28.10.2026: Monatlich erscheint in der Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf ein Thema, zu dem die in der BVV vertretenen Fraktionen Stellung nehmen. Das Thema wird „reihum“ von einer der Fraktionen bestimmt. In dieser Ausgabe hat die Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion das Thema vorgeschlagen.
CDU-Fraktion
Zusammen mit dem Olympiastadion und der Waldbühne besitzt der Olympiapark eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen unseres Bezirks reicht. Mit internationalen Großereignissen wie dem ISTAF, dem jährlichen DFB-Pokalfinale oder den NFL-Spielen ist die sportliche Bedeutung besonders hervorzuheben. Dazu ist das Areal die Heimat verschiedenster Sportvereine und Verbände. Auch die zahlreichen Konzerte und Musikveranstaltungen prägen seit langem das Gelände sowie das Umfeld, wie etwa das jährlich stattfindende Lollapalooza-Festival. Doch bei all diesen Veranstaltungen müssen auch stets die Belastungen, die diese durch Lärm oder Verkehr für die Anwohner mitbringen, berücksichtigt werden. Dieser Aspekt wird für unsere Fraktion auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Es wird also weiterhin darauf ankommen, die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten in einem Einklang zu halten. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der historischen Bedeutung des Areals. Denn neben der sportpolitischen und touristischen Dimension, gehört auch diese zur Identität dieses besonderen Ortes.
Alexander Pönack
B‘90/Grünen-Fraktion
Bei einer vom Bezirksamt organisierten hochkarätigen Fachtagung zum Umgang mit der Geschichte des Olympiageländes wurde nicht nur der dringende Bedarf einer aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte des Geländes – mit der von den Nazis missbrauchten Architektur, dem in allen Skulpturen deutlich werdenden überzogenen Körperkult und dem Missbrauch des Sports für politisch Propaganda – gefordert. Deutlich wurde auch, dass das Olympiagelände viele Chancen bietet. Ein wunderbarer Park lädt ein zum Spazierengehen, Joggen, Radfahren, Skaten, Picknicken und vieles andere, wenn da nicht die abschreckende Wirkung der Schranken, das Fehlen jedes gastronomischen Angebots und von Sanitäranlagen, eine fehlende Beschilderung und andere negative Rahmenbedingungen wäre. Es braucht dringend ein Konzept, das die historische Aufarbeitung der Nutzung des Geländes mit attraktiven aktuellen Nutzungsstrukturen verbindet. Was kann man dem Missbrauch des Sports für eine faschistische Propaganda besseres entgegensetzen, als Lebensfreude und Rückeroberung dieses Geländes durch alle Bevölkerungsgruppen.
Dagmar Kempf
SPD-Fraktion
Erinnern, erklären, öffnen: Der Olympiapark braucht einen dritten Weg. Das Olympiagelände hat zwei Gesichter: Hier trainieren Vereine, hier feiern Zehntausende Konzerte und Fußballspiele – und hier steht das Reichssportfeld, das die Nationalsozialisten für ihre Propaganda bauten. Wer das eine ausblendet, wird dem anderen nicht gerecht. Etwa Skulpturen abzuräumen, löst das Problem nicht. Der Denkmalschutz steht dem entgegen, und Geschichte verschwindet nicht, wenn man ihre Spuren entfernt. Wir wollen sie einordnen und ihr widersprechen. Der Geschichtspfad von 2006 war ein wichtiger Anfang, doch es fehlt ein Ort zum Diskutieren und Lernen. Zugleich soll sich das Gelände stärker für die Menschen im Bezirk öffnen, ohne Sport, Veranstaltungen und Tourismus zu verdrängen. Das Symposion des Bezirksamts 2026 war ein guter Auftakt. Nun müssen Taten folgen: mehr Bildungsangebote, eine Debatte über die Zukunft des Bau- und Flächendenkmals, eine Diskussion über belastete Straßennamen und eine echte Mitsprache des Bezirks. So übernehmen wir Verantwortung für die Geschichte und für den Alltag im Kiez.
Birgit Wasczyk
Linksfraktion
Das Olympia-Gelände ist zentral für den Berliner Sport und zugleich Mahnmal der Stadtgeschichte. Olympia 1936 steht für Rassenwahn und den Körperkult der Nationalsozialist:innen. Die Geschichte darf nicht zur Kulisse werden: Nazi-Kunst muss eindeutig kontextualisiert werden.
Besucher:innen dürfen nicht unkommentiert über Reichsadler und Nazi-Sinnsprüche stolpern, als wäre nichts gewesen. 12 Jahre deutscher Faschismus sind kein „Fliegenschiss der Geschichte“, wie die AfD uns glauben machen will, sondern Mahnung und Auftrag! Wir wollen das Olympia-Gelände für die Zukunft öffnen: für mehr Platz für Vereine und Erholung. Auch ein Skatepark wäre denkbar. Ein Großteil der berlinweiten Skateanlagen ist als befriedigend bis mangelhaft bewertet worden. Und das, obwohl Skateboarden mittlerweile olympische Disziplin ist. Wir brauchen mehr Skateanlagen, die ihren Namen auch verdienen und die möglichst witterungsunabhängig genutzt werden können. Beides gehört für uns zusammen: vielfältige Nutzung und aktive Erinnerung.
Anne Zetsche & Frederike-Sophie Gronde-Brunner
AfD-Fraktion
Das Olympiagelände bildet eine Synthese aus moderner Hightech-Arena für den Profisport, für Freizeit und einem geschichtsträchtigen Open-Air-Museum. 1934 – 1936 wurde das Areal als Monumentalkulisse des Sozialismus errichtet, dem der nationalen Ausprägung. Die kritische Reflexion der von der NS-Ideologie bestimmten Straßennamen, der Architektur und der Kunst ist immer noch Aufgabe der Gegenwart. Eine kürzlich vom Bezirksamt initiierte Fachtagung zum „Geschichtsraum Olympiapark“ ergab neue Anregungen für konkrete Schritte zur weiteren Öffnung des Geländes und für neue Konzepte der Aufarbeitung und Vermittlung der mächtigen steinernen Zeugnisse der Geschichte. Das Olympiagelände birgt ein großes Potenzial für Sport, Bildung, Kultur und Begegnung. Wünschenswert ist ein weites Spektrum für den Spitzen- und den Breitensport, Angebote für Familien und Jugendliche sowie für Großveranstaltungen – ein Ort in unserem Bezirk, der für Berliner und für Touristen gleichermaßen attraktiv ist. Dabei sind Denkmalschutz, Sicherheit und Interessen der Anwohner zu achten.
Michael Seyfert