Gazette Verbrauchermagazin

Veränderungen im Kranold-Kiez

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf diskutiert

Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf August 2022
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MesserschmiedemeisterStahl-Hart

In den letzten Jahrzehenten gab es immer wieder einmal Überlegungen für die Umgestaltung des Kranoldplatzes und seiner Umgebung in Lichterfelde Ost. Hinzu kamen in letzter Zeit neue Pläne eines privaten Investors für dieses Areal. Seit 2020 nun stellen ein Standortmanagement der bezirklichen Wirtschaftsförderung und eine Bürgerinitiative ebenfalls neue Überlegungen für mögliche Veränderungen des Kranoldkiezes an. Nachstehend nehmen die Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf zu diesem Themenkomplex Stellung.

CDU-Fraktion

Viele der aktuellen Ideen rund um den Kranoldplatz sind interessant, aber gar nicht so neu. Den Platz auf ein Parkplatz-Problem zu reduzieren und – wie die grüne Bürgermeisterin es im RBB gesagt hat, „hier überall Bäume draufzustellen“, führt nicht weiter. Durch den intensiven Straßenverkehr samt Rettungswagen mit Presslufthorn wird auch trotz Parkbänken keine Aufenthaltsqualität erreicht werden. Klar ist, der Kranoldkiez hat seine Identität durch den Kranoldmarkt auf dem Kranoldplatz. Hier kaufen die Menschen regionale frische Produkte und sie treffen sich mit Freunden und Bekannten, tauschen sich aus. Die CDU setzt sich uneingeschränkt für den Erhalt und sogar den Ausbau des Marktes ein. Wir akzeptieren kein leichtfertiges Aufteilen des Platzes zugunsten von undefinierter Aufenthaltsqualität. Wir wollen eine sachlich durchdachte Lösung für Markt, anliegendes Gewerbe und Aussehen des Platzes sowie den Verkehr im ganzen Einflussgebiet unter Beteiligung insbesondere aller Marktnutzer. Hier gibt es keine Alles-oder-Nichts-Lösungen.

Bernhard Lücke

SPD-Fraktion

Mit der Sanierung der Einbahnstraße Brauerstraße in Lichterfelde Ost ist der Stein für die Entwicklung eines Radroutenkonzeptes im Verkehrsraum Kranoldplatz ins Rollen gebracht. Anders als der bisherige Abbruch der Radwegemarkierungen auf Höhe der Lankwitzer Straße, sollen sich die Markierungen auf der Brauerstraße in Richtung Grundschule – nach Einwohner*innen-Antrag auch in entgegengesetzter Richtung – fortsetzen. Sie forcieren eine Lücke in Höhe der Verkehrsenge am Kranoldplatz, die zu gefährlichen Manövern durch Radfahrende einlädt. Auch der Verkehrsknoten selbst gilt als gefährlich. In der Debatte um Sicherheit für schwache Verkehrsteilnehmer*innen wird die Raumgewinnung der Fläche des Kranoldplatzes mitdiskutiert. Das befeuert auch Debatten zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Zuge von geplanten Veränderungen am Platz. Für Lärmreduzierung und Verkehrssicherheit schlägt die SPD eine Tempo-30-Zone im Verkehrsraum vor, will aber den transparenten Dialog mit Betroffenen und Interessierten nicht vorwegnehmen. Die Fraktion hat daher einen Antrag für einen Runden Tisch Lichterfelde Ost in der BVV initiiert.

Carolyn Macmillan

FDP-Fraktion

Die Veranstaltung am 22. Juni hat gezeigt, wie vielfältig die Interessen zum Kranold-Kiez sind. Einerseits gilt es den Wochenmarkt und damit die Existenzgrundlage der Markthändler, aber auch die des Einzelhandels, auf Dauer zu sichern. Andererseits muss nicht nur ein belebter Verkehrsknoten von ÖPNV, Fahrrad und Auto Berücksichtigung finden, denn es gilt auch die Lebensqualität im Kiez nachhaltig zu verbessern. Einige Anwohner wünschen sich eine Entsiegelung des gesamten Platzes. Bei Wegfall der Parkplätze fehlen in der Mobilität eingeschränkten Menschen dann jedoch die Parkmöglichkeiten z. B. für Arztbesuche. Auch die Einzelhändler fürchten ohne Parkplätze für ihre Kunden um die Existenz. Diese inhabergeführten Läden folgen einer langen Tradition und sie machen den Kranold-Kiez erst l(i)ebenswert. Auch der Markt kann nur überleben, wenn er weiterhin den sehr spezialisierten Verkaufsfahrzeugen den nötigen Raum bietet. Die Freien Demokraten (FDP) möchten die Vielfalt, die der Kiez heute ausstrahlt, gerne bewahren. Ziel ist es daher zu vermitteln und so für alle in „Lichterfelde-Ost“ ein Mehr an Lebensqualität zu erreichen.

Mathia Specht-Habbel

AfD-Fraktion

Wegen seiner zentralen Lage in Lichterfelde Ost hat der Kranoldplatz viel Potential als Treffpunkt, Einkaufs- und Erholungsort für die Kiezbewohner, und viele andere Berliner, die über den nahen S-Bahnhof am Platz vorbeikommen. Mittwochs und samstags findet auf dem Platz ein beliebter Wochenmarkt statt. An den anderen Tagen wird der Kranoldplatz fast ausschließlich als Parkplatz genutzt, was schade ist, weil damit sein großes Potential für die Bürger im Kiez nicht ausgeschöpft wird. Der Platz braucht mehr Bänke und mehr Grün. Vielleicht lassen sich auch Gastronomen aus dem Kiez dafür begeistern, Speisen und Getränke auf dem Platz anzubieten. Wichtig: der Wochenmarkt darf dadurch nicht gefährdet werden. Rund um den Platz sollte auf eine gute Mischung aus Wohnungen, Geschäften und Büros geachtet werden. Die Grünanlagen und Bänke müssen gepflegt werden. Polizeistreifen können die Sicherheit auf dem Platz garantieren. Der Kranoldplatz hat eine lange Geschichte und eine große Zukunft, wenn er richtig entwickelt wird – im Sinne der Bürger, der Händler und der Gastronomen, die Leben auf den Platz bringen.

Peer Döhnert

Linksfraktion

Der Kiez um den Kranoldplatz verändert sich deutlich. Leerstand von Gewerbe- und Restaurantflächen, Verlust des Ferdinandmarktes als Treffpunkt, Luxussanierung von Wohnhäusern, Abriss von Miethäusern zugunsten weiterer Luxuswohnungen: Die „Investoritis“ greift um sich! Um dies zu stoppen, hatten wir für den Kranoldkiez Milieuschutz gefordert. Leider wurde die Bewertung auf Grundlage von älteren Datensätzen erstellt und der Kranoldkiez als nicht verdächtig zertifiziert. Selbst wenn der Kiez ein sog. Beobachtungsgebiet wäre, stünde zu befürchten, dass jegliche Maßnahmen zu spät kämen, um der Verdrängung Einhalt zu gebieten. Andere Veränderungen dagegen lassen viel zu lange auf sich warten: sichere Rad- und Fußwege, Entschleunigung/Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs, Begrünung und Freiraum auf dem Kranoldplatz statt Parkplatz, Erhöhung der Aufenthaltsqualität rund herum. Die Veranstaltung „Kranoldplatziertsichneu“ hat beeindruckend gezeigt, wie viele Menschen und Initiativen diese Veränderungen fordern und sich mit ihren Ideen einzubringen bereit sind! Das Bezirksamt hat es nun in der Hand, rasch aktiv zu werden.

Pia Imhof-Speckmann

Titelbild

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