (CDU) bestätigte laut "Berliner Morgenpost", dass sich auch die Untere Denkmalschutzbehörde für eine Unterschutzstellung eingesetzt habe. Doch das Landesdenkmalamt (LDA) lehnt dies ab. In einer Stellungnahme verweist die Landesbehörde auf massive bauliche Veränderungen in der Vergangenheit. So sei Ende der 1950er-Jahre der Turm mit dem Haupttreppenhaus entfernt und Grundrisse verändert worden. Der Zeugniswert sei dadurch erheblich gemindert, eine Denkmaleigenschaft liege nicht vor.

Kritiker halten dagegen, dass auch die anderen, geschützten Conrad-Villen über die Jahre baulich verändert wurden. Dennoch scheint das Schicksal des Hauses besiegelt. Der Bauantrag wurde Ende 2025 eingereicht. Zwar liegt noch keine Baugenehmigung vor – diese ist Voraussetzung für die Abrissgenehmigung –, doch das Bezirksamt räumt ein, dass dem Vorhaben rechtlich wohl nichts mehr entgegengesetzt werden kann.

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