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„Kein Mensch kennt mich“

Georg Kolbe Museum zeigt Ausstellung über Benjamine Kolbe

Georg Kolbe, Porträt Benjamine Kolbe, Tuschzeichnung um 1903. Foto: Markus Hilbich, Bildarchiv Georg Kolbe Museum
Georg Kolbe, Porträt Benjamine Kolbe, Tuschzeichnung um 1903. Foto: Markus Hilbich, Bildarchiv Georg Kolbe Museum
Erschienen in Gazette Charlottenburg April 2022
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Benjamine Kolbe (1881–1927) blieb wie viele Künstlerfrauen ihrer Zeit im Schatten ihres Mannes. Durch den spektakulären Nachlassfund, der 2020 ins Georg Kolbe Museum kam, können nun erstmals mehrere Hundert Briefe und Fotografien Licht ins Dunkel bringen und die Frage beantworten: Wer war die Frau, die Kolbe verehrte und in unzähligen Werken verewigte?

„[…] kein Mensch kennt mich, nur du weißt wie ich bin, nur dir habe ich mich gegeben so wie ich bin, das brauchen andere Menschen auch nicht zu wissen“, gesteht Benjamine van der Meer de Walcheren (1881–1927) dem jungen Georg Kolbe (1877–1947) zu Beginn ihres Kennenlernens. Das intime Bekenntnis ist Zeugnis einer Verbundenheit, die über ihren frühen Tod hinaus fortdauern wird. Die junge holländische Opernschülerin und der am Beginn seiner Karriere stehende Bildhauer lernen sich 1901 in Bayreuth im Kreise der Familie Wagner kennen, sie heiraten 1902. Die Arbeit ihres Mannes bringt Benjamine Kolbe zunächst nach Leipzig und dann zu dritt, mit ihrer Tochter Leonore, nach Berlin. Vielfach finden ihre Gesichtszüge Eingang ins Werk Georg Kolbes und bezeugen ihre stete Präsenz in dessen Leben und über ihren Tod hinaus.

Iris Häussler: „If“ – unvorhergesehene Begegnung

Gleichzeitig entwirft die deutsch-kanadische Künstlerin Iris Häussler in einer Rauminstallation im großen Atelier einen feministischen Kommentar zur männlichen dominierten Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sie erweckt zwei Künstlerinnen zum Leben, die es nie gab aber hätte geben können. Bei Häussler wird Realität, was die Geschichtsschreibung übersehen hat. Iris Häussler inszeniert eine Begegnung des Ehepaars Kolbe mit zweien ihrer fiktiven Charaktere: Die Geschichte der französischen Malerin Sophie La Rosière (1867–1948) und dem Aktmodell Florence Hasard (1882–?), die ihre Geliebte und selbst Künstlerin ist, wird in der Ausstellung greifbar. Die Installation „If“ (2021) geht auf Häusslers profunde Recherchearbeit zum Kunstschaffen von Frauen im frühen 20. Jahrhundert zurück. Die Arbeit von Iris Häussler stellt unter anderem die Frage nach weiblicher Selbstbestimmung und -behauptung im zeitlichen Kontext der frühen Moderne.

Die Ausstellung wird bis zum 29. Mai 2022 gezeigt. Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin. www.georg-kolbe-museum.de

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