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Ein Kurfürst am Charlottenburger Schloss

75 Jahre Denkmal im Ehrenhof

Erschienen in Gazette Charlottenburg Februar 2026

Seit 1951 steht das von Andreas Schlüter im Jahr 1696 entworfene Denkmal Friedrich Wilhelms im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg. Von 1703 bis zum Zweiten Weltkrieg stand es auf der Langen Brücke (heute Rathausbrücke) über der Spree.

Geburt im Dreißigjährigen Krieg

Bis zum Zweiten Weltkrieg stand das Denkmal in Mitte.
Bis zum Zweiten Weltkrieg stand das Denkmal in Mitte.

Geboren wurde Friedrich Wilhelm (1620 – 1688) in Cölln an der Spree, dem heutigen Berlin. Zu jener Zeit tobte der Dreißigjährige Krieg, sodass er im Alter von sieben Jahren von seinen Eltern – Kurfürst Georg Wilhelm und Prinzessin Elisabeth Charlotte – getrennt und in der sicheren Festung Küstrin erzogen wurde. 1634 brachte man ihn in die Niederlande, um dem immer grausamer tobenden Krieg zu entgehen. Dort besuchte er die Universität und bekam Privatunterricht. Im Gegensatz zum verarmten Brandenburg waren die Niederlande eine Handelsmacht, deren Staatswesen Friedrich Wilhelm sich zum Vorbild nahm. 1638 wurde er gegen seinen Willen an den Hof in Berlin zurückgerufen. Er fand ein zerstörtes Land vor, das entvölkert und geplündert war. Ende 1640 starb sein Vater, daraufhin kam Friedrich Wilhelm an die Macht.

Schloss Charlottenburg
Seit 75 Jahren ist das Denkmal für den Großen Kurfürsten der Blickfang vor dem Schloss Charlottenburg.

Ein Heer für Brandenburg

Er schloss einen Waffenstillstand mit den Schweden. Bei den Verhandlungen für den Westfälischen Frieden im Jahr 1645 bekam Brandenburg Hinterpommern, die Stifte Halberstatt und Minden. Sein politisches Ziel, das strategisch wichtige Vorpommern auch zu erhalten, wurde ihm als eher unbedeutendem Herrscher versagt. In der Folge baute Friedrich Wilhelm eine schlagkräftige Armee auf – für die die Untertanen Steuern zahlen mussten und der Adel in seinen Rechten beschnitten wurde. Zum Zeitpunkt seines Todes dienten dort etwa 30.000 Mann. Die Teilnahme am Zweiten Nordischen Krieg, bei dem er sich erst mit Schweden und dann mit Polen verbündete, sicherte ihm die Souveränität des Herzogtums Preußen zu, das bis dato ein polnisches Fahnenlehen war. Nun war er Alleinherrscher über Brandenburg und Preußen – die Voraussetzung, dass sein Sohn Friedrich III. sich als Friedrich I. zum König von Preußen krönen lassen konnte. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg schlug das Heer unter der Führung des Kurfürsten die als unbesiegbar geltende schwedische Armee in der Schlacht von Fehrbellin. Dieser Sieg brachte ihm den Beinamen „Der Große Kurfürst“ ein.

Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst.
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst.

Hugenotten in Preußen

Vielleicht seine weitsichtigste Tat war das Edikt von Potsdam. Als der französische König Ludwig XIV. die Hugenotten wegen ihres Glaubens verfolgte, lud Friedrich Wilhelm sie ein, nach Brandenburg zu kommen. „Seine Kurfürstliche Durchlaucht [werden] ... dieselben mit allen Gnaden und Hülfe ... gewähren lassen.“ Etwa 20.000 Hugenotten folgten dem Ruf. Sie brachten Kapital, handwerkliches Können wie Seidenweberei oder Uhrmacherei und Bildung mit. Berlin blühte auf – zeitweise war jeder fünfte Berliner ein Franzose. Auch das durch Pest und Krieg entvölkerte Ostpreußen wurde für viele Hugenotten zur neuen Heimat. Bis heute prägt auch diese Zeit unsere Sprache, etwa durch das „Portemonnaie“ oder die „Bulette“.

Zwischenspiel in Afrika

Um eigene Kolonien in Übersee zu bekommen – auch das hatte er an den Niederlanden bewundert – ließ Friedrich Wilhelm die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie gründen. 1682 – 1683 wurde das Fort Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana erbaut, weitere Niederlassungen folgten. Die Brandenburger tauschten unter anderem Waffen und Rubinglas gegen Sklaven, Edelmetalle und Elfenbein. So wurden zwischen 10.000 und 30.000 Sklaven auf den amerikanischen Kontinent verkauft. 1720 endete das preußische Engagement in Afrika, der Enkel des Großen Kurfürsten verkaufte die mittlerweile defizitär gewordenen Kolonien. An dem Standbild am Schloss Charlottenburg wird auch die Kolonialzeit dargestellt – rund um den Sockel sind Menschen in Ketten zu sehen.

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