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Vom Botanischen Garten zum Park

Heinrich-von-Kleist-Park hat eine lange Geschichte

Kleistpark mit Kammergericht, das zwischen 1909 und 1913 erbaut wurde.
Kleistpark mit Kammergericht, das zwischen 1909 und 1913 erbaut wurde.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Januar 2022
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Vom Hopfengarten über einen Botanischen Garten bis hin zum Erholungsort für Ruhesuchende: Der Heinrich-von-Kleist-Park kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Nachdem der Apothekengarten am Berliner Schloss im Jahr 1679 einem Erweiterungsbau der dortigen Festung weichen musste, fiel die Standortwahl für den neuen Garten auf den Hopfengarten bei Schöneberg. Friedrich Wilhelm, damals Großer Kurfürst von Brandenburg, beauftragte seinen „Hofbotanicus“ Johann Sigismund Elsholtz mit der Gestaltung des Geländes, das neben dem Hof- und Küchengarten noch einen landwirtschaftlichen Mustergarten beherbergte.

König Friedrich I. ließ Pflanzen aus dem Berliner Lustgarten in den Schöneberger Hof- und Küchengarten bringen. So kam bereits 1718 die Bezeichnung „Botanischer Garten“ auf, wobei erst 1801 ein Botanischer Garten im heutigen Sinne angelegt wurde. Dieser umfasste eine Fläche von 7,5 Hektar und etablierte sich schnell als beliebtes Ausflugsziel.

Botanischer Garten mit exotischen Pflanzen

Aus den Kolonien kamen mehr und mehr exotische Pflanzen nach Berlin. 1858 wurde sogar ein Palmenhaus errichtet, außerdem gab es in einem extra erbauten Haus Riesenseerosen zu sehen. Nachdem die Bebauung in Schöneberg zusehends dichter wurde und der Platz für die Pflanzen ohnehin zu knapp war, zog der Botanische Garten Anfang des 20. Jahrhunderts nach Lichterfelde um, wo er mit seinen 43 Hektar Fläche bis heute zu sehen ist.

In Schöneberg hingegen stand für sehr kurze Zeit der Sport auf dem Programm – auf einem Teil der Fläche wurde eine Radrennbahn gebaut. Gleich am Tag der Einweihung schleuderte das Motorrad eines Schrittmachers in die Zuschauermenge. Die Maschine explodierte. Neun Menschen starben und 40 weitere wurden schwer verletzt. Nach dem Unglück riss man die Radrennbahn wieder ab und das Gelände des ehemaligen Botanischen Gartens wurde zur Bebauung ausgewiesen. Dagegen startete eine Initiative in Berliner Zeitungen. Sie fand so viel Anklang, dass 1911 der Heinrich-von-Kleist-Park auf der Hälfte der Fläche des vorherigen Botanischen Gartens eröffnet wurde. Nach mehreren Veränderungen wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen des Landschaftsarchitekten Georg Bela Pniower – der unter den Nazis Berufsverbot hatte – umgestaltet. Er legte ihn als Park für den Alliierten Kontrollrat an, der seinen Sitz im heutigen Kammergerichtsgebäude hatte.

Sanierung geplant

Der Heinrich-von-Kleist-Park soll in den kommenden Jahren saniert werden. Als gärtnerische Anlage der frühen Nachkriegszeit ist der Park seit 1995 als Gartendenkmal geschützt und in die Denkmalliste Berlins eingetragen. Die Parkgestaltung von Georg Pniower von damals ist heute stark überformt. Ziel der Parksanierung ist es, die Gestaltung Pniowers wieder erlebbar zu machen und dabei aktuellen Anforderungen an die Grünanlage gerecht zu werden.

Ein Fokus bei der Sanierung liegt daher auf dem Denkmalschutz und dem Erhalt der historischen Parkbereiche. Dazu zählen neben dem zentralen Rasenoval und dem prägenden Baumbestand auch das Entrée an den Königskolonnaden und die verschiedenen Vegetationsflächen.

Zum anderen sollen im Rahmen der Sanierung auch zeitgemäße Parknutzungen und funktionale Aspekte, wie Nachhaltigkeit, naturschutzfachlichen Belange und Barrierefreiheit berücksichtigt werden.

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