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Hans Söhnker – Leinwandheld und Lebensretter

Ausstellung im Heimatmuseum erinnert an den vor 40 Jahren verstorbenen Schauspieler

Erschienen in Gazette Zehlendorf Oktober 2021
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Filmplakat „Geliebte Corinna“ aus dem Jahr 1956. Hans Söhnker mit seiner Filmpartnerin Elisabeth Müller. Illustrierte Filmbühne/Sammlung E. und G. Engel
Filmplakat „Geliebte Corinna“ aus dem Jahr 1956. Hans Söhnker mit seiner Filmpartnerin Elisabeth Müller. Illustrierte Filmbühne/Sammlung E. und G. Engel

Er war wohl einer der wenigen Männer im deutschen Film der 1940er-Jahre, die Hans Albers glaubhaft eine Frau ausspannen konnten. Und so spielte Hans Söhnker (1903 – 1981) eine der Hauptrollen in „Große Freiheit Nr. 7“. Der 1944 fertiggestellte Film wurde jedoch wegen seiner düsteren Stimmung als wehrkraftzersetzend angesehen und durfte unter dem nationalsozialistischen Regime nicht gezeigt werden. In Kriegszeiten kamen eher Filme mit Durchhalteparolen oder Komödien in die Kinos. Erst nach Kriegsende 1945 gaben die Alliierten den Film, der auf der Hamburger Reeperbahn spielt, fürs Kino frei. Während der Dreharbeiten lernte der junge Nazi-Eliteschüler Hardy Krüger den damaligen Star Hans Söhnker kennen. Dessen Ablehnung des Regimes beeindruckte Krüger so, dass er begann, Söhnker zu unterstützen. Zwischen 1943 – 1945 versteckte Hans Söhnker verfolgte Juden in seinem Wochenendhaus, andere unterstützte er mit Lebensmitteln und verhalf ihnen zur Flucht aus Deutschland. Der Staat Israel zeichnete ihn posthum im Jahr 2018 als „Gerechten unter den Völkern“ aus.

Vor der Kamera und auf der Bühne zu Hause

Seine Heimat waren der Film und die Bühne – im Schlosspark Theater gehörte er nach dem Krieg zu den ersten Schauspielern. Am 10. Oktober 1945 stand er mit „Hokuspokus“ auf der Bühne. Gemeinsam mit ihm trat die junge, damals noch unbekannte Hildegard Knef auf. Mit dem Siegeszug des Fernsehens spielte er auch Rollen in Serien, wie „Forellenhof“ aus dem Jahr 1965 und „Salto Mortale“ (1969 – 1972). Für sein Wirken bekam Hans Söhnker viele Auszeichnungen: 1968 ernannte man ihn zum Berliner Staatsschauspieler, 1973 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse, 1977 das Filmband in Gold und viele weitere. Auch die höchste Ehrung der Stadt Berlin, die Ernst-Reuter-Plakette, wurde an ihn verliehen.

Hans-Söhnker-Platz

Das Heimatmuseum widmet dem Schauspieler, der in der Wolzogenstraße 22 in Nikolassee und später – bis zu seinem Tod – Im Dol 96 in Dahlem wohnte – eine Sonderausstellung. Dazu trugen langjährige Fans des Stars maßgeblich bei. Wichtige Ausstellungsstücke stammen aus der Sammlung des Ehepaars Gisela und Erich Engel, die nach einer Aufführung im Schlosspark Theater persönlich mit Hans Söhnker in Kontakt kamen, der bis zum Tod Söhnkers bestand. Familie Engel bemühte sich auch nach Kräften um ein öffentliches Andenken an Hans Söhnker – hierbei dachten sie an eine Straßen- oder Platzbenennung. Nach langen Anstrengungen auf verschiedenen politischen Ebenen waren sie erfolgreich: Am 11. Oktober dieses Jahres – der Geburtstag des Schauspielers jährte sich an diesem Tag zum 118. Mal – wurde der Platz an der Altensteinstraße/Ecke Schwendener Straße nach Hans Söhnker benannt. Außerdem trägt der frühere „Club Steglitz“ am Selerweg ebenfalls seit dem 11. Oktober den Namen „Hans-Söhnker-Haus“.

Sonderausstellung „Hans Söhnker – Leinwandheld und Lebensretter“ im Heimatmuseum Zehlendorf, Clayallee 355. Die Ausstellung ist bis Januar 2022 zu sehen. Öffnungszeiten und aktuelle Hygienemaßnahmen unter www.heimatmuseum-zehlendorf.de

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