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Postamt 1, Steglitz

Dienstgebäude an der Bergstraße wurde 1909 eröffnet

Erschienen in Gazette Steglitz Juli 2022
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Immerhin 200.000 Mark war der Reichspost das Grundstück wert, auf dem ab April 1907 das neue Postamt gebaut wurde. Mit den Entwürfen wurde der Architekt Wilhelm Walter beauftragt, der im Jahr 1901 zum Kaiserlichen Baurat im Reichs-Postamt ernannt worden war. Ihm sagte man eine Vorliebe für mittelalterliche Bauten nach. Dieser Ruf hatte ihm im Laufe der Jahre viele Aufträge eingebracht, so renovierte er Kirchen und auch Herrensitze in Schlesien und der Mark Brandenburg. Auch am Steglitzer Postamt mit seiner aufwändig verzierten Fassade ist seine Handschrift deutlich zu erkennen. Das Postamt mit seinem 32 Meter hohen Turm wurde am 1. April 1909 eröffnet. Knapp 20 Jahre später ließ der Bezirk Steglitz es um einen Anbau erweitern. Der Architekt war Postbaurat Robert Gaedicke.

Der Fortschritt hielt im Postamt Einzug, als im Jahr 1936 ein Fernsehraum eingerichtet wurde. 50 Zuschauer konnten von hier aus den Sport verfolgen. Allerdings handelte es sich nicht um eine Freizeiteinrichtung. Auf den Eintrittskarten wurde unmissverständlich darauf hingewiesen, dass die Neuerung Aufschluss über den heutigen Stand der deutschen Technik geben sollte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das Steglitzer Postamt in weiten Teilen zerstört. Schon ab Mai 1945 gab es einen Notbetrieb, nach und nach wurden die Kriegsschäden beseitigt. Die vollständige Wiedereröffnung konnte 1952 stattfinden. Das Postamt bestand noch fast 50 Jahre, bis es 2001 aus Kostengründen geschlossen wurde. Heute ist hier unter anderem ein Reha-Zentrum untergebracht.

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