Wilmersdorfs letztes Landhaus
Die Prinzregentenstraße 72 im Wandel der Zeit

Erschienen in Gazette Charlottenburg Februar 2026
Zwischen den hohen Nebengebäuden wird sie fast übersehen und doch ist sie ein Juwel vergangener Zeiten: In der Prinzregentenstraße 72, inmitten des städtischen Trubels, steht eine charmante Stadtvilla, die heute als Zweigstelle der Musikschule City West junge Talente fördert. Doch das Gebäude ist mehr als nur ein Ort der musikalischen Bildung; es ist ein seltenes Zeugnis der frühen Entwicklung Wilmersdorfs.
Die Ära Carstenn
Erbaut wurde sie um das Jahr 1895: Die Villa ist das letzte erhaltene Gebäude aus der Zeit der ursprünglichen Landhausbebauung des berühmten Stadtentwicklers Johann Anton Wilhelm von Carstenn, der um 1870 die Vision einer vornehmen Villenkolonie für Wilmersdorf hatte.
Der Bauherr war Fuhrunternehmer Carl Kurz. Auf dem Hof der Villa entstanden Ställe für die Pferde, vorne das Wohnhaus für den Unternehmer. In den 1930er-Jahren befand sich eine Autopension auf dem Gelände. Kurz selbst hatte festgelegt, dass sein Haus für soziale Zwecke genutzt werden sollte. So waren zeitweilig obdachlose Menschen in den Räumen untergebracht.
Seit September 1996 beherbergt das Haus einen Teil der größten Musikschule Berlins mit zahlreichen Unterrichtsräumen und einem kleinen Konzertsaal.
Dunkle Zeiten
Die Straße selbst erhielt ihren heutigen Namen am 16. März 1888. Sie wurde nach dem preußischen Prinzregenten und späteren Kaiser Wilhelm I. benannt. In der Geschichte der Prinzregentenstraße, die bereits die Namen Elberfelder Straße, Oberfeldstraße und Promenade I trug, sind auch die dunklen Kapitel der Berliner Vergangenheit vorhanden. Nur wenige Meter weiter, in der Nummer 69/70, befand sich einst die prächtige Wilmersdorfer Synagoge, die 1930 geweiht und in der Pogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.

Musische Nutzung
Während über die frühen Bewohner und die Nutzungsgeschichte der Villa in der Prinzregentenstraße 72 bis zur Nutzung durch die Musikschule wenig dokumentiert ist, hat sich das Haus heute fest als kultureller Ankerpunkt im Bezirk etabliert. Die Verwandlung von einem der letzten Überbleibsel der Carstenn’schen Ära zu einer lebendigen Bildungsstätte zeigt, wie alte Gebäude erhalten und sinnvoll genutzt werden können. Auch auf dem Grundstück neben und hinter dem Gebäude ist Beständigkeit Trumpf – hier ist seit über 60 Jahren die Autowerkstatt Stolarsky zu Hause.
Die Welt schöner Klänge
Die Musikschule City-West bietet ein breites Spektrum an musikalischen Ausbildungsmöglichkeiten, das von frühkindlicher Förderung bis hin zur studienvorbereitenden Ausbildung reicht. Bei den Baby-Eltern-Kursen werden die Allerjüngsten an die Musik herangeführt. Es geht mit der musikalischen Früherziehung weiter. Kindertanz, Musiktheater und Kurse für Schülerinnen und Schüler stehen ebenfalls auf dem Programm. Zahlreiche Orchester – darunter das Jugendorchester Charlottenburg – erfreuen die Musikfans im Bezirk mit ihren Konzerten. Natürlich gibt es auch ein vielseitiges Angebot für Erwachsene.
Weitere Standorte der Musikschule sind das Rathaus Schmargendorf: Berkaer Platz 1, 14199 Berlin; das Hauptgebäude im ehemaligen Bezirk Charlottenburg an der Platanenallee 16, 14050 Berlin sowie zahlreiche allgemeinbildende Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen. Weitere Informationen und das gesamte Programm unter www.berlin.de/musikschule-charlottenburg-wilmersdorf










