Charlottenburg-Wilmersdorf
Haus der Nachbarschafft am Volkspark Wilmersdorf
Ein Ort für vieles, ein Haus für alle

16.10.2026: Einladend liegt es unter schattenspendenden Bäumen an der Straße am Schoelerpark: Das Haus der Nachbarschafft (HdN), Begegnungsort und Stadtteilzentrum im Volkspark Wilmersdorf gleich gegenüber der Auenkirche. Das charmante Holzgebäude, das einst vom Grünflächenamt genutzt wurde, hat sich seit 2018 zum vielschichtigen Treffpunkt von Nachbarn entwickelt und einiges geschaffen: Rund 70 kostenfreie Angebote pro Woche bieten für jeden etwas; von Beratungen und Nachbarschaftstreffen über Kreativ- und Bewegungskurse bis hin zu Konzerten, Open-air-Kino und vielem mehr. Alle Veranstaltungen und Angebote sind kostenlos – gefördert durch die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales sowie das Integrationsbüro des Bezirksamts. Auf der aktuellen Webseite des Hauses sind alle Programmangebote und -zeiten angegeben, zusätzlich sind aktuelle Programmankündigungen auf den Infotafeln am Haus der Nachbarschafft zu finden.
Das HdN steht heute unter der Trägerschaft des gemeinnützigen nachbarschafft e. V., der aus der Initiative „Freiwillige helfen im Rathaus Wilmersdorf“ hervorgegangen ist. Die Initiative hatte sich 2015 gegründet, um geflüchtete Menschen in der Notunterkunft im Rathaus zu unterstützen. Nachdem die Unterkunft Ende 2017 geschlossen worden war, waren sich viele Mitglieder einig: Wir wollen unsere ehrenamtliche Arbeit für die Integration von geflüchteten Menschen und ein nachbarschaftliches Miteinander in Berlin fortsetzen. Mit diesem Ziel gründeten 12 Mitglieder von „Freiwillige helfen“ im Sommer 2017 den Verein nachbarschafft e. V. Nachdem dann das Holzgebäude im Volkspark Wilmersdorf frei geworden war und zwei Jahre leer gestanden hatte, bewarb der Verein sich dafür um die Trägerschaft und erhielt Oktober 2017 vom Bezirk den Zuschlag. Mit aus dem Rathaus zog als Erinnerung an die Anfänge ein mit Freiwilligennamenschildern beklebter Schrank um.

Doch bis aus dem Nutzungsgebäude des Grünflächenamtes mit großer Garage und Werkstattbereich ein einladender Treff für die Nachbarschaft werden sollte, bedurfte es erst einmal wochenlanger Umbauarbeiten, die das Gelände zur Großbaustelle werden ließen. Im Jahr 2020 unterbrach dann die Pandemie erst einmal die angelaufenen Hausaktivitäten, die jedoch 2022 Fahrt aufnahmen. Nach und nach entstand ein barrierefreier Begegnungsort, an dem sich Familien, ältere Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund und Nachbarn gleichermaßen in geschütztem Raum wohl und aufgenommen fühlen. Gerade junge Familien, Väter und Mütter, finden im Kiez nicht viel Raum, um sich auszutauschen. Hier wird er ihnen u. a. mit der Krabbelgruppe oder dem beliebten Kindertheater kostenfrei geboten. Dabei ist das Haus wegen seiner geringen Platzkapazität und fehlender Betreuer kein Jugendtreff, auch wenn junge Menschen hier stets willkommen sind: Sie finden für ihre Altersgruppen jedoch umfangreichere Angebote beispielsweise im an der Mecklenburgischen Straße gelegenen Haus der Jugend Anne Frank. Dies ist ebenso wie viele weitere Initiativen rund um den Volkspark auf der gemeinsam mit dem Netzwerk Nachbarschaft Wilmersdorf erarbeiteten Kiezkarte eingezeichnet, die ein wertvoller Wegweiser ist. In den Ferien findet im HdN regelmäßig die Ferienschule Sprungbrett statt, die in Workshops Nachhilfe in Englisch, Deutsch und Mathematik bietet und immer in den Sommerferien mit einem spannenden Theaterprogramm am Start ist.
Den Menschen Raum geben

Mit berechtigtem Stolz führen mich die beiden Powerfrauen und ausgebildeten Diplom-Ingenieurinnen Michaela Boguhn, Projektkoordinatorin am HdN und seit 2022 dabei, und Vereinsvorsitzende Esther Knothe, die von Anfang an dabei ist, durch Haus und Gelände, das sich diesem warmen Herbstnachmittag dank des umliegenden Grüns angenehm kühl präsentiert. Am Gartentisch spielen drei Seniorinnen Karten, daneben hält eine junge Mutter mit Kinderwagen auf einer Bank Siesta. In der zum Mehrzweck-Saal umgebauten ehemaligen Garage ist die Tischtennisplatte gut frequentiert. Hier finden u. a. auch größere Veranstaltungen, Sport- und Tanzkurse sowie das Salonorchester Platz. Weiteren Aktionsraum für das mobile Schreibbüro und unterschiedlichste Gruppen geben der Multiraum und das kleine Café, das aus Schankspendern kostenfrei Kaffee und Tee für jeden anbietet. Dass hier kein wirkliches Café mit Ausschank und Kuchenauswahl, dafür aber ein nachhaltiges kostenloses foodsharing-Angebot für alle existiert, hat seinen konzeptionellen Grund: „Wir geben im Haus der Nachbarschafft allen Menschen Raum sich zu treffen, sich zu engagieren sowie ihr Wissen und ihre Talente an andere weiterzugeben. Ein Dienstleistungskonzept besteht aber nicht“, betont Michaela Boguhn. So können die Räumlichkeiten des HdN auch nicht für private Feiern oder Veranstaltungen genutzt werden, und auch Honorarkräfte werden nicht beschäftigt. Die Leiterin ergänzt:
„Das Haus der Nachbarschafft unterstützt Engagement in vielerlei Richtungen – es bietet aber keinerlei parteipolitische Bühne.“
Rund 55 Ehrenamtliche, die u. a. über die Freiwilligenagentur zum HdN gefunden haben, halten die Nachbarschaffts-Einrichtung an der Seite des mit sieben Stellen relativ kleinen Mitarbeiterteams am Laufen, fegen dabei auch mal den Hof oder betätigen sich im Terrassenbereich oder an der Geschenkebox im Garten, die derzeit zum Bersten gefüllt auf Abnehmer von gut erhaltener Kleidung und Dekogegenständen wartet. Nachdem an der Terrasse der kranke Ahorn aus Sicherheitsgründen entnommen werden musste, sieht nun eine Kräuterschnecke duftenden Zeiten entgegen und erfreut sich der Holunder bester Gesundheit. Jede unterstützende Hand ist im HdN willkommen. Kooperationen, wie sie u. a. zu Integrationslotsen, Kiezmüttern, Seniorenberatung oder wortlaut Bildungswerkstatt bestehen, laufen indirekt über das Bezirksamt. So hat auch die Lastenradflotte Berlin auf dem Gelände des HdN eine Station.
Highlights und Teilhabe für alle

Besonderes Interesse von Seiten der Gäste im HdN aber gilt der Fahrradwerkstatt, der Nähwerkstatt, der Holzwerkstatt und dem Sprachcafé, bei denen jeder willkommen ist. „Wie können Menschen sich doch freuen, wenn sie unter ehrenamtlicher Fachanleitung ihr altes Fahrrad wieder zum Laufen oder dem alten Schränkchen von der Oma zu neuem Glanz und dem alten Stuhl mit Wiener Geflecht zu frischem Ansehen verholfen haben“, erzählt Esther Knothe, die verantwortlich für Holz- und Fahrradwerkstatt ist. Eine große Werkzeug-Auswahl kann vor Ort genutzt und in der Werkstatt für den eigenen Bedarf gearbeitet werden. Werkzeug-Verleih gibt es nicht.
In der Nähwerkstatt an bedienungsfreundlichen Nähmaschinen entsteht indessen aus vorhandenen oder mitgebrachten Stoffen manch schickes Teil oder wird einem älteren Stück zu neuem Pepp verholfen. Und wer nur wenig Nähkenntnis hat, bekommt das fehlende Wissen unkompliziert von versierteren Mitstreiterinnen vermittelt – eine Hand hilft der anderen. Die Plätze in der Nähwerkstatt sind schnell besetzt, daher ist pünktliches Erscheinen von Vorteil.
Im Sprachcafé hingegen geht es wortreich zu. 11 Nationalitäten üben sich hier in der Deutschen Sprache, nicht selten zählt man hier bis zu 25 Teilnehmende. Das Procedere ist ungezwungen. Zu Beginn wird ein gemeinsames Diskussionsthema vorgegeben. Im zweiten Teil dann erfolgt in kleinen Grüppchen der Austausch zu beliebigen Alltagsthemen in persönlicher Atmosphäre. Besonders beliebt sind die Ausflüge in den Bundestag, wo sich Demokratie hautnah erleben lässt.
Und dann ist da das alle zwei Jahre im Sommer stattfindende Nachbarschafftsfest, das gemeinsam vom HdN und dem Netzwerk Nachbarschaft Wilmersdorf organisiert, unter den schattenspendenden Bäumen der Straße am Schoelerpark auch in diesem Jahr im August wieder mit über 40 Ständen die passende Bühne gefunden hatte und immerhin 5.000 Besucher zählen konnte.

So sind sich Besucher und Mitarbeitende an diesem Begegnungsort HdN für alle im Herzen von Wilmersdorf einig: Es bleibt kurzweilig, gibt es doch noch reichlich Neues voneinander zu lernen, miteinander auszutauschen und untereinander zu besprechen – und das im Rahmen nicht-kommerzeller Angebote.
Weitere Informationen zu Angeboten und Programm am Haus der Nachbarschafft sowie die Öffnungszeiten unter www.nachbarschafft-ev.de
Haus der Nachbarschafft Straße am Schoelerpark 37, 10715 Berlin
Jacqueline Lorenz

