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Die Geschichte Stolpes

Der dörfliche Teil von Wannsee entstand vor langer Zeit

Wilhelmplatz mit Kirche und Restaurant „Zum grünen Baum“.
Wilhelmplatz mit Kirche und Restaurant „Zum grünen Baum“.
Erschienen in Wannsee Journal April/Mai 2026

Rund um den Wilhelmplatz wird es in Wannsee dörflich. Mit den gedrungenen Häusern im alten Ortskern von Stolpe, der Kirche, dem Restaurant „Zum Grünen Baum“, dem alten Schulhaus und dem Markt, der jeweils freitags zwischen 14 und 18 Uhr stattfindet, fühlt man sich fast in alte Zeiten zurückversetzt.

Zuerst Slawendorf

Stolpe wurde 1299 erstmals als Slauicum Stolp erwähnt. Aus der Bezeichnung geht hervor, dass der Ort von Slawen besiedelt war. Der Ortsname Stolpe leitet sich vermutlich aus der slawischen Bezeichnung „stolp“ für Pfahl oder Pfosten her. Damit wurden sowohl Befestigungen rund um das Dorf mit Pfählen bezeichnet als auch Pfosten, an denen die Fischer ihre Boote befestigten. Aber es gibt auch die Bezeichnung „stlupu“, die eine Vorrichtung zum Fischfang ist. Aufgrund der Lage des Ortes wird der Fischfang sicher eine wichtige Nahrungsquelle für die Urbevölkerung gewesen sein. Das Dorf war zur Zeit der Erwähnung Eigentum des Bistums von Brandenburg. Der Ort soll bereits im Mittelalter eine Dorfkirche gehabt haben. Der Zeitpunkt der Erbauung ist nicht bekannt. Die Vorgängerin der heutigen Kirche wurde 1854 abgerissen.

Dorfkirche

Bienen in der Zeidelheide

Die nächste Erwähnung Stolpes war 1375 im Landbuch Karls IV.. Daraus geht hervor, dass der Ort sehr klein war. Zum Zeitpunkt der Erwähnung hatte er 16 Hufen, eine Hufe war die Fläche, die zur damaligen Zeit mit einem Pflug bestellt werden konnte und eine Familie ernährte. Um 1450 hatte Stolpe 25 Hufen und nutzte eine „Zeidelheide“. Damit wurde ein Bereich bezeichnet, in dem Bienen besonders viel Nahrung fanden. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs der Ort weiter. Er verfügte im Jahr 1576 über 40 Hufen, dazu zählten auch Äcker in den Gemeinden Wendisch-Stahnsdorf und Neuendorf. Häufige Familiennamen waren Zinnow und Hönow.

Schwere Zeiten

Im Dreißigjährigen Krieg litten auch die Bewohner von Stolpe. 1624 hatte der Ort wieder nur 16 Hufen. Nach Kriegsende war der Ort fast verlassen. Doch die verbliebenen Einwohner fingen an, die Gebäude wieder instand zu setzen und gemeinsam mit Zuzüglern aus anderen Orten hauchten sie Stolpe neues Leben ein. An der Größe des Ortes änderte sich lange nichts. Die Jahre kamen und gingen. Pest und Missernten machten auch den Menschen in Stolpe das Leben schwer.

Stolpe um 1860. Archiv HVZ
Stolpe um 1860. Archiv HVZ

Schreiben lernen kostete extra

Um 1750 bekam der Ort eine Schule. Der Schulbesuch war allerdings noch keine Pflicht. Die Kinder lernten lesen und den Katechismus. Schreiben lernen kostete extra. Der Lehrer wohnte auch in dem Schulhaus und unterrichtete die Kinder quasi in seinem Wohnzimmer. 1772 gab es bereits einen Krug im Dorf, der Gastwirt war Friedrich Sandow. Er verkaufte seine Gastwirtschaft im Jahr 1782 an Erdmann Stimming. Ein weiterer Krug wurde von einem Krüger Ebel aus Kohlhasenbrück bewirtschaftet. Der Grund für die florierenden Gastwirtschaften in dem recht kleinen Ort war der Weg, den die Fuhrleute zwischen Berlin und Potsdam nutzten. Der Königsweg war für schwere Gespanne schlecht zu befahren, so fuhren sie über Stolpe. 1792 wurde die Chaussee zwischen Berlin und Potsdam mit Havelübergang an der Glienicker Brücke gebaut. Das Geschäft mit den Fuhrleuten fiel für die beiden Wirte weg. Erdmanns Nachfolger Johann Friedrich Stimming erreichte die Verlegung von Stimmings Krug an die neue Chaussee mit finanzieller Unterstützung des Königs. Die Gastwirtschaft in Stolpe wurde 1796 abgerissen.

Ein neuer Name

1811 kam das „Stolper Loch“ – heute Kleiner Wannsee – in die Schlagzeilen, nachdem Heinrich von Kleist und Henriette Vogel dort gemeinsam den Freitod wählten. Das nächste große Ereignis für die Stolper war der Neubau des Schulhauses im Jahr 1847, da die alten Räume für die gewachsene Schülerzahl nicht mehr ausreichten. Wenige Jahre danach erfolgten der Abriss der baufälligen Kirche und der Neubau der Kirche am Stölpchensee nach Plänen von Friedrich August Stüler. Die Kirche konnte im November 1859 eingeweiht werden. Knapp 40 Jahre später wurde Stolpe mit Albrechts Teerofen, Kohlhasenbrück, der Colonie Alsen und weiteren Orten zum Ort „Wannsee“ zusammengefasst.

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