Gazette Verbrauchermagazin

Ein Architekt und sein Park

Der Messelpark zieht sich durch Schmargendorf und Dahlem

Südliche Teil des Messelparks.
Südliche Teil des Messelparks.
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Juni/Juli 2021
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Messelpark? Ein Gedenken an die Fossillagerstätte in Hessen? Nein, weit gefehlt. Namenspate des langgezogenen Parks, der an der Clayallee beginnt und sich bis zur Pacelliallee zieht, war der Architekt Alfred Messel. „Sein“ Park präsentiert sich als etwa vier Hektar umfassender, langgezogener Streifen. Er ist überwiegend waldartig-naturbelassen. Doch auch ein Spielplatz ist Teil der Anlage. Der Park wie auch die am Park gelegene Messelstraße erinnern an einen Mann, dessen Bauten heute noch das Stadtbild prägen.

Von Darmstadt nach Berlin

Alfred Messel (1853 – 1909) wurde als dritter Sohn in eine Bankiersfamilie in Darmstadt hineingeboren. Schon als Kind zählte Ludwig Hofmann, späterer Stadtbaudirektor von Berlin, zu seinen Freunden. Nach Abschluss der Schule und dem freiwilligen Jahr beim Militär studierte er gemeinsam mit Hofmann an der Kunstakademie in Kassel. Ein Architekturstudium in Berlin folgte. Aus dem Darmstädter Jungen war längst ein Berliner geworden – er war zunächst Referendar beim Bau der Oberpostdirektion in der Spandauer Straße bevor er die Prüfung zum Regierungsbaumeister bestand. Nachdem er den Schinkelpreis für Entwürfe für ein Ausstellungsgelände auf dem Tempelhofer Feld erhalten hatte, bildete er sich zunächst auf Reisen weiter. Nach Aufenthalten in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien kam er nach Berlin zurück. Hier war er als selbständiger Architekt tätig. Viele der Häuser, die er entwarf, stehen heute noch. Darunter befinden sich das Haus des Lette-Vereins am Viktoria-Luise-Platz, das Landhaus Ferdinand Springer, Am Großen Wannsee sowie die Villa Oppenheim in Wannsee und die Villa Wilhelm Wertheim in Grunewald, an der allerdings Veränderungen vorgenommen wurden. Messel konvertierte vom Judentum zum evangelischen Glauben. Er war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und bekam von der Technischen Hochschule in Darmstadt die Ehrendoktorwürde verliehen. Ein langes Leben war dem Architekten, der auch das Wertheim-Warenhaus am Leipziger Platz entwarf, nicht vergönnt. Er starb im Alter von nur 55 Jahren aufgrund einer Herzschwäche. In Dahlem wurde 1910 die Messelstraße nach ihm benannt. Das gefiel den Nationalsozialisten nicht, da Messel aus einer jüdischen Familie stammte. So hieß die Straße von 1938 bis 1947 Ruhlandallee. Anschließend wurde sie rückbenannt und erinnert seitdem wieder an Alfred Messel.

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