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Vom Kaiserpavillon zu Loretta am Wannsee

Restaurants für den Villenvorort

Wo früher der Kaiserpavillon „Zum Schultheiß“ und die Wannseeschänke waren, befindet sich heute das Restaurant Loretta und der angeschlossene Biergarten (Fotomontage).
Wo früher der Kaiserpavillon „Zum Schultheiß“ und die Wannseeschänke waren, befindet sich heute das Restaurant Loretta und der angeschlossene Biergarten (Fotomontage).
Erschienen in Wannsee Journal Februar/März 2019
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Was Wilhelm Conrad anpackte, machte er gründlich. Nach dem erfolgreichen Start der Villenkolonie Alsen plante er die Verbesserung der Infrastruktur. Und das hieß für ihn, für die betuchten Bewohner mussten erstklassige Restaurants an den Wannsee. Solche, die schon optisch hervorragten. Auf der Weltausstellung in Wien 1872 wurde er fündig. Dort standen sowohl der Pavillon der Nationen als auch der Schwedenpavillon. Im Pavillon der Nationen hatten der deutsche Kaiser Wilhelm I. und der russische Zar Alexander II. gemeinsam gefrühstückt.

Er wurde dort aufgebaut, wo heute der Biergarten von Loretta am Wannsee ist. In Wannsee hieß er Kaiserpavillon. Damals wie heute konnten die Gäste von den Terrassen aus den Blick über den Wannsee genießen. 1910 wurde der alte, hölzerne Kaiserpavillon durch einen erheblich größeren, imposanten Neubau aus Stein ersetzt. Das beliebte Ausflugsziel, das von der Firma Schultheiß geführt wurde, zog an manchen Tagen um die 20.000 Gäste an! Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kaiserpavillon schwer beschädigt. Nach Beendigung der Aufräumarbeiten diente er in den Nachkriegsjahren noch als Markthalle. 1961 wurde das Gebäude endgültig abgerissen. Auf dem Areal, auf dem an warmen Tagen reger Biergartenbetrieb herrscht, erinnert nichts mehr an das frühere Nobelrestaurant.

Der Schwedenpavillon

Im Gegensatz zum Kaiserpavillon gibt es den Schwedenpavillon bis heute. Allerdings auch nicht mehr in der ursprünglichen Form. Auf der Weltausstellung beherbergte er die Ausstellungsstücke des Landes Schweden, daher auch der Name Schwedenpavillon. Den Holzpavillon ließ Wilhelm Conrad ebenfalls demontieren und am Großen Wannsee 28 – 30 aufstellen. Er diente wie der Kaiserpavillon als edles Ausflugslokal. Im Jahr 1910 ließ man den hölzernen Pavillon durch ein größeres Gebäude aus Stein errichten. Der Schwedenpavillon war nun nicht nur Lokal, sondern auch Hotel. Das Haus sah illustre Gäste – so feierte der Maler Max Liebermann hier seinen 80. Geburtstag. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schwedenpavillon weiter als Ausflugslokal genutzt. Allerdings waren die erfolgreichsten Zeiten vorbei. 1956 wurde er an den Arbeiter-Samariter-Bund verkauft, der ihn zu einem Heim für chronisch Kranke umbauen ließ. Diese Funktion hatte er bis zum Anfang der 2000er-Jahre. Heute befinden sich in dem Haus, das zu den Baudenkmälern in Steglitz-Zehlendorf gehört, Wohnungen und Apartments.

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