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Olaf, der Fischer aus Leidenschaft

Vom Spreewald auf den Goerzwerk-Hofmarkt

Fischer Olaf Zahl in seinem Element. Foto: O.Zahl
Fischer Olaf Zahl in seinem Element. Foto: O.Zahl
Erschienen in Gazette Steglitz Mai 2022
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Die Fische in der Hofmarkt-Auslage von Fischer Olaf können das Wasser förmlich riechen. – Denn gleich hinter dem Goerzwerk-Areal erstreckt sich als nördliche Abzweigung vom Teltowkanal der Zehlendorfer Stichkanal. Doch die Fische von Olaf Zahl haben ihre Zeit in reinem Seewasser hinter sich, schwimmen nun stattdessen in zerlassener Butter. Oder sie warten appetitlich geräuchert zwischen zwei Brötchenhälften auf einen hungrigen Käufer. Ihre Heimat war der große oder der kleine Kossenblatter See, nachhaltig und ökologisch von Fischfachwirt Olaf gepachtete und bewirtschaftete Naturgewässer im Unterspreewald. Dort sind ihm, der von seinen Kunden auch als „Lieblingsfischer“ bezeichnet wird, u. a. Aal, Hecht, Karpfen, Schlei, Barsch, Wels und Zander in „stiller“ Fischerei im Eigenfang ins Netz gegangen, wurden dann in überlieferter Handarbeit gesäubert, zerlegt und im traditionellen Räucherofen geräuchert.

Nun präsentieren sie sich ansprechend im hochmodernen Verkaufsanhänger. Hochseefisch, Hummer und Salmoniden, die es nicht in der Region gibt, hat der Fischer zugekauft und frisch oder geräuchert ebenfalls im Angebot. Sie alle – nicht zu vergessen die köstlich-krossen Fischbouletten – versprechen reuelosen Genuss pur, den sich viele der Kunden an jedem letzten Freitag im Monat auf dem so beliebten luftigen Hofmarkt des Goerzwerk gönnen.

Der Fischer un sin Fru

Kommt man mit dem Fischer und Chef des Familienunternehmens ins Gespräch, merkt man sofort: Der Mann l(i)ebt Fisch und alles, was dazugehört. Was er zu erzählen hat, könnte ein Buch füllen. Lebendig gestikulierend füllt Olaf jeden Satz mit ansteckender Begeisterung und versprüht wohltuenden Optimismus. „Jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied“ hat ihm sein Lehrherr einst mit auf den Weg gegeben. Olaf hat sich die Worte zu Herzen genommen und ist dabei doch immer ein „Hansdampf in allen Gassen“ geblieben, der nach seiner Arbeit beim Sporttauchen oder mit einem Fallschirmsprung Entspannung vom harten Job findet.

„Schon als kleiner Junge, als ich Vater beim Fischen an unserem Wassergrundstück half, faszinierten mich das Wasser, Element unseres Lebens, und die Fische als diesem natürlichen Lebensraum gegebene Geschöpfe“, erinnert er sich. Dabei begeistert ihn bis heute der Artenreichtum der heimischen brandenburgischen Seen und Flüsse. 1985 machte er die Ausbildung zum Facharbeiter für Binnenfischerei, arbeitete bis 1991 als Binnenfischer in Brandenburg und als Küstenfischer in Greifswald-Wieck. Mit der Wende brachen für die Fischerei wenig rosige Zeiten an, weshalb Olaf Zahl in andere Berufe und Bundesländer wechseln musste („Was man macht, muss man immer mit ganzem Herzen tun“). Dennoch schlug sein Herz besonders laut für die Fischerei. 2010 dann die Chance, wieder in der heimischen Binnenfischerei arbeiten zu können. Der Fischer aus Leidenschaft ergriff diese Chance. Vier Jahre später wurden ihm einstimmig durch die Gemeindevertretung der Gemeinde Tauche die Pachtrechte für den großen und kleinen Kossenblatter See übergeben. Die Gründe, sich in die Selbstständigkeit zu begeben, beschreibt Olaf so: „Durch viel Inspiration und Interesse an meiner Tätigkeit als Fischwirt und dem Thema Fisch und von lokalen und regionalen Kunden angeregt, entstand der Weg in die Selbständigkeit als Fischer.“ Bereut hat er das bis heute nicht. Denn an seiner Seite des Familienbetriebes startete in die neue Selbstständigkeit im Jahr 2014 mit ihm seine Alexandra durch, die er 2011 kennengelernt hatte, und die er heute liebevoll als „Fischers Herz“ bezeichnet. Das Jahr 2014 hatte es für die Beiden dann in sich: Hauskauf, Schritt in die Selbstständigkeit und Teilnahme am VOX-Fernseh-Format “Vier Hochzeiten und eine Traumreise“, das dem frisch in den Ehehafen eingelaufenen Paar den Gewinn und damit eine Traumreise auf die Seychellen bescherte. Heute betreut Buchhalterin Alexandra mit sicherer Hand und viel Geschick das Geschäftliche und die Finanzen. Sie hat sich mit immer neuen Anregungen und guten Ideen ebenso wie ihr Mann ganz dem Familiengeschäft aus Tradition und Leidenschaft verschrieben, steht souverän hinter Online-Shop, Fischversand und Büro.

Traditionsfischerei mit Herz und Verstand

Olaf Zahl steht jeden letzten Freitag im Monat auf dem Markt des Goerzwerks und präsentiert seine fangfrische Ware im Verkaufswagen, der Olafs ganzer Stolz ist: Stolz auch die Summe in sechsstelliger Höhe, die er für den 3-Tonnen-Leergewicht-Hänger hingeblättert hat. Dafür hält nun neueste Technik die empfindliche Ware frisch und können vier Personen im Wagen gleichzeitig bequem bedienen. Derartige Investitionen sind goldrichtig, weiß er: „Ins Geschäft zu investieren, ist gut angelegtes Geld.“ Auch wenn Corona manch unvorhergesehene Umsatzlücke brachte, blickt er optimistisch in die Zukunft.

Derzeit wird Fischer Olaf für drei Wochen vom 14-jährigen Schulpraktikanten Lenny begleitet; ein eher seltenes Geschehen, denn Interessenten für den harten Beruf des Fischers sind rar. Lenny gefällt´s bei dem Fischer, er macht sich nach nur wenigen Tagen bereits sehr gut und hantiert an diesem Freitag schon erstaunlich routiniert zwischen Räucherfisch und Fischbrötchen. Dass „Kibbeling“ Kabeljau in Stücken gegart nach niederländischem Rezept ist, weiß er längst. Doch am besten gefällt es ihm, mit Olaf auf dem Wasser zu sein. – Mehrere Stunden benötigt oft das Fanggeschäft auf dem Wasser. Die Netze werden in der „stillen“ Fischerei ruhig auf dem Boden der Seen ausgelegt, so dass im See und unter den Fischen keinerlei Unruhe entsteht, die Natur nahezu unberührt bleibt. Darauf folgen die Nachbereitung und das Räuchern der frischen Ware, traditionell im Räucherofen „wie bei Opa“. Mit Erlenholz und bei höheren Temperaturen als bei den heute eingesetzten Industrieöfen. Dadurch ist sein im Heißrauchvorgang geräucherter Fisch bekömmlicher, wie der Fischer verrät. Nachhaltigkeit und Naturschutz stehen auch beim Besatz seiner Seen für ihn an vorderster Stelle. Kleine Fische und junge Aale werden im See belassen. Nur so erreicht er ein stimmiges Fischgleichgewicht und bewahrt die gesunde Natur der Gewässer.

Ob er den Knochenjob schon manchmal bereut habe, gerade wenn es kalt ist? Olaf lacht und betont: „Ich bin rundum zufrieden, mit dem, was ich mache und habe. Solange es irgendwie geht, werde ich rausfahren und fischen.“ Und Kälte gibt es für ihn nicht. Schon sein alter Lehrherr hat ihm erklärt: „Wenn dir kalt ist, bewegst du dich zu langsam.“ Daran hält sich Olaf, der Fischer aus Leidenschaft, konsequent und hat auch Lenny schon davon überzeugt.

Weitere Informationen unter www.olafderfischer.de

Jacqueline Lorenz

Titelbild

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